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Eintracht Frankfurt:Charaktertest bestanden

Die Mannschaft des scheidenden Trainers Adi Hütter hält weiter Kurs auf einen Champions-League-Platz. Beim glanzlosen 2:0 gegen Augsburg können die harmlosen Gäste selbst einen Elfmeter nicht nutzen.

Von Frank Hellmann, Frankfurt

Die Fanszene von Eintracht Frankfurt wird gerne als eine der stimmgewaltigsten und einfallsreichsten in Deutschland bezeichnet. Mindestens 50 Anhänger aus der Ultra-Szene pilgerten am Dienstagabend in den Frankfurter Stadtwald, um ihrem Lieblingsklub auch außerhalb der Arena den Rücken zu stärken beim Ringen um einen Champions-League-Platz - mit reichlich Pyrotechnik und gut geölten Stimmbändern von der Otto-Fleck-Schneise hinter der Gegengeraden. Abgesehen davon, dass Menschenansammlungen mitten in der Corona-Pandemie keine kluge Idee sind, haben Böllerschläge und Freudengesänge die Eintracht beim glanzlosen 2:0 (1:0)-Heimsieg gegen den FC Augsburg begleitet. Die Hessen nehmen damit weiter Kurs auf die Königsklasse, erstmals in der Vereinsgeschichte.

Zum Wegbereiter des speziell für den abwandernden Trainer Adi Hütter wichtigen Erfolgs schwang sich dessen österreichischer Landsmann Martin Hinteregger auf, der nach feiner Flanke von Daichi Kamada entschlossen das 1:0 köpfelte (38.). Zuvor hatte sich der ehemalige Augsburger allerdings eine überflüssige Fluggrätsche gegen Marco Richter geleistet. Für diese Einlage hätte Schiedsrichter Robert Schröder statt der gelben auch die rote Karte zeigen können (31.). Zur Pause blieb Hinteregger vorsichtshalber gleich in der Kabine. Im zweiten Durchgang legte Torjäger André Silva mit seinem 24. Saisontor zum 2:0 nach (58.).

Den von Hütter nach der 0:4-Pleite bei seinem künftigen Arbeitgeber Borussia Mönchengladbach ausgerufenen Charaktertest hat die Mannschaft also bestanden. Seine Spieler lieferten diesmal keine Anzeichen, dass der Weggang des Fußballlehrers in eine Negativspirale mündet. Allerdings war der harmlose FC Augsburg auch so freundlich, selbst einen Handelfmeter nach Videobeweis zu vergeben: Der eingewechselte Alfred Finnbogason lupfte die Kugel fast schon fahrlässig über die Latte (73.). Bei den bayerischen Schwaben hatte sich Coach Heiko Herrlich zu einer Total-Rotation entschieden: Gegenüber dem 0:0 gegen Arminia Bielefeld blieben nur Torwart Rafal Gikiewicz, Felix Uduokhai und Richter in der Startelf. Offenbar sollte sich der Rest für das Kellerduell gegen den 1. FC Köln ausruhen.

Zunächst schlug sich die neue Augsburger Besetzung durchaus achtbar, weil die Eintracht ungewohnte Freiräume anbot. Laszlo Benes prüfte mit einem Drehschuss Nationaltorhüter Kevin Trapp (11). Die erste Chance für die lange nicht auf Touren kommenden Frankfurter hatte Silva, dessen Kopfball der aufmerksame Gikiewicz noch über die Latte lenkte (37.). In der zweiten Halbzeit war der Tabellenvierte - nun mit Ruhepol Makoto Hasebe als Mittelmann der Dreierkette - sichtlich bemüht, mehr Spielkontrolle zu erlangen. Vom Sturm und Drang der vergangenen Heimspiele war die Eintracht zwar weiterhin entfernt, doch genügte eine genau getimte Flanke von Filip Kostic, um mit dem Silva-Kopfball bereits für die Entscheidung zu sorgen. Einziges Ärgernis war die zehnte gelbe Karte für Antreiber Sebastian Rode, der damit am Samstag bei Bayer Leverkusen fehlt.

Von den Gästen kam in der zweiten Hälfte kaum Gegenwehr, der verschossene Strafstoß fügte sich ins zunehmende hilflose Augsburger Erscheinungsbild. Derweil intonierte die sangesfreudige Frankfurter Fanschar schon wieder jene Europapokallieder, die vor der Corona-Krise zur Dauerbeschallung innerhalb des Stadions gehörten.

© SZ
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