Basketball:Klassentreffen mit Botschaft

Basketball: 50 Ex-Spieler, vier Medaillen-Bundestrainer: Am Ende der "Night of Legends" posieren alle Protagonisten zum Gruppenfoto.

50 Ex-Spieler, vier Medaillen-Bundestrainer: Am Ende der "Night of Legends" posieren alle Protagonisten zum Gruppenfoto.

(Foto: FCBB/oh)

Bei einer "Night of Legends" vor dem Top-4-Turnier in München feiert sich der deutsche Basketball selbst - manche würden gern endlich eine Hall of Fame sehen.

Von Gerald Kleffmann

Dieser Abend, den es so noch nie gab im deutschen Basketball, beginnt auf Ebene 2 in der Biker's Lodge. Tartarhäppchen und Prickelbrause werden gereicht, die Servicekräfte müssen Geschick beweisen, sie balancieren ihre Tabletts zwischen Riesen hindurch. "Celebrating German Basketball", so hat der Ausrichter - der FC Bayern Basketball - das Motto der Veranstaltung benannt, die am Vorabend des Top-4-Pokalwochenendes in München abgehalten wird. 50 ehemalige deutsche Spieler mit addiert mehr als 1000 Länderspielen haben sich zusammengefunden zu diesem einmaligen Klassentreffen, inklusive der vier Bundestrainer, die ihre Auswahlen zu Medaillen geführt hatten, Svetislav Pesic (EM-Gold 1993), Henrik Dettmann (WM-Bronze 2002), Dirk Bauermann (EM-Silber 2005) und Gordon Herbert (WM-Gold 2023).

"Ich war 14 Jahre Profi", sagt Per Günther, 36, der mit seinen 1,84 Metern klein wirkt, als Dribbler und Passgeber aber früher für Ulm und das Nationalteam herausragte, "ich wüsste nicht, dass es eine derartige Veranstaltung gab." Schon wird er begrüßt, Heiko Schaffartzik klatscht ihn grinsend ab, just jener Kollege, der ihm einen Wechsel zu Bayern verwehrte, weil er damals die Position des Point Guards beim Bundesliga-Neuling innegehabt hatte.

"Wir wollen Basketball auf ein höheres Level heben", sagt Bayern-Geschäftsführer Marko Pesic

In der BMW Welt herrscht familiäre Stimmung, was nicht nur an den charmanten Moderationen von Nina Eichinger liegt, der Tochter des verstorbenen Filmproduzenten Bernd Eichinger. Die "Night of Legends" hat, das fällt auf, aber auch ein gewichtigeres Anliegen. "Wir wollen Basketball auf ein höheres Level heben", sagt Bayern-Geschäftsführer Marko Pesic auf der Bühne, nachdem die Gesellschaft zum Gala-Dinner in die Halle namens Doppelkegel umgezogen ist. Er lässt ein Buch herumgehen, mit der Bitte, jeder möge sich eintragen. Kein Spatenstich, dafür Unterschriften als Signal einer neuen Ära. An dem, zumindest am Freitag, erstaunlicherweise weder der Deutsche Basketball-Bund noch die Basketball-Bundesliga involviert waren.

So ist die Eigeninitiative des FC Bayern auch als Fingerzeig an die Führungsverbände zu deuten, dass viel mehr passieren sollte im Land des neuen Weltmeisters, vor allem im öffentlichen Bewusstsein müsse sich der Sport besser verankern. Alle wüssten, dass Günter Netzer und Paul Breitner die ersten deutschen Fußballer bei Real Madrid waren, sagt bezeichnend Marko Pesic. "Im Basketball war aber Norbert Thimm auch als Erster bei Real, von 1972 bis 1974." Da gab es Applaus, als dieser sich erhob. Gelebter Geschichtsunterricht nach rosa Lende an Wirsing.

Insbesondere ein Thema geistert durch den Raum. "So ein Abend wird nicht gleich alles ändern, aber er stärkt die Idee einer Hall of Fame", sagt Günther, "ich kenne von den besten deutschen Basketballern aus den Siebziger-, Achtzigerjahren quasi keine Bilder, weil es diese Bilder nicht gab." Er fordert, eine solche Basketball-Ruhmeshalle einzurichten. "Sie wäre angebracht, um das Geleistete zu ehren. Und sie könnte auch die jüngere Generation inspirieren." Holger Geschwindner, 78, bei den Olympischen Spielen in München dabei und legendärer Wegbegleiter Dirk Nowitzkis, schwärmt: "Es ist eine tolle Veranstaltung", er macht in seiner trockenen Art aber auch klar: "Wir von der 72er Truppe haben leider schon mehr Beerdigungen hinter uns als Feiern. Die Uhr tickt." Vielleicht, konnte man folgern, sollte der deutsche Basketball nicht noch 50 Jahre mit einer Hall of Fame warten.

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