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Gescheiterte deutsche Olympia-Bewerbung:DOSB attackiert IOC

Alfons Hörmann

Teilt gerne mal deftig aus: DOSB-Präsident Alfons Hörmann.

(Foto: Fabian Strauch/dpa)

Nach dem Aus für Sommerspiele an Rhein/Ruhr weist der deutsche Dachverband Kritik zurück - und unterstellt dem Internationalen Olympischen Komitee "Falschaussagen".

Von Johannes Aumüller, Frankfurt

Die Geschichte gescheiterter deutscher Olympia-Bemühungen ist lang, aber zu einem solchen Auftritt wie am Montag hat sie noch nie geführt. Da saßen in einer digitalen Presserunde des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) der Präsident Alfons Hörmann und die Vorstandschefin Veronika Rücker für einen großen Rundumschlag. Sehr detailliert schilderten sie die vergangenen Abläufe um die Bewerbung von Rhein/Ruhr für Sommerspiele 2032, eine Präsentation von fast 90 Minuten und 27 Seiten, interne Mails und Protokoll-Inhalte inklusive.

Ihre Kernbotschaft aus der Frankfurter Verbandszentrale: Am DOSB habe es nicht gelegen, dass es mit den Sommerspielen in Nordrhein-Westfalen nichts geworden ist - und dass es in der vergangenen Woche rund um das Votum des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) für Spiele 2032 in Brisbane/Australien ein kommunikatives Desaster gab. Stattdessen teilten sie aus: gegen die Olympiawerber an Rhein und Ruhr sowie das IOC, dessen Vertretern Hörmann sogar "Falschaussagen" vorwirft.

Der DOSB-Boss, seit 2013 im Amt, ist bekannt dafür, dass er bisweilen deftig kritisiert. Eine Attacke des deutschen Dachverbandes gegen das IOC ist aber sehr ungewöhnlich, erst recht, weil der Deutsche Thomas Bach dem Ringe-Clan vorsitzt, Hörmanns Vorgänger an der DOSB-Spitze und bis heute Mitglied im DOSB-Präsidium, wenngleich ein inaktives.

Hörmanns Attacken dürften noch auf vielerlei Ebenen Konsequenzen haben und die Statik der nationalen Sportpolitik beeinflussen. Fürs Erste zeigten sie nun, wie groß der Aufruhr ist, der mit der siebten gescheiterten Olympia-Bemühung nacheinander in der deutschen Sportlandschaft entstand - und wie sehr sie sich im DOSB über die Schuldzuweisungen ärgern: "Der DOSB, der am wenigsten aktiv in das Thema insgesamt involviert war, wird elegant in die Ecke des Buhmanns gestellt", so Hörmann.

Ein neuer Bewerbungsversuch für 2036? Auch damit ist es kompliziert

Am vergangenen Mittwoch begannen die Turbulenzen. Da verkündete das IOC sein Votum pro Brisbane. Überraschen konnte daran nur der Zeitpunkt: Brisbane war schon lange Favorit, Rhein/Ruhr galt schon immer als chancenlos. Kurioserweise wirkten die Verantwortlichen in NRW überrascht - nicht zuletzt der Ministerpräsident und neue CDU-Vorsitzende Armin Laschet, der ziemlich blamiert dastand, weil er sich noch kurz zuvor sehr zuversichtlich gegeben hatte. Also wetterte der über den DOSB, weil der kein Gespür habe, "was sich beim IOC tut".

Der DOSB hingegen verwies nun darauf, dass der Kontakt zur Politik nicht seine Sache gewesen sei - sondern die der Rhein-Ruhr-Initiative um Sportmanager Michael Mronz. Am Montag berichtete der Dachverband detailliert, wie die Gespräche zwischen DOSB und Rhein/Ruhr sowie dem IOC abliefen, insbesondere seitdem Letzteres kürzlich beschlossen hatte, die 2032-Vergabe zu beschleunigen. Rhein/Ruhr kam dabei so weg, als habe es die Botschaften aus Lausanne nicht verstanden. In einem Telefonat mit Laschet am Montag, so Hörmann, sei klar geworden, dass dem NRW-Ministerpräsidenten "nennenswerte Informationen" nicht vorgelegen hätten. Dessen Sprecher teilt mit, dass sich Laschet nicht zu vertraulichen Gesprächen äußere. Rhein/Ruhr sagt konkret dazu nichts, sondern allgemein, dass es "keinerlei belastbare Faktenlage oder gar Datumsperspektiven für eine Entscheidung des IOC im Februar" gegeben habe.

Der Unmut des DOSB über das IOC wiederum beruht auf dessen Darstellung am vergangenen Mittwoch. Da hieß es, dass sich der DOSB entschieden habe, nicht in die nächste Phase des sogenannten Dialogprozesses ("Continuous Dialogue") einzutreten; dabei bezog sich das IOC auf ein Meeting im Februar. Das weist der DOSB zurück, er hatte in dem Vortrag am Montag zwei Stellen sogar eigens rot markiert und mit dem Hinweis "Falschaussagen" versehen. Im Februar habe es demnach überhaupt kein Meeting gegeben, sondern nur zwei im Januar. Gravierender: Es habe seitens des DOSB nie eine formale Entscheidung für oder gegen den Eintritt in die nächste Dialogphase gegeben.

Das IOC räumt zwar ein, dass es eine Verwechslung bezüglich Januar oder Februar gegeben habe, inhaltlich bleibt es aber bei seiner Linie. Der DOSB habe sich nicht dem "Continuous Dialogue" angeschlossen. Wie das Verfahren zu dieser (Nicht-)Entscheidung gewesen sei, entziehe sich seiner Kenntnis, aber das IOC sei stets offen für einen Austausch. Zugleich verwies es darauf, dass der DOSB "erst auf Bitte des IOC" Herrn Mronz für die Januar-Meetings zugelassen habe.

Eine explosive Gemengelage ist da entstanden - und es ist die Frage, was dies alles für künftige Bewerbungen bedeutet. Das Thema 2032 erklärte Hörmann am Montag für abgeschlossen, da zeigt er sich realistischer als mancher in NRW, der immer noch trotzig an der Bewerbung festhält. Auch mit einem Versuch für 2036, den Laschet für denkbar hält, ist es schwierig. Das Verhältnis zu Rhein/Ruhr ist erkennbar beschädigt. Und generell gab Hörmann zu verstehen, dass ihm für Spiele 2036 in Deutschland - 100 Jahre nach den Propagandaspielen der Nazis - die Fantasie fehle, wenngleich das mancher im DOSB anders sehe. Es ist auch die Frage, wie sinnvoll es war und ist, dass der DOSB bei Bewerbungen wie jener von Rhein/Ruhr die Führungsrolle den Machern am Ort überlässt und selbst nur eine begleitende Funktion einnimmt. Man wolle mit Abstand reflektieren, so Hörmann, "ob, wann, wo und mit welchem Konzept zu gegebener Zeit ein neuer Anlauf genommen" werde.

© SZ/jkn/moe
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