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Eishockey-WM:Die Macht der Sponsoren

Diktator Alexander Lukashenko (l.) und IIHF-Präsident René Fasel bei einem Treffen vergangene Woche.

(Foto: AP)

Der Umgang des Weltverbandes mit dem Turnier in Belarus war unerträglich. In diesen Momenten sollten Geldgeber den Einfluss nutzen, den sie im organisierten Sport haben.

Kommentar von Johannes Aumüller

Die Einlassungen kamen vielleicht ein bisschen spät, aber dafür umso deutlicher. Nacheinander meldeten sich am Wochenende verschiedene Sponsoren des Eishockey-Weltverbandes (IIHF) wie die Pflegemarke Nivea oder der Autohersteller Skoda, um eines klar zu machen: Sollte es dabei bleiben, dass die Eishockey-WM wie geplant Ende Mai und Anfang Juni beim Diktatoren Alexander Lukaschenko in Belarus stattfindet, sind sie die längste Zeit Geldgeber geblieben.

Das war eine Drohung, die offenkundig wirkte. Am späten Montagnachmittag entschied die IIHF endlich, Belarus das Turnier zu entziehen - offiziell aus "Sicherheitsgründen". Seit Monaten war das Verhalten des Verbandes unerträglich. Obwohl Lukaschenko und sein Gewaltregime seit den manipulierten Präsidentschaftswahlen das Volk schinden, obwohl es viele willkürliche Verhaftungen, Gefolterte, Verletzte und Tote gibt, rückte der Verband nicht ab. Was kümmerten ihn schon die flammenden Appelle von Menschenrechtlern und drangsalierten belarussischen Sportlern? Lieber fuhr IIHF-Präsident René Fasel kürzlich nach Minsk und ließ sich nach einer brüderlichen Umarmung des Despoten erklären, dass doch alles ganz korrekt ablaufe in Lukaschenkos Land.

Umso entscheidender war es, dass sich der immensen Kritik neben manchen Regierungen auch die Sponsoren anschlossen. Geld ist bekanntlich die einzige Sprache, die viele führende Funktionäre verstehen. Es hat schon einige Beispiele in der Sporthistorie gegeben, in denen sich zeigte, wie sie konkret Dinge anschieben können - etwa bei der Gründung der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) vor etwas mehr als zwei Jahrzehnten.

Damals, Ende der Neunzigerjahre, brachen die Dopingaffären nur so über den Weltsport hinein, die Tour de France stand kurz vor der Auflösung, und der Ober-Olympier Juan Antonio Samaranch entblödete sich nicht, eine Reduzierung der verbotenen Dopingmittel zu fordern. Da war eine rote Linie überschritten. Auf massiven Druck der Politik und einiger Sponsoren entstand die Wada, auch wenn die sich nicht so entwickelte, wie von manchen ihrer Befürworter gedacht.

Aber es hat in den vergangenen Jahren auch genügend andere Fälle gegeben, in denen die Sponsoren still geblieben sind, obwohl die Machenschaften in den von ihnen gestützten Verbänden oder Vereinen mehr als genug Anlass zu Interventionen und Rückzugsdrohungen gegeben hätten. Auch in vielen Firmenzentralen dauert es eine Weile bis zur Entdeckung von ethischen Grundsätzen. Aber wenn ihnen dämmert, dass die Kunden wegbleiben oder sich ein Sponsoring schlecht aufs Image auswirkt, agieren sie.

Vor diesem Hintergrund ist umso interessanter, wie sich die Geldgeber rund um die nächsten ganz großen Sportevents verhalten werden. Anfang 2022 stehen in Peking Olympische Winterspiele an, Ende 2022 die Fußball-WM in Katar. Das ist mit Blick auf die Jahreshöhepunkte das Gastgeber-Doppel mit den übelsten Verstößen gegen die Menschenrechte. Die Sponsoren des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und des Fußball-Weltverbandes (Fifa) sollten sich an denen der Eishockey-Föderation ein Beispiel nehmen.

© SZ/moe
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