Eishockey-WM:Das größere Herz

Lesezeit: 3 min

210601 Moritz Muller and Leonhard Pfoderl of Germany celebrate the 2-0 goal during the 2021 IIHF Ice hockey, Eishockey

Kapitän Moritz Müller und Leonhard Pföderl bejubeln das 2:0.

(Foto: Simon Hastegard/imago)

Sprung auf Platz drei: Die deutsche Eishockeymannschaft zieht nach einem hart umkämpften 2:1 gegen Lettland ins WM-Viertelfinale ein. Dort trifft sie am Donnerstag auf die Schweiz.

Von Christian Bernhard

Riga und das deutsche Eishockey - das passt einfach. In der lettischen Hauptstadt, in der die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft vor knapp fünf Jahren gegen Lettland den entscheidenden Sieg in der Qualifikation für die Olympischen Winterspiele 2018 in Südkorea geholt hatte, die für Deutschland mit der sensationellen Silbermedaille endeten, gewann sie am Dienstagabend abermals gegen Gastgeber Lettland ihr Endspiel um den Einzug ins Viertelfinale der Weltmeisterschaft.

Durch den hart umkämpften 2:1-Sieg qualifizierte sich die Mannschaft von Bundestrainer Toni Söderholm als Dritte der Vorrundengruppe B für das Viertelfinale, in dem sie am Donnerstag auf die Schweiz trifft. Die Eidgenossen belegten in Gruppe A mit fünf Siegen und 15 Punkten Platz zwei. Fünf ihrer vergangenen sechs WM-Duelle mit den Eidgenossen hat die deutsche Mannschaft verloren, dafür gab es im letzten Aufeinandertreffen auf dem Weg zur Silbermedaille bei Olympia 2018 einen deutschen 2:1-Sieg nach Verlängerung. "Wenn du so ein knappes Do-or-die-Spiel gewinnst, gibt das sehr viel Energie", sagte Stürmer Matthias Plachta.

Bundestrainer Toni Söderholm setzte im entscheidenden Vorrundenspiel wieder auf Torhüter Mathias Niederberger, der am Montag einen kompletten Tag Pause erhalten und gegen die USA nicht im Kader gestanden hatte. Angreifer Lean Bergmann rückte für Verteidiger Dominik Bittner in den Kader, Söderholm bot damit 13 Stürmer und sieben Abwehrspieler auf.

Am letzten Gruppenspieltag waren erstmals im Turnier Zuschauer zugelassen, knapp 1000 lettische Fans waren im Stadion und machten sich ordentlich bemerkbar. Sie sahen einen sehr körperlichen Start des Gastgebers, der Check um Check austeilte. Doch die deutsche Mannschaft ließ das Publikum schnell verstummen - und zwar mit seiner jungen Garde. Moritz Seider, 20, setzte früh John-Jason Peterka, 19, in Szene, der Münchner Angreifer jagte die Scheibe zum 1:0 unter die Querlatte. Lukas Reichel, 19, war beim 1:0 mit auf dem Eis und ermöglichte nur dreieinhalb Minuten später das 2:0: Seinen Scheibengewinn im offensiven Drittel veredelte Marcel Noebels nach schönem Zuspiel von Leo Pföderl (7.). Die Letten reagierten auch dank zweier Überzahlspiele mit druckvollen Phasen, doch Niederberger strahlte im deutschen Tor wieder viel Ruhe aus, und seine Vorderleute blockten einige gefährliche Schüsse. "Wir haben von Anfang an gezeigt, dass wir ein gutes Spiel machen wollen", sagte Peterka in der ersten Drittelpause am TV-Mikrofon von Sport1. "Durch gutes Forechecking kriegen wir unsere Chancen, wie auch beim 2:0."

Vor dem Endspiel um den Viertelfinaleinzug waren das Kreieren von guten Torchancen und deren Verwertung die großen deutschen Problemzonen gewesen. Nur drei Tore war der Söderholm-Mannschaft in den vorangegangenen drei Turnierpartien gelungen, die gegnerischen Torhüter hatten zu oft freie Sicht auf die deutschen Schüsse. "Ich glaube, dass wir zu oft zu wenig vor dem Tor standen", sagte Stürmer Marcel Noebels nach dem 0:2 gegen die USA am Montag. Kapitän Moritz Müller bemängelte, dass "der letzte Zug zum Tor" gefehlt habe. Auch NHL-Nachrücker Dominik Kahun konnte die deutsche Abschlussschwäche bei seinem Turnierdebüt gegen die USA nicht beheben. Die zwei schnellen Tore im Startdrittel taten dem Söderholm-Team also besonders gut.

Die Letten erhöhten den Druck

Defensiv trat es auch zu Beginn des Mitteldrittels auf, doch dann ließ es einen Drei-gegen-eins-Konter der Letten zu, den Rodrigo Abols zum 1:2 vollendete. Söderholm hatte vor dem Gruppen-Endspiel von einer "schönen Herausforderung" gesprochen - diese wurde immer größer. Die Letten erhöhten den Druck, Niederberger stand häufig im Mittelpunkt. Dazu verletzte sich Noebels, der Berliner Angreifer musste in die Kabine begleitet werden. Der Offensivschwung war dahin, "weil wir zu viele Puckverluste in der Vorwärtsbewegung hatten", erklärte Abwehrchef Korbinian Holzer. "Wir haben ihnen das Momentum gegeben." Holzer war dennoch optimistisch. "Wir haben das größere Herz, und das zeigen wir jetzt im letzten Drittel." Das Herz war bei zwei späten Unterzahlspielen gefragt, als sich allen voran Holzer und Maximilian Kastner furchtlos in lettische Schüsse warfen.

Da Kanada im Nachmittagsspiel gegen Finnland 2:3 nach Penaltyschießen verloren hatte, war schon vor dem Abendspiel klar, dass sowohl Deutschland als auch Lettland ein Remis nach 60 Minuten reichen würde, um sich auf Kosten der Kanadier für das Viertelfinale zu qualifizieren. Die Letten riskierten alles, doch die deutsche Mannschaft verteidigte die knappe Führung - und hat nun einen Tag Pause, um Kräfte für das Viertelfinale gegen die Schweiz zu sammeln. "Wir haben eine Rivalität mit der Schweiz, das wird ein gutes Spiel", sagte Tom Kühnhackl.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB