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Michael Gregoritsch vom FC Augsburg:"Ein No-go im Mannschaftssport"

Im Trikot der österreichischem Nationalmannschaft: Michael Gregoritsch.

(Foto: AFP)
  • Der Augsburger Michael Gregoritsch möchte den FC Augsburg verlassen - und sagt dies auch öffentlich.
  • Dafür wird er vom Klub nun vorerst suspendiert.
  • Seine Zukunft beim FCA scheint offen.

Von Sebastian Fischer

Zuerst schoss er den Ball nach einer Ecke übers Tor, dann noch einmal nach einem Querpass von links im Strafraum. Er zielte später knapp vorbei, sein Gegenspieler grätschte noch dazwischen. Zum Schluss schoss er noch einmal an die Latte. Die Zuschauer im Daugava-Stadion in Riga, 2781 waren es nur beim 1:0 Lettlands gegen Österreich in der EM-Qualifikation, haben am Dienstag zwar eine schwache österreichische Mannschaft gesehen, aber auch etwas, das es schon ziemlich lange nicht mehr zu sehen gab: den Angreifer Michael Gregoritsch in Aktion im gegnerischen Strafraum.

Es ist nicht allzu lange her, da war Gregoritsch, 25, einer der wichtigsten Offensivspieler des FC Augsburg, viel beachtet in der gesamten Bundesliga. In der Saison 2017/2018 schoss er 13 Tore, in der folgenden Spielzeit sechs. In dieser Saison hat er bislang sechsmal gespielt, zweimal davon als Einwechselspieler. Ein Tor hat er noch nicht geschossen. "Für mich ist klar, dass ich im Winter unbedingt von Augsburg weg will, damit ich die Möglichkeit habe, regelmäßig zu spielen und mich fürs Nationalteam zu empfehlen", sagte er deshalb vor ein paar Tagen österreichischen Journalisten. "Hauptsache weg", so zitiert ihn die Nachrichtenagentur Apa.

Nun hat sich allerdings Augsburgs Angreifer Alfred Finnbogason auf Länderspielreise an der Schulter verletzt - vor der Winterpause wird der Isländer nicht mehr spielen. Daher ist dies jetzt eine wichtige Frage beim FCA: Wie geht es mit Gregoritsch weiter? Wie der Klub am Donnerstag bekannt gab, wurde der Stürmer wegen seiner Aussagen vorerst vom Training und für das Spiel am Sonntag gegen Hertha BSC suspendiert.

"Das Verhalten und die Äußerungen von Michael Gregoritsch sind in einem Mannschaftssport ein No-go", erklärte Sport-Geschäftsführer Stefan Reuter. Der Spieler habe nun "in den kommenden Tagen Zeit, sich über seine Äußerungen und sein Verhalten intensiv Gedanken zu machen".

Gregoritsch wäre fast in Bremen oder Gladbach gelandet

Um die Situation des Österreichers zu verstehen, muss man die Geschehnisse des Sommers kennen. Da hatte Gregoritsch großes Interesse, den Verein zu verlassen, und Werder Bremen interessierte sich für Gregoritsch. "Es ist ein offenes Geheimnis, dass ich hätte wechseln können, es ist ein Angebot auf dem Tisch gelegen", sagte er in der vergangenen Woche noch mal. Doch der FCA, der ihm dem Vernehmen nach signalisiert hatte, dass ein Wechsel im Sommer durchaus möglich sein würde, verlangte offenbar eine höhere Ablösesumme, als Bremen bezahlen wollte, angeblich mehr als zehn Millionen Euro. Auch Borussia Mönchengladbach soll sich vergeblich um Gregoritsch bemüht haben.

Währenddessen ließ der Klub allerdings Spieler wie Innenverteidiger Kevin Danso zum FC Southampton oder Martin Hinteregger zu Eintracht Frankfurt ziehen. "Man sieht, dass es Möglichkeiten gibt, aus Augsburg wegzukommen, aber wenn man sich so verhält wie ich, anscheinend nicht", sagte Gregoritsch. "Und jetzt bin ich ordentlich liegengelassen worden." Hinteregger hatte öffentlich seinen Transfer gefordert. Er, Gregoritsch, habe sich dagegen öffentlich immer zurückgehalten. Bis jetzt.

Gregoritsch hat es in Augsburgs System nicht leicht

Dass sich offenbar sehr viel Frust bei ihm angestaut hatte, das hat auch mit seiner Rolle im System von Martin Schmidt zu tun. Augsburgs Trainer seit April verlangt sehr viel Laufarbeit von jedem Spieler, auch von Gregoritsch, sonst funktioniert sein System nicht. Doch der Österreicher hat offenbar das Gefühl, dass Schmidt ihn zu einem Spieler machen möchte, der er nicht sein will - ein Achter beinahe, mit weitem Weg zum Tor. Wenn er in dieser Saison spielte, dann weit entfernt von seiner Bestform, ohne Torgefahr. Stärken wie sein Schuss und seine Technik kamen kaum zur Geltung. Seit der FCA nach schwachem Saisonstart defensiv stabiler wirkt, unter anderem ein 2:2 gegen den FC Bayern und ein 0:0 in Wolfsburg erkämpfte sowie in Paderborn gewann, spielte Gregoritsch nur einmal fünf Minuten lang: Gegen Schalke (2:3) wurde er kurz vor Schluss eingewechselt.

"Solange wir keine Fakten auf dem Tisch und ein Gespräch geführt haben, hat es auch noch keine Unruhe reingebracht. Von daher ist bisher nichts passiert", hat Schmidt in dieser Woche über Gregoritsch gesagt und ein Gespräch mit ihm angekündigt. Man lasse sich nicht von Schlagzeilen über Wechselwünsche von Spielern beeindrucken.

Neben Florian Niederlechner, dem Sommerzugang und derzeit besten Augsburger Torschützen mit vier Treffern, hatte der Trainer zuletzt Finnbogason stürmen lassen. Der oft verletzte Isländer sei so fit wie lange nicht mehr gewesen, sagte der Trainer, "und dann fällst du auf die Schulter, das ist einfach nur traurig". Nun könnten ihn vorerst Sergio Cordova oder Julian Schieber ersetzen.

"Die Spieler stellen alle den Anspruch, dass sie von Beginn an spielen wollen. Da muss ich einfach auf dem Platz mehr erwarten können", hat Franco Foda, der Nationaltrainer Österreichs, nach dem 0:1 gegen Lettland gesagt. Sollte Michael Gregoritsch nach dem Spiel gegen Berlin noch mal für den FC Augsburg auflaufen, dürfte die Erwartungshaltung eine ähnliche sein.

© SZ vom 21.11.2019/ebc
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