Es war einmal WM - 1934/38:Torhüter mit gebrochenen Knochen

Ricardo Zamora

Der spanische Nationaltorhüter Ricardo Zamora (1901 - 1978) auf einem Foto im Jahr 1931

(Foto: Getty Images)

Waghalsiger Einsatz, großartige Leistungen: Frantisek Planicka und Ricardo Zamora sind die besten Torhüter der dreißiger Jahre. Sie werden häufig schwer verletzt. Und müssen dennoch weiterspielen.

Von Thomas Hummel

Es war einmal WM: In einer Serie blicken wir auf komische, merkwürdige, besondere Momente in der Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaften zurück. Teil 3 beschäftigt sich mit den besten Torhütern der dreißiger Jahre.

Die Geschichte der Torhüter in den dreißiger Jahren ist eine zwischen Bewunderung und Schmerz. Einerseits verblüfften die Besten unter ihnen Zuschauer und Kommentatoren mit waghalsigem Einsatz und großartigen Leistungen. Andererseits bezahlten sie dafür oft mit schweren Verletzungen. Das ungeschriebene Gesetz, der Torwart sei tabu und dürfe nicht hart angegangen werden, gab es damals offenbar noch nicht.

Zwei legendäre Torhüter waren der Tscheche Frantisek Planicka und der Spanier Ricardo Zamora. Bis heute bekommt der Tormann in der spanischen Primera Division mit den wenigsten Gegentoren am Ende der Saison die "Trofeo Zamora". Er wurde auch "El divino", der Göttliche, genannt. Ein beliebter Reim ging so: "Uno a cero y Zamora de portero" - 1:0 und Zamora im Tor, das reicht.

Fünfmal gewann er die spanische Meisterschaft, zweimal mit dem FC Barcelona, einmal mit Espanyol Barcelona und zweimal mit Real Madrid. Berühmt wurde Zamora (Jahrgang 1901) als Schlussmann der spanischen Elf, die 1929 erstmals England eine Niederlage außerhalb Großbritanniens beibrachte. Beim sensationellen 4:3 hielt er zwar schwach, er hatte sich jedoch während des Spiels das Brustbein gebrochen.

Im Viertelfinale der WM 1934 gegen Italien vor 40 000 Zuschauern im Stadion Giovanni Berta in Florenz reichte indes selbst ein grandioser Zamora nicht zum Sieg. "Zamora arbeitet wie in seinen besten Tagen. Er war einfach nicht zu schlagen!" schrieben die Münchner Neuesten Nachrichten (MNN), dennoch musste er das 1:1 hinnehmen. Dabei hatten die Italiener teilweise brutal agiert, Zamora musste mehrmals behandelt werden.

Obwohl merklich angeschlagen, blieb er im Spiel. Ein Wechsel war nicht erlaubt. Die Spanier witterten ohnehin Verrat in diesem Spiel, denn die Italiener stiegen nicht nur gegen Zamora heftig ein. Zum Wiederholungsspiel tags darauf konnten sieben Spieler wegen Verletzungen nicht mehr antreten, die die Ärzte verboten auch Zamora den Einsatz, und er musste auf der Tribüne das 0:1 seiner Elf sehen.

Vier Jahre danach erlebte Frantisek Planicka ein ähnliches Schicksal. Im WM-Viertelfinale 1938 foulte ihn kurz vor Schluss der Brasilianer Peracio, Planicka brach sich den Arm. Ein Funktionär behandelte ihn - mit Franzbranntwein. "Ein Blitz, ein Knall, Perácios Schuh erwischte meinen Arm, der Schmerz schoss mir durch den ganzen Körper", erzählte er später.

Planicka stand die Verlängerung ohne Gegentor durch, "das war die längste halbe Stunde meines Lebens". Im Krankenhaus angekommen soll der Arzt gesagt haben: "Mensch, Sie sind verrückt. So einen üblen Bruch habe ich schon lange nicht mehr gesehen." Auch Planicka sah dann von der Tribüne aus, wie seine Mannschaft im Wiederholungsspiel mit 1:2 ausschied.

In Italien 1934 hatte er auch den Reporter der MNN beeindruckt: "Planicka im Tor befand sich in glänzender Verfassung. Nicht zuletzt danken ihm die Tschechen, dass in der Zeit der schönen deutschen Leistung nach der Pause nicht mehr als ein Treffer fiel", schrieb dieser nach der 1:3-Niederlage der Deutschen im Halbfinale. Nach sechs Minuten hatte er mit einem unwahrscheinlichen Reflex einen Schuss von Linksaußen Stanislaus Kobierski aus sechs Metern gehalten und damit der deutsche Mannschaft einen kleinen Schock eingejagt.

Im Laufe seiner Karriere brach sich Planicka übrigens noch das Schlüsselbein, mehrere Rippen und erlitt Gehirnerschütterungen. Dennoch gewann er mit Slavia Prag neun Meisterschaften und starb 1996 als letzter der tschechischen Final-Elf der Fußball-WM 1934 mit 92 Jahren.

Aus der Süddeutschen Zeitung WM-Bibliothek 1930-1950

Bisher erschienen: Schwarzes Wunder - die Geschichte von José Leandro Andrade, dem ersten Glamour-Star des Fußballs und Weltmeister von 1930.

"Deutschland ehrenvoll ausgeschieden" - die erste WM-Teilnahme der Deutschen 1934 zwischen Nazipropaganda und Szepans tollem Spiel.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB