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Olympia-Bewerbung:Laschet kritisiert DOSB und IOC

Beratungen für Olympische und Paralympische Spiele 2032

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) gibt sich nach der Entscheidung des IOC pro Brisbane missmutig. Die Bewerbung von Rhein/Ruhr soll aber fortgesetzt werden.

(Foto: Federico Gambarini/dpa)

Trotz des Votums des IOC für Brisbane hält die Initiative Rhein/Ruhr die Olympia-Bewerbung aufrecht - und sogar eine Bewerbung für 2036 möglich. Zugleich gibt es erheblichen internen Klärungsbedarf.

Von Johannes Aumüller, Frankfurt

Nach dem Votum des Internationalen Olympisches Komitees (IOC) für Sommerspiele 2032 in Brisbane/Australien hat der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und das IOC scharf kritisiert. Zugleich teilte der neue CDU-Vorsitzende mit, dass die Bewerbung der Initiative Rhein/Ruhr fortgesetzt werde.

"Der DOSB hat sich nicht in der Lage gesehen, in einen ernsthaften Dialog mit dem IOC über eine deutsche Olympia-Bewerbung einzutreten, das bedaure ich sehr", sagte Laschet am Freitag bei einer Pressekonferenz mit Michael Mronz, Chef der Olympia-Initiative an Rhein/Ruhr: "Das Erstaunliche ist, dass man kein Gespür hat, was sich beim IOC tut." Dem IOC-Präsidenten Thomas Bach wiederum habe er mitgeteilt, dass "das nicht die Transparenz ist, die das IOC nach eigener Selbstbekundung wünscht".

Zugleich offenbart sich erheblicher interner Klärungsbedarf bei der Bewerbung über den Ablauf der vergangenen Wochen. Wirkliche Chancen hatte Rhein/Ruhr international ohnehin nie, aber nach Lage der Dinge war spätestens im Januar klar, dass es nichts mit einer deutschen Initiative werden würde. Da habe das IOC in einer Videokonferenz mit DOSB und Rhein/Ruhr-Vertretern erstmals thematisiert, dass womöglich kurzfristig eine Entscheidung für 2032 falle, so der deutsche Dachverband. Gemeinsam hätten DOSB und Rhein/Ruhr dann den internen Zeitplan - Klärung der Finanzfragen, Befragung der Bevölkerung, Bewerbungsbeschluss in der DOSB-Mitgliederversammlung - bekräftigt. Somit war klar, dass Deutschland nicht in die nächste Stufe des Dialogprozesses mit dem IOC eintreten würde.

Eine Bewerbung für 2036 sei auch kein Problem, findet Laschet - 100 Jahre nach den Propagandaspielen der Nazis

Nur: Offenkundig drang das zu entscheidenden Stellen nicht vor. Laschet gab sich noch in einem am Dienstag veröffentlichten Interview zuversichtlich - einen Tag, bevor das IOC seine Präferenz für Mitbewerber Brisbane verkündete. Das Bundesinnenministerium (BMI), also der wichtigste Geldgeber des Sports, hatte von den Gesprächen auch nichts erfahren, wie es der SZ bestätigte. Der DOSB erklärte, alle Schritte seien mit Rhein/Ruhr-Chef Mronz abgestimmt und die Kommunikation mit der Politik Sache von Mronz gewesen. Der wiederum lässt mitteilen, dass der DOSB immer klargemacht habe, dass ein positiver Bürgerentscheid eine Grundvoraussetzung für einen Beschluss über eine offizielle Bewerbung sei. Darüber habe man "unsere politischen Partner selbstverständlich informiert".

Trotz dieser Irritationen und der klaren IOC-Entscheidung wollen die Verantwortlichen in Nordrhein-Westfalen die Bewerbung aufrechterhalten. "Wenn wir vor einer endgültigen Entscheidung des IOC den Stecker ziehen und bei dem Projekt Brisbane geht irgendwas schief, dann müssen wir uns zurecht fragen lassen: Warum habt ihr das gemacht?", sagte Mronz. Außerdem, gab Laschet zu verstehen, sei auch eine Bewerbung für 2036, also 100 Jahre nach den Propagandaspielen der Nationalsozialisten, kein Problem. Allerdings dürfte das nicht nur wegen der historischen Komponente zu heftigen Diskussionen führen. Denn dass Rhein/Ruhr für 2032 der deutsche Kandidat war, lag auch daran, dass Berlin bisher kein stimmiges Konzept präsentieren. Für 2036, so war die Botschaft aus Berlin stets zu verstehen gewesen, könne man das aber durchaus.

© SZ/jkn
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