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FC Bayern in der Einzelkritik:Zehn Jupps für Javi Martínez

Der Spanier erinnert an die Triple-Saison, verletzt sich aber. Sven Ulreich ist der geheime Held. Und Kingsley Coman droht trotz Seemannsköpper die Bank. Der FC Bayern gegen Freiburg in der Einzelkritik.

Aus dem Stadion von Martin Schneider

14 Bilder

Hertha BSC - Bayern München

Quelle: dpa

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Sven Ulreich

War eigentlich der geheimste Held dieses Spiel. Wenn er in der sechsten Minute nicht zum richtigen Zeitpunkt aus dem Tor kommt, nicht den linken Fuß stehen lässt und nicht das Eins-gegen-Eins-Duell gegen den Freiburger Ryan Kent gewinnt - ja, dann steht es 1:0 für den SC Freiburg. Und kein Mensch wüsste, wie dieses Spiel dann ausgegangen wäre. In den restlichen 84 Minuten war er größter Profiteur der Tatsache, dass der FC Bayern nicht mehr bei jedem Ballverlust einen Konter zulässt. Es war ja in Vergessenheit geraten, dass man als Bayern-Torwart bei Heimspielen normalerweise auch mit einem Schäferhund Gassi im Strafraum gehen kann. Bekommt acht von zehn Jupps. Zwei Abzüge, weil Manuel Neuer sich bei Untätigkeit immer an den Mittelkreis stellt und dort noch ein paar Pässe spielt.

(Archivbild)

FC Bayern Muenchen v Sport-Club Freiburg - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

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David Alaba

Einer von fünf Bayern-Spielern in der Startelf, die schon im Champions-League-Finale 2013 auf dem Platz standen. Auch einer der Bayern-Spieler, bei denen Jupp Heynckes ziemlich offen sagt, dass sie derzeit nicht das spielen, was sie können. Gut, es wäre bei Alaba auch Realitätsverleumdung, etwas anderes zu behaupten. Vermisst natürlich seinen Spezi Franck Ribéry auf der linken Seite - kam aber auch mit Kingsley Coman ganz gut zurecht. Provozierte mit einem scharfen Querpass das Eigentor von Julian Schuster zum 1:0. Bekommt fünf Jupps, und das sind schon drei mehr als in den vergangenen Spielen.

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Quelle: AFP

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Jérôme Boateng

War unter Carlo Ancelotti ein Kandidat für die Tribüne, steht nun wieder so sicher wie die Frauenkirche in München. Schlug wie zu besten Zeiten lange Bälle in die Spitze - die kamen aber noch nicht an wie in besten Zeiten. In der Defensivarbeit tadellos, unter anderem weil der FC Bayern die Freiburger bei Ballverlust wieder früh störte. Das zwang den Sportclub zu langen Bällen, und wenn ein Jérôme Boateng in ein Kopfball-Duell muss, dann prallt man als Gegenspieler daran ab wie an einem Turm der Frauenkirche. Gibt sieben Jupps minus zwei Peps wegen unpräziser Pässe.

(Archivbild)

FC Bayern Muenchen v Sport-Club Freiburg - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

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Mats Hummels

Stand auch im Champions-League-Finale 2013 auf dem Platz. Aber in schwarzgelb und nicht von Jupp Heynckes aufgestellt. Merkte darum auch an, dass er bisher ja nur schlechte Erfahrungen mit dem neuen Trainer gemacht habe. Dachte vielleicht ein bisschen zu oft daran, war aber nicht der einzige Ex-Dortmund, dem es so ging (siehe Lewandowski). War der schlechtere des Weltmeister-Duos in der Innenverteidigung - allein, das machte nichts. Gewann die Zweikämpfe, die er gewinnen musste und erledigte auch sonst seinen Job. Bekommt für diese Arbeitermentalität drei Hermann Gerlands und noch zwei Jürgen Klopps, weil seine Steilpässe definitiv zu riskant waren.

FC Bayern Muenchen v Sport-Club Freiburg - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

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Joshua Kimmich

Wäre er dreimal so alt, wäre er immer noch jünger als Jupp Heynckes (22 Jahre zu 72 Jahre). Hätte fast den Einstand versaut, weil er mit einem Fehlpass die große Freiburger Chance nach sechs Minuten ermöglichte. Aber davon abgesehen ist es ihm gerade wirklich herzlich egal, ob Carlo Ancelotti, Joachim Löw oder Jupp Heynckes sein Trainer ist: Befindet sich seit Anfang in der Saison im Lokomotiven-Modus und schrubbt auf seiner Seite so viele Kilometer ab, dass Freiburgs Trainer Christian Streich ("Wir müsse marschiere wie de Salzmänner") ihm zehn von zehn Salzmännern geben würde. Traf dann auch noch mit dem Schlusspfiff. Weil er nicht aufhörte zu laufen.

Bayern München - SC Freiburg

Quelle: dpa

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Javi Martínez

War ja in der Triple-Saison DER Henyckes-Spieler und spielte im Finale von Wembley eines seiner besten Spiele. Das hat mittlerweile fast jeder vergessen - Heynckes natürlich nicht. Stellte ihn wieder auf die Position im defensiven Mittelfeld, für die er ihn damals für 40 Millionen Euro (das war 2012 noch ziemlich teuer, Anm. d. Red.) von Bilbao gekauft hatte. Das Ergebnis dieser Umstellung: Martínez war überall. Wirklich überall. Gewann defensiv seine Zweikämpfe, besetzte die Räume, die er besetzen musste, köpfte alleine in der ersten Halbzeit dreimal (!) aufs Freiburger Tor - auch ohne Standardsituation. Wurde nach etwas mehr als einer Stunde ausgewechselt, nachdem er mit Florian Niederlechner zusammengeprallt war - die Schulter zwickte. Gegen Celtic Glasgow fällt er wohl aus. Dennoch: Zehn von zehn Jupps plus einen Schäferhund Cando als Sternchen.

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Quelle: AFP

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Thiago

War formal Teil der Doppelsechs neben Martínez, aber weil der Baske sämtliche Defensivarbeit übernahm, durfte sich Thiago fast immer auf der Zehn austoben. Ist noch nicht ganz da, wo er vor ziemlich genau einem Jahr mal war. Doch als er in der 63. Minute auf der Zehn den Ball bekam und diesen mit einer Wucht, die man auch vom alten Thiago nicht kannte, zum 3:0 ins Eck wummste. War zudem laufstärkster Bayern-Spieler. Bekommt sieben von zehn Jupps und für den Schuss einen goldenen Michael Tarnat.

FC Bayern Muenchen v Sport-Club Freiburg - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

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Arjen Robben

Versuchte unter der Woche, die niederländische Fußballnationalmannschaft zu retten. Aber er schaffte keine sieben Tore gegen Schweden. Lieferte trotzdem eine grandiose Abschiedsvorstellung im orangenen Trikot. Im roten Trikot sichtlich müde von dem Versuch, ein Spiel alleine zu gewinnen. Entschuldigte sich mehrfach bei Kimmich, weil seine Zuspiele zu ungenau waren. Nur einmal mit dem Robben-Move (von außen nach innen ziehen und mit links schießen) erfolgreich - prompt fiel das 2:0. Nicht durch Robben, aber weil Alexander Schwolow den Ball nach vorne abwehrte, konnte Coman einköpfen. Sieben Jupps minus drei Dick Advocaats.

FC Bayern Muenchen v Sport-Club Freiburg - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

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Thomas Müller

Hatte unter der Woche ein längeres Gespräch mit Heynckes. Ziel des Gesprächs: aus dem aktuellen Müller wieder den alten Müller zu machen. Durfte wie der alte Müller als freier Radikaler in der Offensive seine Laufwege suchen und finden. Stolperte vor dem 1:0 in den Querpass von David Alaba, und auch wenn er den Ball nicht berührte und es ein glasklares Eigentor war, rief ihn der Stadionsprecher mal als Torschütze aus - er war ja irgendwie beteiligt. Und wen interessieren eine handvoll unglücklicher Pässe, wenn er in der 75. Minute den Ball heroisch erkämpft und ihn Robert Lewandowski so vorlegt, dass der frei einschießen kann? Bei seiner Auswechslung gefeiert und von der Kurve besungen, als hätte er das Spiel seines Lebens gemacht. Siebeneinhalb von zehn Thomas Müllers, weil ein Thomas Müller nur sein eigener Maßstab sein kann.

FC Bayern Muenchen v Sport-Club Freiburg - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

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Kingsley Coman

Köpfte das 2:0 per Seemannsköpper. Sprang wie ein Seehund in den von Schwolow abgewährten Robben-Schuss und erzielte mal wieder ein Tor. Der Treffer war seine auffälligste Szene, was nicht so richtig für ihn spricht. Hat aufgrund der Verletzung von Franck Ribéry nun alle Chancen zu spielen. Aber in der Form könnte Jupp Heynckes sich auch daran erinnern, dass ein James Rodríguez auf der Bank sitzt. Bekommt vier von zehn Jupps und braucht mindestens sieben, um auch gegen Glasgow wieder auf dem Platz zu stehen.

Bundesliga - Bayern Munich vs SC Freiburg

Quelle: REUTERS

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Robert Lewandowski

Stand in der 60. Minute am Elfmeterpunkt und freute sich wahrscheinlich darauf, sein bis dahin eher schwaches Spiel mit einem Tor vergessen zu machen - aber dann nahm der Videoschiedsrichter den Strafstoß wieder zurück. Wurde dafür dann von Thomas Müller so angespielt, dass er aus dem Spiel heraus quasi frei am Elfmeterpunkt zum Schuss kam. Machte das 4:0 und damit sein eher schwaches Spiel mit einem Tor vergessen. Hat wie Hummels die Ausrede, dass ihm dieser Jupp Heynckes bisher nur Schaden zugefügt hat. Aber als ehemaliger Torjäger kennt Heynckes natürlich die Befindlichkeiten von Stürmern. Fünf von zehn Trainer-Jupps, aber acht von zehn Stürmer-Jupps. Wer als Stürmer trifft, hat schließlich vieles richtig gemacht.

Sebastian Rudy

Quelle: Sven Hoppe/dpa

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Sebastian Rudy

Hat seit seinem Tor in der Nationalmannschaft gegen Nordirland offenbar Spaß an Weitschüssen gefunden - versuchte es gegen Freiburg wieder, der Schuss wurde aber geblockt. Hat das Problem, dass Jupp nun auf Martínez als Sechser setzt.

(Archivbild)

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Quelle: AFP

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Corentin Tolisso

Kam auch und hat das gleiche Problem wie Sebastian Rudy.

(Archivbild)

Hertha BSC v FC Bayern Muenchen - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

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Niklas Süle

Hat zwar nicht das gleiche Problem wie Rudy und Tolisso. Sondern einen Konkurrenten weniger. Durfte dennoch erst in der 82. Minute mitspielen.

(Archivbild)

© SZ.de/chge
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