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EM-Ticker:Kroos enttäuscht über bisherigen EM-Verlauf

Toni Kroos ist mit seiner Reservistenrolle beim DFB unzufrieden, Joachim Löw formuliert Gedanken über seinen Abschied, Polens Ersatzkeeper Tyton steht wohl auch gegen Tschechien zwischen den Pfosten. Mesut Özil legt einen trainingsfreien Tag ein, Deutschland-Kapitän Lahm ist mit dem Angriffsspiel nicht ganz glücklich, Roy Keane kritisiert die irischen Fans.

Toni Kroos, Europameisterschaft, Nationalmannschaft

Toni Kroos fordert nach seiner starken Saison mehr Einsatzzeit

(Foto: AFP)

DFB-Elf, Kroos: Toni Kroos zeigt sich enttäuscht über seine Reservistenrolle bei der Europameisterschaft. "Befriedigend ist das alles nicht. Gerade nach der Saison, die ich gespielt habe, ist es doch logisch, dass ich spielen will", sagte der 22 Jahre alte Mittelfeldspieler der Zeitung TZ München. Beim FC Bayern München und Trainer Jupp Heynckes ist Kroos erste Wahl. Öffentliche Kritik über die eigene Situation wird in der Führung der Nationalmannschaft gar nicht geschätzt. Bundestrainer Joachim Löw hatte erst jüngst nochmals darauf hingewiesen, dass er bei der Auswahl der Spieler für das Nationalteam auch auf Kriterien wie das Verhalten in einer Gruppe achte. Insofern bergen die Aussagen von Kroos eine gewisse Brisanz. Die DFB-Auswahl ist mit den Siegen gegen Portugal (1:0) und Vizeweltmeister Niederlande (2:1) hervorragend in das EM-Turnier gestartet. Gegen Dänemark am Sonntag in Lwiw benötigt das Team nur einen Punkt, um Sieger der Gruppe B zu werden. Kroos übte auch offen Kritik an der deutschen Spielweise. "Wir haben jetzt zweimal geführt, ich sehe es jetzt nicht ganz so, dass wir überragenden Fußball spielen", sagte er. Kroos war in beiden Partien jeweils erst in der Schlussphase eingewechselt worden.

DFB-Elf, Joachim Löw: Der Bundestrainer denkt trotz seiner gefestigten Situation bereits an die Zeit nach seinem Vertragsende 2014. "Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem beide Seiten oder auch ich das Gefühl habe, dass es eine Veränderung geben muss. Veränderungen müssen manchmal stattfinden", sagte Löw der Bild-Zeitung (Samstagsausgabe): "Und irgendwann wird der Zeitpunkt kommen, an dem andere neue Ideen haben, neue Reize setzen müssen und ich gleichzeitig sage: 'Jetzt ist alles ausgereizt, was möglich war.'" Auf ein konkretes Datum will sich Löw aber nicht festlegen: "Das weiß ich nicht. Aber ich glaube, dass ich schon in der Lage sein werde, den richtigen Zeitpunkt zu erkennen. Aber dann will ich auch auf eine gute Zeit zurückblicken können. Und das kann ich bislang. Nach der EM ist erst einmal die WM 2014 in Brasilien mein nächstes Ziel", sagte Löw.

Schwedische Nationalelf, Markus Rosenberg: Ohne Markus Rosenberg in der Startelf wird die schwedische Fußball-Nationalmannschaft an diesem Freitagabend in Kiew im zweiten Spiel der Gruppe D gegen England antreten. Am Mittag veröffentlichte der Verband die Aufstellung, in der Johan Elmander anstelle des Noch-Bremers auf der Mittelstürmerposition auftauchte. Für Elmander hatte es im Auftaktspiel gegen Gastgeber Ukraine am vergangenen Montag (1:2) nach einem Mittelfußbruch nur zu einem Kurzeinsatz gereicht. Zudem bringt Trainer Erik Hamren in der Abwehr Jonas Olsson, der bei West Bromwich Albion in der Premier League aktiv ist und daher die englischen Gegenspieler kennt - für ihn muss Mikael Lustig weichen. Ola Toivonen wird für den erfahrenen Anders Svensson Platz machen, der sein 129. Länderspiel bestreiten wird.

Fußball-EM, Polen: Im ersten Gruppenspiel der polnischen Nationalmannschaft gegen Griechenland wurde er zum Helden - Torwart Przemyslaw Tyton. Er hielt den Elfmeter, den Stammkeeper Wojciech Szczesny kurz zuvor verursacht hatte. Jetzt wird er polnischen Medienberichten zufolge dafür belohnt. Szczesny vom FC Arsenal ist nach seiner roten Karte zwar wieder spielberechtigt, doch angeblich will Nationaltrainer Franciszek Smuda weiterhin Tyton das Vertrauen schenken. Smuda sagte dem öffentlich rechtlichen Sender TVP, dass er die Art von Fehlern fürchte, die Szczesny im Eröffnungsspiel gemacht habe, und ergänzte, dass Tyton "immer Ruhe ins Spiel gebracht hat". Auch viele der großen Zeitungen wie das Boulevardblatt Fakt oder die Rzeczpospolita spekulieren, dass Smuda an Tyton als Nummer eins festhalten wird. Polen muss das Spiel gegen Tschechien gewinnen, um ins Viertelfinale einzuziehen. Bei einer Niederlage oder einem Unentschieden ist der Gastgeber definitiv ausgeschieden.

DFB-Elf, Mesut Özil: Bundestrainer Joachim Löw kann im letzten Gruppenspiel der Fußball-Europameisterschaft mit allen Spielern außer des gelb-gesperrten Jérôme Boateng planen. Mesut Özil nahm am Freitag zwar nicht an der Trainingseinheit der deutschen Nationalmannschaft teil, kann am Sonntag aber gegen Dänemark spielen. "Auch Mesut ist einsatzbereit", sagte Co-Trainer Hansi Flick. Der Mittelfeldspieler von Real Madrid legte einen "Regenerationstag" ein, so Flick. Keine Aussagen machte der Löw-Assistent zu der Aufstellung für die Partie im ukrainischen Lwiw. Auch wer Boateng auf der Position des rechten Außenverteidigers gegen Dänemark ersetzen soll, bleibt vorerst offen. Kandidaten sind der Leverkusener Lars Bender oder der Schalker Benedikt Höwedes.

DFB-Elf, Philipp Lahm: Nationalspieler Philipp Lahm mahnt vor dem letzten EM-Gruppenspiel gegen Dänemark ein besseres Spiel nach vorne an. "Ich glaube, dass wir unser Spiel in der Offensive noch ein bisschen besser, kreativer spielen können", sagte der 28-jährige Kapitän am Donnerstag in einem Interview auf der Internetseite des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Beim mit 2:1 gewonnen Duell gegen die Niederlande hätte die DFB-Elf "früher den Sack zumachen können". Sowohl gegen Oranje als auch im Auftaktspiel gegen Portugal sei es zum Schluss immer eng geworden, sagte Lahm. Gegen die Portugiesen hatte Deutschland 1:0 gewonnen. Gegen Holland sah der Abwehrspieler von Bayern München jedoch eine "große Leistungssteigerung gegenüber dem Portugal-Spiel". Mit seiner persönlichen Leistung gegen die Niederlande zeigte sich Lahm zufrieden. "Jetzt habe ich wieder zu meiner Form gefunden", sagte er, nachdem er gegen Portugal das wohl schwierigste Spiel seiner Karriere absolviert habe.

Deutsche Nationalmannschaft, Scholl: TV-Kritiker Mehmet Scholl hat Mario Gomez nach dessen beiden Treffern zum 2:1-Sieg gegen die Niederlande bei der Fußball-EM in höchsten Tönen gelobt. "Er hat ein wunderbares Spiel gemacht. Es war, nicht nur wegen der zwei Weltklassetore, eine perfekte Leistung", sagte Scholl in der ARD. Der Trainer der Bayern-Reserve attestierte dem deutschen Nationalstürmer im Spiel gegen die Holländer "viel Leidenschaft". Zuvor hatte Scholl dem Doppel-Torschützen bereits via Bild-Zeitung gratuliert. "Ich bin stolz auf Mario. Einsatz und Erfolg haben zusammengepasst", sagte Scholl. Nach dem 1:0-Siegtor von Gomez gegen Portugal im ersten EM-Gruppenspiel hatte Scholl den Stürmer noch heftig attackiert und damit eine Debatte um den Einsatz und die Spielweise des Bayern-Profis ausgelöst. "Ich hatte zwischendrin Angst, dass er sich wund gelegen hat, dass man ihn wenden muss", hatte Scholl am vergangenen Samstag in der ARD gesagt. Gomez gestand nach dem Erfolg gegen die Holländer, dass ihn die tagelange Diskussion durchaus beschäftigt hat. "Es war Druck ohne Ende", bekannte er.

Irland, Roy Keane: Die irischen Fußballfans haben mit ihren friedlich-fröhlichen Fanfesten bei der EM die Herzen der Menschen erobert, doch ausgerechnet Irlands Ikone Roy Keane sind die grünen Partys nach Niederlagen ein Dorn im Auge. "Ich denke, die Spieler und Fans müssen ihre Mentalität ändern. Lasst uns nicht gegenseitig verarschen, die Anhänger wollen ihr Team gewinnen sehen. Wir sind ein kleines Land, aber lasst uns hin und wieder nicht nur mit dem Rumgesinge zufrieden geben", sagte der ehemalige Kapitän. Irlands Nationaltrainer Giovanni Trapattoni war überwältigt: "Unsere Fans standen immer hinter uns. Das dürfen die Spieler und ich nie vergessen." Auch international stieß die beeindruckende Leidensfähigkeit der Anhänger auf Bewunderung. "Wie kann man Irland nicht lieben?", fragte die polnische Zeitung Gazeta Wyborcza Daily. John Delaney, Chef des irischen Fußballverbandes FAI, konnte Keanes Kritik nichts abgewinnen. "Die bleibende Erinnerung aus diesem Spiel ist, wie tausende irische Fans das Lied 'Fields of Athenry' gesungen haben", sagte er.

England, Steve McClaren: Wolfsburgs ehemaliger Trainer Steve McClaren hält die englische Defensivtaktik bei dieser EM für den Schlüssel zum Erfolg. "Mit dieser Spielweise ist England in der Lage, ein Turnier zu gewinnen", sagte er dem britischen Sender BBC. Beim 1:1 gegen Frankreich zum Auftakt in Gruppe D hatte die englische Nationalmannschaft nur 38 Prozent Ballbesitz. Die anschließende Kritik an der Taktik hält der Trainer vom FC Twente Enschede und ehemalige englische Nationalcoach für unbegründet. "Leute kritisieren uns oft und sagen, wir müssten wie Spanien oder Brasilien spielen. Das ist nicht möglich", sagte der 51-Jährige: "Ballbesitz war noch nie unsere Stärke."

Schweden, Zlatan Ibrahimovic: Der beste Stürmer der Skandinavier wird im zweiten EM-Spiel der Tre Kronor am Freitag gegen England in Kiew (20.45 Uhr/ARD) in jedem Fall spielen können. "Zlatan ist okay", sagte Nationaltrainer Erik Hamren am Donnerstagnachmittag und beseitigte damit die letzten Zweifel. Ibrahimovic, der beim 1:2 zum Auftakt gegen die Ukraine das schwedische Führungstor erzielt hatte und mit Abstand bester Spieler seines Teams war, hatte am Mittwoch das Training wegen Problemen am linken Oberschenkel abbrechen und danach im Hotel behandelt werden müssen. Trotz der Pleite gegen den Gastgeber hat Hamren noch Hoffnung auf das Erreichen des Viertelfinals. "Wir haben jetzt eine ähnliche Situation wie in der Qualifikation, da mussten wir auch die beiden letzten Spiele gegen Finnland und die Niederlande gewinnen, um zur EM zu kommen", sagte er: "Und wir haben es geschafft, wir sind hier. Diese Erfahrung zu haben, ist sehr gut."

Die letzten Tage seien "eine harte Zeit" gewesen, "aber die Fans haben uns in den letzten beiden Tagen sehr viel Energie gegeben." Etwa 18.000 werden am Freitag in Kiew erwartet. Auf die Frage, ob es ein Nachteil sei, dass der englische Teammanager Roy Hodgson, der zwischen 1983 und 1990 in Örebro SK und Malmö FF zwei schwedische Klubs trainierte, den schwedischen Fußball gut kenne, antwortete Hamren gelassen: "Das ist kein Vorteil. Ich kenne den englischen Fußball auch sehr gut."

Uefa, DFB: Die Uefa hat eine Geldstrafe von 10.000 Euro gegen den Deutschen Fußball-Bund verhängt. Damit sanktionierte der europäische Verband am Donnerstag das Werfen von Gegenständen durch deutsche Fans beim ersten EM-Spiel der DFB-Auswahl gegen Portugal (1:0) am vergangenen Samstag. Die portugiesischen Spieler waren in der ersten Halbzeit mit Dutzenden von Papierkugeln aus dem deutschen Fanblock beworfen worden. Die Uefa zieht bei der laufenden EM in bislang ungekannter Rigorosität die nationalen Fußballverbände für das Fehlverhalten ihrer Fans zur Verantwortung. Auch der portugiesische Fußballverband FPF muss nach dem Willen der Uefa 5.000 Euro Strafe zahlen, weil die Spieler zu Beginn der zweiten Halbzeit zu spät aufs Feld zurückgekehrt waren.

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"Mario hat noch viel vor"