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2:0 gegen Benfica Lissabon:Frankfurt vermittelt einen Teamgeist, als seien alle Spieler im selben Dorf aufgewachsen

Die Eintracht-Mannschaft hingegen zeigte wieder einmal ihren beeindruckenden inneren Antrieb, der sie in dieser Saison auszeichnet. Im Kader der Frankfurter gibt es zwar Profis aus 17 Nationen, aber die Mannschaft vermittelt einen Teamgeist, als seien alle Spieler im selben Dorf aufgewachsen und hätten ihre Kindheit zusammen auf dem Bolzplatz verbracht. In den entscheidenden Duellen waren die Frankfurter immer eine Zehenspitze eher am Ball, immer einen Tick gieriger als der Gegner. Das 2:0 durch einen schönen Schuss von Sebastian Rode (67.) war nur noch einmal gefährdet, als der eingewechselte Eduardo Salvio den Pfosten traf (85.). Zuvor hatten die Portugiesen nur eine zwingende Torchance, nachdem Felix angetreten war und sein Rückpass vom Bein des Eintracht-Verteidigers Simon Falette fast ins Tor geprallt wäre (47.).

Ausgerechnet Falette stand an diesem Abend sinnbildlich für die Widerstandskraft der Eintracht: Drei Monate lang war er außen vor, wurde nur gebraucht, weil Evan N'Dicka nach seiner roten Karte im Hinspiel gesperrt war und die Winterverpflichtungen Martin Hinteregger (verletzt) und Almamy Toure (nicht gemeldet) ausfielen. Er mutierte vom Statisten zum gefeierten Helden: Mit seiner letzten Grätsche verhinderte er in der Nachspielzeit eine Torchance der Lissaboner, danach wurde der guineische Nationalspieler von Krämpfen geschüttelt ausgewechselt - und mit frenetischem Applaus verabschiedet. Falette bekam ein Sonderlob von Trainer Hütter, ebenso wie Stürmer Ante Rebic. Rebic erwischte tatsächlich einen seiner besten Tage in dieser Saison. Und an so einem Tag ist der Kroate ein Spieler, der mit dem Kopf durch die Wand will - und das auch schafft. Um beim Zaubertrank-Bild von Vorstand Hellmann zu bleiben: An Rebic prallten die Benfica-Spieler ab wie die römischen Soldaten an Obelix. Er wuchs mal wieder über sich hinaus, wird aber im Hinspiel gegen Chelsea am 2. Mai gelb-gesperrt fehlen.

Über sich hinauswachsen, Grenzen verschieben - das zeichnet die Eintracht in dieser Saison immer wieder aus. Nun ist diese Mannschaft zu einem gefährlichen Herausforderer für den FC Chelsea im Halbfinale der Europa League gewachsen und hat auch in der Liga alle Chancen, die Qualifikation für die Champions League zu schaffen. Doch kann die Eintracht diese Lust am Kraftakt tatsächlich bis zum Saisonende erfolgreich durchhalten? Am Ostermontag beim VfL Wolfsburg steht ein harter Test an, nachdem zwischen den beiden Benfica-Spielen gegen Augsburg in der Liga zu Hause verloren wurde. "Ein Ausrutscher sei auch uns mal erlaubt", sagt Sebastian Rode. Er meinte natürlich die 1:3-Niederlage gegen Augsburg - und nicht die zwar überraschenden, aber völlig verdienten Erfolge in Europa.

© SZ.de/tbr
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