Bundesliga Kovac sprach hinterher von "individuellen Fehlern"

Da war das Düsseldorfer 2:3 nach 77 Minuten. Diesmal hatte Javi Martínez per Grätsche im Mittelfeld einen Ball klären wollen, der aber bei Düsseldorfs Linksverteidiger Niko Gießelmann landete. Interessant war nun die Münchner Raumaufteilung. Während sechs Bayern-Spieler mindestens zwei Meter vor der Mittellinie standen, hatten sich die Innenverteidiger Süle und Boateng deutlich weiter hinten positioniert, zudem nicht auf einer Höhe. Gießelmann schoss den Ball flach nach vorne, da bewegte sich Boateng nach in die entgegengesetzte Richtung, offenbar um Lukebakio ins Abseits laufen zu lassen. Das Problem war allerdings: Er entschied sich deutlich zu spät dafür. Süle, der weiter vorne gestanden hatte, kam ebenfalls nicht hinterher, und Lukebakio lief seinen Gegnern davon. Und traf. Zwar entschied das Schiedsrichter-Team auf Abseits - nach Video-Entscheid wurde dies aber richtigerweise korrigiert.

Und da war das Düsseldorfer 3:3, in der dritten Minute der Nachspielzeit. Im Mittelfeld flog ein hoher Ball ins Zentrum, wo Rouwen Hennings Platz hatte und den Ball direkt weiterleitete. Martínez verfolgte ihn zwar, traf aber zu spät ein. Boateng, der auf gleicher Höhe mit Süle stand, versuchte den Ball weg zu köpfen, erreichte ihn aber nicht. Wieder musste Süle ins Laufduell mit Lukebakio, wieder war der Düsseldorfer schneller. Und wieder traf er, diesmal durch die Beine von Neuer hindurch. In dieser Szene stand die Münchner Mannschaft sehr, sehr hoch, was einem schnellen Spieler wie Lukebakio entgegen kam.

Bis zum Spiel gegen Lissabon genießt Kovac eine Jobgarantie

Wenn eine Mannschaft viele Gegentore bekommt, gibt es im Grunde zwei Reflexe. Der erste Reflex besteht darin, über die Verteidigung zu klagen, die ja schließlich nicht ohne Grund Verteidigung heißt, sie soll ja das Tor verteidigen. Der andere Reflex, in der Regel vorgetragen von etwas kundigeren Leuten, besteht darin, darauf hinzuweisen, dass man nicht oder nicht ausschließlich über die Verteidigung klagen möge. Defensivarbeit beginne ja weiter vorne. Im Fall des FC Bayern liegt die Wahrheit wohl irgendwo dazwischen. Niklas Süle ist weiterhin ein schneller Verteidiger, für seine Nebenleute Boateng/Mats Hummels gilt das derzeit nicht unbedingt. Hinzu kommt aber das Fehlen richtiger Absicherungsmechanismen. Javi Martínez, einst einer der besten Wellenbrecher Europas, rennt allzu oft hinterher. Warum die Mannschaft etwa vor dem 3:3 so hoch stand, bedarf ebenfalls einer Erklärung.

Kovac sprach hinterher von "individuellen Fehlern", "die kann kein Trainer der Welt verhindern". Jedes Tor für sich genommen, mag das stimmen. Allerdings deutet die Vielzahl dieser Fehler auf ein Muster hin. Düsseldorfs Trainer Friedhelm Funkel erklärte ja nach dem Spiel seinen Plan, der nicht maximal revolutionär klang: Der schnelle Lukebakio sollte es vorne richten. Das wirft die Frage auf, ob man so eine Taktik des Gegners nicht antizipieren kann beziehungsweise im Spiel nicht darauf hätte reagieren können, wenn man den Geschwindigkeitsunterschied der Spieler bemerkt. Ob man also nicht taktisch eingreift, wenn man um das mangelnde Tempo der eigenen Spieler weiß. "Wie immer" werde er mit der Mannschaft alles aufarbeiten, sagte Kovac noch. Es dürfte viel zu tun geben bis zu dem Spiel gegen Benfica Lissabon, für das Kovac ja noch eine sogenannte Job-Garantie genießt.

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