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Entscheidung in der Relegation:Mit Lumpi aus dem Niemandsland

Die "Toten Hosen" sind die größten Fans, Regisseur Wim Wenders drückt die Daumen und ganz Düsseldorf träumt vom Aufstieg der Fortuna. Nach dem 2:1 im Hinspiel gegen Hertha BSC stehen die Chancen gut. Für Mittelfeldspieler Andreas "Lumpi" Lambertz wäre das Erreichen der Bundesliga ein spezieller Erfolg.

Seinen ersten Aufstieg feierte Andreas Lambertz am 28. April 2004. "Nie meeehr Oberligaaa", sangen die Fans von Fortuna Düsseldorf, als sie zu Tausenden auf den Rasen stürmten, weil ein Nullzunull gegen die Amateure von Bayer Leverkusen den vorzeitigen Aufstieg in die Regionalliga bedeutete.

Hertha BSC - Fortuna Düsseldorf

Szene aus dem Hinspiel: Düsseldorfs Andreas Lambertz (links) gegen Herthas Fabian Holland.

(Foto: dpa)

Es war ein Mittwochabend im Stadion am Flinger Broich, einer alten Anlage im Düsseldorfer Süden, gleich neben der Müllverbrennung. Im Paul-Janes- Stadion war die Fortuna damals daheim. Sie war längst nicht mehr jener Klub, der einst 22 Jahre in der Bundesliga gespielt, der 1979 und 1980 den Pokal gewonnen und am 16. Mai 1979 in Basel das Finale im Europapokal der Pokalsieger mit 3:4 gegen den FC Barcelona verloren hatte.

Fortuna Düsseldorf war 1997 aus der Bundesliga, 1999 aus der zweiten Liga und 2002 aus der Regionalliga abgestiegen. In jenem Sommer wechselte der 17-jährige Andreas Lambertz vom VfR Neuss in Fortunas A-Jugend. Ein Jahr später wurde er in die Oberliga-Mannschaft geholt. In jener Saison 2003/04 begann die neun Jahre währende Rückkehr von Fortuna Düsseldorf aus dem viertklassigen Niemandsland ins Rampenlicht des deutschen Fußballs. Andreas Lambertz, genannt "Lumpi", hat die gesamten neun Jahre mitgemacht. Nie ist ein Fußballer mit einer Mannschaft von der vierten bis in die erste Liga geklettert. "Wär' doch schön", sagt Lambertz mit seinem bubenhaften Grinsen, "mit so was Geschichte zu schreiben."Wim Wenders träumt mit

Lambertz begann seine Zeit in Düsseldorf bei einer Fortuna, die der örtlichen Kabarettbühne "Kommödchen" Konkurrenz machte. Der vormalige Nationalspieler Thomas Berthold wurde Geschäftsführer und nach zwei Jahren wegen Spesenbetrugs entlassen. Er verklagte die Fortuna im Gegenzug, weil der Verein den Vertragszusatz, Bertholds Gattin Britta als Moderatorin beim Fernsehen unterzubringen, nicht eingehalten hatte.

In jener Zeit wurde Reiner Calmund Mitglied im Aufsichtsrat. Während der Düsseldorfer Wim Wenders aus Los Angeles fernmeldete, er schaue sonntags immer als erstes wie die Fortuna gespielt hat, konstatierte Calmund bei seiner Antrittsrede in der Aula einer Gesamtschule: "Die Leute in Düsseldorf sind noch fußballbekloppter als vor zehn Jahren." Ein halbes Jahr später, die Mannschaft verpatzte den Drittliga-Start unter Trainer Massimo Morales (einst Giovanni Trapattonis Dolmetscher beim FC Bayern), sagte Calmund über Düsseldorfs Erwartungen: "Hier sind viele ahnungslos und größenwahnsinnig."

So ähnlich hat sich auch Lambertz gern geäußert, wenn Fans und Medien von der Bundesliga fabulierten. "Hört doch mit dem Quatsch auf!", ermahnte er Reporter, die Fortuna Erstliganiveau unterstellten. Lambertz, der sich trotz der Angebote anderer Klubs nie von der Fortuna trennen konnte, verkörpert die Zurückhaltung seines Trainers Norbert Meier, der im Januar 2008 antrat, als Düsseldorf noch drittklassig spielte. Vielleicht konnten sich Meier und Lambertz nie vorstellen, dass der damals nur noch aus Folklore, Fans und Tradition bestehende Klub binnen vier Jahren wirklich an die Tür zur Bundesliga klopfen würde.

Im Schnitt 5000 Zuschauer hatte die Fortuna bei Heimspielen in der Oberliga. Auch zu den Auswärtsspielen nach Velbert, Ratingen oder Solingen reisten Tausende mit. Die Stadt und das Umfeld taten einfach immer so, als sei ihre Fortuna weiter erstklassig. "Man wechselt ja nicht einfach seinen Verein, bloß weil der mal gerade keinen Erfolg hat", sagte der Gitarrist Michael Breitkopf von den Toten Hosen.

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