"Sport ist, wenn man wegsteckt und gerade so eine bittere Niederlage als Antriebsfeder nimmt, es das nächste Mal besser zu machen", sagte Hitzfeld über das verlorene Finale von 1999. Die Bayern-Mannschaft von 2001 lebt von dem unbedingten Willen, diese Bosheit des Schicksals, die ihnen widerfahren ist, vergessen zu machen. Die Bayern sinnen nach Revanche: Teil eins gelingt im Viertelfinale mit dem Sieg über Manchester United, Teil zwei im Halbfinale mit dem Sieg über Real Madrid (die Spanier hatten die Münchner im Jahr zuvor ebenfalls im Halbfinale ausgeschaltet).

Teil drei, das Finale gegen Valencia in Mailand, gerät zu einem Spiel der Elfmeter. Nach drei Minuten bringt Gaizka Mendieta die Spanier per Strafstoß in Führung, nach sieben vergibt Scholl vom Punkt. Es folgen von Wut und unbändigem Willen getragene Angriffe der Münchner, die aber wirkungslos verpuffen. Nach der Pause gleicht Effenberg aus, natürlich per Elfmeter. Sonst passiert nicht viel in der zweiten Halbzeit, auch in der Verlängerung nicht, also: Elfmeterschießen.

Paulo Sergio, der erste Münchner Schütze, läuft äußerst lässig an - und setzt den Ball über die Latte. Oliver Kahn hält zwei Mal, doch weil auch Bayerns Patrik Andersson vergibt, steht es nach zehn Schützen unentschieden.

Erst der insgesamt 17. Elfmeter des Spiels bringt die Entscheidung: Kahn hält gegen Mauricio Pellegrino und rennt los, wild, schreiend, die Fäuste ballend, irgendwann prallt er gegen Jancker und reißt ihn zu Boden. Auch Effenberg rennt, bis er von Ko-Trainer Michael Henke eingefangen und vor Freude gewürgt wird. Auch Hitzfeld rennt los, alle rennen - dabei sind die Bayern endlich am Ziel. "1999 war vergessen", sagt Hitzfeld später. "Wir spielten zwei Jahre am Limit. So lange, bis es endlich wir waren, die dort oben standen."

dav/Foto: AP

20. Mai 2010, 09:532010-05-20 09:53:00 © sueddeutsche.de