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FC Bayern:Der Verein spricht mit mehreren Zungen

FC Bayern - Trainer Niko Kovac beim Spiel gegen RB Leipzig

Niko Kovac beim 0:0 in Leipzig.

(Foto: REUTERS)
  • Der FC Bayern verpasst die Entscheidung in der Meisterschaft und spielt nun die beiden entscheidenden Saison-Spiele.
  • Die Position von Niko Kovac scheint dabei unsicherer denn je.
  • Wenn es um die Zukunft ihres Trainers geht, äußern sich die Verantwortlichen zunehmend vage.

Vielleicht ist Uli Hoeneß all die Jahre schreiendes Unrecht widerfahren. Immer wieder wurden diese Witze gemacht, Uli Hoeneß, der sein Handy nur zum Telefonieren nutzt, Uli Hoeneß, der seine Frau bittet, dass sie ihm eine SMS schreibt, Uli Hoeneß, der unterm Weihnachtsbaum die Mailboxnachrichten eines ganzen Jahres abhört. Manche dieser Geschichten sind wahr, manche halb- und manche unwahr gewesen, aber für die neueste Achtung-Hoeneß-benützt-ein-Handy-Geschichte gibt es eine Menge Zeugen.

Uli Hoeneß saß also in diesen wirklich dunklen Katakomben des Leipziger Stadions schon im Bus des FC Bayern, als er doch noch mal kurz nach draußen kletterte und ein paar Reportern ein (sein?) Smartphone hinhielt. Darauf: ein sog. Screenshot, auf dem unter anderem Robert Lewandowski zu sehen war - und dieses "sogenannte Abseits", wie Hoeneß es nannte, bevor er es ein paar Sekunden später den "Witz des Jahres" nannte. Schon kurz zuvor hatte Hoeneß, noch smartphonefrei, ein Instant-Referat zum Thema Videobeweis gehalten, der Videobeweis sei nämlich "dafür da, klare Fehlentscheidungen zu korrigieren" - und eine solche sei das angebliche und später aberkannte Tor von Leon Goretzka ja wohl nicht gewesen. "Gleiche Höhe!", rief Hoeneß, "gleiche Höhe."

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Es rief übrigens derselbe Hoeneß, der den sehr, sehr, sehr umstrittenen Elfmeter, den die Bayern kürzlich im DFB-Pokal-Halbfinale in Bremen empfingen, sehr berechtigt fand.

Dass die Münchner ihre Emotionen nach dem intensiven 0:0 in Leipzig erst mal sortieren mussten, war grundsätzlich nicht zu beanstanden; selbst eine so weit gereiste Elf wie der FC Bayern erlebt das ja nicht jeden Tag, dass eine 50. Spielminute zwei Minuten dauert, und dass man sich in diesen zwei Minuten als Meister fühlen darf und es dann doch nicht ist. Eine Zehenspitze einer offenbar eher kleineren Schuhgröße hatte der Videoschiedsrichter entdeckt, als er das Tor ordnungsgemäß noch einmal nachbetrachtete - bei Goretzkas erstem Schuss fanden sich geringfügige Teile von Robert Lewandowski hinter der kalibrierten Abseitslinie, weshalb der turbulente Rest der Szene (Flanke Coman, Kopfballabwehr Konaté, Tor Goretzka durch Scherenschlag) quasi schon außerhalb der Wertung stattfand. Auch Goretzkas ausführlicher Tor- und Meisterjubel wurde durch den Videoreferee nachträglich für ungültig erklärt, "schade", sagte Niklas Süle, "war ein Supertor von Gorre".

Das hatte man also immerhin gelernt in diesem ersten von zwei Aufeinandertreffen zwischen RB Leipzig und dem FC Bayern: dass manche "Gorre" zu Goretzka sagen. Das war bisher wirklich unbekannt.

Im Übrigen endete dieses Spiel noch viel unentschiedener, als es das Ergebnis ohnehin nahelegte. Leipzigs Trainer Ralf Rangnick lehnte alle Rückschlüsse fürs Pokalfinale in zwei Wochen ab, unter anderem, weil er bei seiner Mannschaft "fünf Prozent Adrenalin weniger" zählte. Die Leipziger wussten ja schon vor dem Spiel, dass sie in jedem Fall auch nach dem Spiel noch Tabellendritter sein werden, aber insgeheim dürfte Rangnick das kämpferisch tadellose und fußballerisch zumindest ordentliche Spiel des Gegners aus München neugierig studiert haben. Sollte er dabei Neues entdeckt haben, wären ihm die Bayern übrigens dankbar, wenn er ihnen die Erkenntnisse zugänglich machen würde - die Bayern wissen ja gerade selbst nicht so genau, was sie von sich halten sollen.