FC Bayern:Lewandowski brennt auch unter Ancelotti

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FC Bayern: Trifft und trifft und trifft schon wieder: Robert Lewandowski.

Trifft und trifft und trifft schon wieder: Robert Lewandowski.

(Foto: Christoph Stache/AFP)

Beim 5:0 des FC Bayern im DFB-Pokal gegen Jena trifft der polnische Angreifer drei Mal. Womöglich kommt ihm das System des neuen Trainers noch mehr entgegen als das von Guardiola.

Von Christoph Dorner, Jena

Nach einem Abend ohne Fortune für den Regionalligisten hatten die Zuschauer auf der Haupttribüne doch noch eine Laola initiiert bekommen, die mit trotziger Glückseligkeit durch das Ernst-Abbe-Sportfeld schwappte. Da passte der eingewechselte Julian Green den Ball noch einmal in die Mitte des Jenaer Strafraums. Dort stand der Mann bereit, der diesem Erstrundenspiel im DFB-Pokal mit seiner kühlen Präzision früh die ohnehin nur vage Hoffnung auf eine Sensation genommen hatte. Was Robert Lewandowski in der 87. Minute dann freistehend vollführte, sah aber eher aus, wie der missglückte Hieb eines Golfers aus einem Sandbunker. Der Ball sprang vor Schreck neben das Tor von Jenas Torhüter Raphael Koczor, der in der Regionalliga Nordost vier Spiele ohne Gegentor geblieben war.

Für Lewandoski war es ein fast schon grotesker Fehlschuss, einer, von dem sich ein Mario Gomez wahrscheinlich eine ganze Saison nicht erholen würde. Und einer ohne Folgen. Denn der FC Bayern führte zu diesem Zeitpunkt bereits locker 5:0 gegen Carl Zeiss Jena, drei Tore, einen Hattrick, hatte Lewandowski wie nebenbei erzielt. Deshalb wurde der polnische Stürmer zurecht zum "Man of the Match" gewählt. Der DFB hat sich diese kleine Ehrung, bei der die Fans ab der 46. Spielminute mit dem Smartphone über den besten Spieler der Partie befinden sollen, von den amerikanischen Profiligen abgeguckt.

Müller verwirrt die Gegenspieler auf müllerhafte Weise

Viel Mühe haben sie sich beim DFB für die Auszeichnung aber nicht gegeben. Lewandowski nahm das Täfelchen, das aussah, als hätten Kindergartenkinder ihre Füße in Ton hineingedrückt, nach dem Spiel ungerührt entgegen. Einen Ehrenplatz, etwa neben der Torjägerkanone der vergangenen Saison, wird es zu Hause bei den Lewandowskis wohl eher nicht bekommen. Dabei war der 27-jährige Stürmer bereits ähnlich furchteinflößend unterwegs, wie bei vielen seiner Auftritte in der Vorsaison. Dies fiel umso mehr auf, weil der Rest der Mannschaft auch in Jena nach einem Software-Update für ihr Spiel ohne Pep suchte.

"Die Unterschiede zwischen den Trainern sind nicht so groß. Wir kommen aber weiter von hinten", sagte Lewandowski, als er nach Spielschluss noch einmal für Interviews die blaue Tartanbahn im Stadion betrat. Nun will er mit einem Mitspieler wetten, wie viele Tore ihm in der kommenden Saison gelingen. Robert Lewandowski ist ein intelligenter Mensch, also stapelt er nach seinem Hattick lieber tief: "Was ich letztes Jahr gemacht habe, war Wahnsinn. Das zu wiederholen, wird nicht so leicht."

Im Provisorium des Ernst-Abbe-Sportfelds jedenfalls war die Handschrift von Carlo Ancelotti nur dahingehend zu erkennen, dass die Bayern selbst gegen einen tapferen Viertligisten nicht mehr so luftabschnürend auftreten wie unter Guardiola. Ancelotti hatte in seinem 4-3-3-System zunächst David Alaba anstelle von Mats Hummels in der Innenverteidigung aufgeboten, außen verteidigten Rafinha und Juan Bernat. Im Mittelfeld kreiselten Arturo Vidal, Philipp Lahm und Joshua Kimmich in der ersten Halbzeit wahllos umeinander und schoben sich die Bälle zu.

Dass es dennoch sofort gefährlich wurde, wenn es gelang, die überforderte Jenaer Abwehr zu überspielen, lag am gedankenschnellen Lewandowski. Der zog schon in der 3. Minute mit Ball in den Strafraum, wurde aber zunächst abgeblockt. Dabei kam Thomas Müller an den Ball und fiel zur Verwirrung seiner Gegenspieler derart müllerhaft auf den Rücken, dass Lewandowski den Ball nur noch über die Linie schieben musste.

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