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Eishockey-Meister Berlin:Mit Sieger-Zigarre und Silberpott

Eisbären Berlin - Grizzlys Wolfsburg

Drei Mann mit Riesenpott: Die Berliner John Ramage (links), Frank Hördler und Kai Wissmann (rechts) wuchten die Meistertrophäe in Gemeinschaftsarbeit.

(Foto: Andreas Gora/dpa)

Die Berliner Eisbären sind dank des achten Meistertitels in der DEL wieder deutscher Rekord-Titelträger. Zu verdanken hat der Klub dies auch Vereinslegenden wie Verteidiger Frank Hördler.

Von Christian Bernhard

Es überraschte wohl niemanden, dass Frank Hördler der Spieler war, der den souveränsten Eindruck mit der Sieger-Zigarre im Mund hinterließ. Ruhig und abgeklärt, so wie er auch auf dem Eis auftritt, zog der Kapitän der Eisbären Berlin am späten Freitagabend an der Zigarre und beobachtete den Trubel rund um ihn herum. Seine Abgeklärtheit beim Rauchen der Sieger-Zigarre kam nicht von ungefähr: Hördler genoss dieses Prozedere bereits zum achten Mal in seiner langen und beeindruckenden Karriere.

Durch einen 2:1-Heimsieg gegen die Grizzlys Wolfsburg im entscheidenden dritten Finalspiel der Deutschen Eishockey Liga (DEL) hatten sich die Eisbären den achten DEL-Titel ihrer Vereinsgeschichte gesichert. Damit ließen sie die Adler Mannheim (sieben Titel) hinter sich und sind wieder alleiniger Rekordsieger.

2005, 2006, 2008, 2009, 2011, 2012, 2013 und nun 2021: Es sind die Titeljahre der Eisbären - und jene von Frank Hördler. Der 36-jährige Verteidiger hat all diese acht Meisterschaften auf dem Eis erlebt. Die Idee von Eisbären-Urgestein Sven Felski, den Meisterpokal ins Wohnzimmer der Hördlers zu verfrachten, war durchaus nachvollziehbar. Hördler lachte, als er davon hörte, "vielleicht kann man mal so was anfertigen lassen und am Ende der Karriere reinstellen", sagte er im Sender Magentasport.

Seinen ersten Titel gewann Hördler vor 16 Jahren

Hördler ist der letzte verbliebene Spieler der Eisbären-Dynastie, die von 2005 bis 2013 sieben Meisterschaften gewann. Nun, acht Jahre später, half er mit, die glorreiche Epoche wieder aufleben zu lassen. Der Oberlausitzer kam 2003 zu den Eisbären, bei seiner ersten Meisterschaft im Jahr 2005 war er 20 Jahre jung. Heute, 16 Jahre später, hat Hördler so viele DEL-Titel gewonnen wie München, Köln, Düsseldorf und Ingolstadt zusammen.

"Wow", sagte Hördler, diese Meisterschaft sei sehr speziell, sie werde ihm in besonderer Erinnerung bleiben. Auch für so einen erfahrenen Spieler wie ihn, der 2018 Olympia-Silber gewonnen hatte, war die zurückliegende Saison aufgrund der Corona-Pandemie eine ganz spezielle. Die Art und Weise, wie die Eisbären in den Playoffs zum Titel kamen, beeindruckte ihren Kapitän nachhaltig.

"Es wurde ja fast zum Motto bei uns, das erste Spiel zu verlieren", sagte er. Sowohl im Viertelfinale gegen Iserlohn, als auch im Halbfinale gegen Ingolstadt und im Endspiel verloren die Berliner die Auftaktpartie und standen damit in den Best-of-three-Serien sofort mit dem Rücken zur Wand. Alle drei Serien trotzdem noch zu gewinnen, sei etwas Besonderes und ein "ganz großer Charakterzug", betonte Hördler.

Hinter den Eisbären liegt eine "lange Reise", wie ihr Trainer Serge Aubin es ausdrückte. Sie dominierten die DEL-Nord-Gruppe, taten sich dann aber schwer, als es gegen die Süd-Teams ging. Bezeichnend dafür waren die zwei deutlichen Niederlagen gegen München Anfang April (1:4, 0:5). "In den Nordduellen sind wir schon ganz gut gerollt, waren aber noch nicht ganz so weit, um in den Playoffs bestehen zu können", erzählte Hördler rückblickend.

In der auch reisebedingt intensiven Phase vor den Playoffs mit vielen Spielen in kurzer Zeit wuchs das Team zusammen: "Da sind wir zusammen gerückt und haben gesehen, gemeinsam funktioniert es." Marcel Noebels, der wie schon im Vorjahr zum DEL-Spieler des Jahres gewählt wurde, erklärte es so: "Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem man merkt, dass man eine Familie ist und dass es nur zusammen geht. Das haben wir begriffen, nur so kommt der Erfolg."

Hördler, der heute als letzter aktiver Spieler wie kein anderer für die goldene Eisbären-Zeit steht, hatte auch noch einen Ritterschlag für seinen Trainer parat. Der Kanadier Serge Aubin, der die Eisbären seit 2019 trainiert, habe "von seiner Art her große Ähnlichkeit" mit Don Jackson, sagte der Kapitän, "das ist ein gutes Gefühl gewesen".

Jackson, der mittlerweile die Münchner trainiert, die als einer der Mitfavoriten auf den Titel bereits im Viertelfinale gescheitert waren, hatte die Berliner als Cheftrainer zu fünf ihrer nun acht Meisterschaften geführt. Aubin reagierte fast verlegen auf den Vergleich. "Da habe ich noch einen langen Weg vor mir", sagte er, Jackson sei ein "nachgewiesener Gewinner". Aber "irgendwo muss man ja anfangen".

Das Bild zur vierten Wolfsburger Finalniederlage im vierten DEL-Endspiel lieferte ihr Manager Karl-Heinz Fliegauf. Inmitten der Berliner Feierlichkeiten saß er alleine auf der hölzernen Spielerbank und richtete - mit beiden Händen in den Hosentaschen - den Blick starr nach unten. Vor zehn Jahren stand sein Team erstmals im Finale, damals auch schon gegen die Eisbären. Damals wie heute galt: Die Sieger-Zigarre hatte am Ende Frank Hördler im Mund.

© SZ/bek/bkl
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