Eishockey:Routine für die Panther

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Am Ende ging es ganz schnell: Karri Rämö (re.), hier im Trikot des schwedischen Klubs Djurgardens Stockholm,ist der neue Torhüter des ERC Ingolstadt.

(Foto: Andreas L. Eriksson/Imago Images)

Der ERC Ingolstadt verpflichtet Torhüter Karri Rämö vom finnischen Spitzenklub Turku. Damit hat der Playoff-Halbfinalist der Vorsaison seine Kaderplanungen vorerst abgeschlossen.

Von Christian Bernhard

Larry Mitchell weilt dieser Tage im Urlaub, doch das bedeutet noch lange nicht, dass der Sportdirektor des ERC Ingolstadt deshalb untätig ist. Mitchell sondiert seit geraumer Zeit den Torhütermarkt und ist an mehreren potentiellen ERC-Kandidaten dran. Seit Donnerstag lässt sich sagen: er war an mehreren dran. Denn nun ist eine Entscheidung gefallen - und die trägt einen durchaus klingenden Namen in der Eishockey-Welt. Der Finne Karri Rämö wird in der kommenden Saison Teil des Ingolstädter Kaders in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) sein. Wenn man Rämös ersten Worten als Ingolstadt-Spieler lauscht, sind die Verhandlungen zwischen beiden Parteien anscheinend ziemlich reibungslos verlaufen. "Der ERC suchte einen Torwart, ich war interessiert und wir waren uns schnell einig", sagte der Finne, der mit seiner Frau und den beiden Kindern nach Ingolstadt kommen wird. Über die Vertragslaufzeit machte der ERC keine Angaben.

166 Spiele in der NHL, 247 in der KHL - aber zuletzt war Goalie Rämö verletzungsanfällig

Rämö ist 35 Jahre alt und kommt mit der Erfahrung von 166 NHL- und 247 KHL-Spielen nach Ingolstadt. Zuletzt stand er beim finnischen Klub TPS Turku unter Vertrag, mit dem er im Frühjahr das Playoff-Endspiel um die finnische Meisterschaft erreichte. Rämö weist bereits eine bewegte sportliche Vita auf: Schon als 20-Jähriger feierte er mit HPK Hämeenlinna den finnischen Meistertitel. Danach wagte er den Sprung nach Nordamerika, wo er drei NHL-Spielzeiten für Tampa Bay Lightning, die soeben zum zweiten Mal nacheinander den Stanley Cup gewonnen haben, spielte. Wirklich etablieren konnte sich der 1,90 Meter große Finne in der NHL zunächst aber nicht, weshalb er 2009 in die russische KHL wechselte, wo er in vier Jahren so gut spielte, dass ihn 2013 die Calgary Flames zurück in die NHL holten. Am Ende seiner Zeit in Kanada häuften sich allerdings seine Verletzungsprobleme, weshalb er seit seiner Rückkehr nach Europa im Jahr 2017 nie mehr als 24 Spiele pro Saison bestritten hat. Besonders sein Knie erwischte es mehrfach, unter anderem durch einen Kreuzbandriss und eine Meniskusverletzung.

Mitchell hatte Rämö seit 2019, als er für Djurgardens IF in Schweden spielte, im Auge - und ERC-Trainer Doug Shedden kennt ihn ebenfalls sehr gut. 2008 führte Shedden die finnische Nationalmannschaft zum Gewinn der WM-Bronzemedaille, einer seiner Torhüter damals: Karri Rämö. "Natürlich" habe er vor seiner ERC-Unterschrift mit Shedden gesprochen, erklärte Rämö, "er hat mich in meiner Entscheidung bestärkt und ich freue mich auf ein Wiedersehen." Welch zentrale Rolle ein starker Torhüter im Eishockey spielt, hat einmal mehr die vergangene Saison gezeigt, als die Panther auch dank starker Leistungen von Michael Garteig bis ins Playoff-Halbfinale gekommen und dort erst im entscheidenden dritten Spiel am späteren Meister Eisbären Berlin gescheitert waren. Besondere Leistungen, wenn es darauf ankommt, sprich in den Playoffs, erhofft sich Mitchell auch von Rämö: "Seine Playoff-Einsätze in Omsk, Calgary, Helsinki und Turku zeigen, dass seine Leistung noch besser wird, je wichtiger das Spiel ist. Das hat uns überzeugt." In vergangenen Jahr verbuchte der 35-Jährige in den Playoffs der finnischen Eliteliga mit 93 Prozent die beste Fangquote aller Torhüter.

Zusammen mit Kevin Reich soll Rämö ein "super Tandem" bilden, hoffen Sportdirektor Mitchell und Trainer Shedden

Rämö wird nun zusammen mit Kevin Reich das Ingolstädter Torhüterduo bilden. Reich hatte den EHC Red Bull München verlassen, weil er im Schatten des erfahrenen Danny aus den Birken nach seinem Geschmack zu wenig Einsätze bekommen hatte. Nun bekommt er es in Ingolstadt mit dem noch erfahreneren Rämö zu tun. Mitchell gefällt die zukünftige Ingolstädter Torhüter-Mischung, er glaubt so wie Shedden, dass Rämös Routine und Reichs DEL-Erfahrung dem ERC ein "super Tandem" bescheren werden.

Mit der Verpflichtung von Rämö hat der ERC seine Kaderplanung nach eigenen Angaben "vorerst" abgeschlossen. Trainer Shedden kann im Moment mit drei Torhütern (der 19-jährige Jonas Stettmer, der erst einen DEL-Einsatz vorweisen kann, ist als Nummer drei vorgesehen), acht Verteidigern und 14 Angreifern planen. Zahlreiche davon haben in dieser Woche über einen Betriebsarzt ihre zweite Impfung gegen das Corona-Virus erhalten. Für Verteidiger Emil Quaas, einen der Geimpften, war das ein fast schon erlösender Moment. Da die Ansteckungsgefahr "doch immer ein wenig im Hinterkopf" gewesen sei, wirke die Impfung "für uns alle wie eine Befreiung", betonte er. Den Schutz des ERC-Tores soll ab August Karri Rämö garantieren.

© SZ/toe
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