Fall Lance Armstrong:Neue Fragen an die UCI

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Wie kann es aber sein, dass die UCI lange eine Spende nicht zuordnen kann, mit der ja ein teures Sysmex-Gerät zur Kontrolle von Blutwerten gekauft wurde? Denn neben den diversen Varianten, die McQuaid anbot, gibt es nun eine weitere - die angeblich letztgültig offizielle. UCI-Sprecher Enrico Carpani antwortete auf SZ-Anfrage: "Im Mai 2002 spendete Armstrong einen 25.000-Dollar-Scheck. Damit wurden Dopingtests in Juniorenrennen finanziert. 2005 beschloss Armstrong nach seinem Rücktritt eine weitere Spende an die UCI von 100.000 Dollar, die UCI benötigte eine Sysmex-Maschine. Wir bekamen die Spende erst im Januar 2007 - für die Gründe der Verspätung müssen sie Mr. Armstrong fragen." Carpani schließt, dies sei "das allerletzte Mal, dass wir uns zu der Sache äußern, wir haben alles gesagt". Hat die UCI das wirklich?

Das Gegenteil ist der Eindruck, und die jüngste Version wirft neue Fragen auf. Gesichert ist ja nur, dass die UCI vor der Tour 2005 ein Gerät erwarb, wie Sysmex-Geschäftsführer Michael Schäfer auf SZ-Anfrage bestätigt. Die Firma belobigte Ende Juli 2005 sogar per Pressetext Armstrongs Spendertum. Wenig später wollte sie das Engagement angeblich auch bei einer Messe gebührend herausstellen - das wurde aber verworfen, weil nach der Tour bekannt geworden war, dass Armstrong bei nachträglichen Tests der Tour-Proben von 1999 sechsmal positiv auf Epo befunden worden war.

Wenn Armstrong, wie McQuaid behauptet, im Sommer 2005 eine Spende von 100.000 Dollar zumindest ankündigte, dann hat die UCI diese akzeptiert von einem Profi, der just damals unter schweren Dopingverdacht geriet. Und zudem ging die UCI nach aktueller Darstellung in Vorleistung und kaufte ein 100.000 Dollar teures Gerät, das sie öffentlich als Armstrong-Spende deklarierte. Die UCI erklärte sich dazu nicht - auch nicht dazu, ob sie schon von Ermittlern zur Sache Landis/Armstrong kontaktiert wurde.

Belege zeigt man nicht

Man habe Armstrongs Zahlung vor 15 Monaten erhalten, hatte McQuaid also 2007 in Rejkjavik berichtet. Das wäre im Juli 2006 gewesen - damals hatte die UCI Armstrong soeben vom Epo-Verdacht freigesprochen, mit der Begründung: Nachtests seien keine Dopingtests, auch sei nicht genug Material für B-Proben vorhanden (was das zuständige Pariser Labor bestritt). Ein heikler Vorgang - da klingt die jüngste Version, sie habe die Spende nicht 2005, auch nicht 2006, sondern erst 2007 bekommen, schon günstiger.

Belege aber zeigt die UCI nicht.

So rätselt auch die Antidoping-Szene weiter. Wie das Lausanner Labor, das laut UCI auch mit einer letztlich von Armstrong finanzierten Sysmex ("sie steht immer noch dort") arbeitet. "Wir haben nie irgendetwas von einem Athleten erhalten", betont Laborchef Martial Saugy. Das käme aber auch nicht infrage, ergänzt er: "Denn etwas anzunehmen von jemandem, der durch uns getestet wird, das würde Korruption bedeuten."

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