Sportpolitik:DOSB lässt Hörmanns Amtszeit aufarbeiten

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Sportpolitik: Alfons Hörmann war von Dezember 2013 bis Dezember 2021 Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes.

Alfons Hörmann war von Dezember 2013 bis Dezember 2021 Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes.

(Foto: Frank Hoermann/Sven Simon/imago)

Diverse irritierende Vorgänge prägten die letzten Monate des ehemaligen DOSB-Präsidenten Alfons Hörmann. Nun setzt der Dachverband ein Gremium ein - die Zusammensetzung erstaunt allerdings.

Von Johannes Aumüller, Frankfurt

Seit Anfang Dezember ist Alfons Hörmann, 61, nicht mehr Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes. Damals löste ihn Thomas Weikert, 60, an der Spitze des Sportdachverbandes ab. Doch nun hat die Amtszeit des Allgäuers noch ein Nachspiel - insbesondere die turbulenten letzten Monate, in denen es in der Folge eines anonymen Hörmann-kritischen Briefes zu diversen irritierenden Vorgängen kam.

Der DOSB bestätigte der SZ, dass das neue Präsidium eine dreiköpfige Kommission eingesetzt habe, um diese Themen aufzuarbeiten. Demnach soll das Gremium die Sachverhalte nun juristisch prüfen und gegebenenfalls Handlungsempfehlungen erstellen. Als Mitglieder vorgesehen sind die frühere DOSB-Vizepräsidentin Christa Thiel sowie der ehemalige BGH-Richter Clemens Basdorf, der in seiner Zeit am Bundesgerichtshof unter anderem den Fußball-Wettskandal um den Schiedsrichter Robert Hoyzer behandelte. Auf das dritte Mitglied sollen sich Thiel und Basdorf verständigen.

Sportpolitik: Viele Jahre DOSB-Erfahrung: Anwältin Christa Thiel.

Viele Jahre DOSB-Erfahrung: Anwältin Christa Thiel.

(Foto: Hartenfelser/imago)

Thiels Wahl überrascht angesichts des verlautbarten Ansatzes, dass die Aufarbeitung von einem unabhängigen Gremium stattfinden solle. Die Juristin zählte lange zum obersten Zirkel der deutschen Sportpolitik: Sie war viele Jahre Chefin des deutschen Schwimmverbandes und DOSB-Vize für den Leistungssport. Nach dem Abschied des ersten DOSB-Präsidenten Thomas Bach zum Internationalen Olympischen Komitee 2013 positionierte sie sich selbst als Kandidatin für die vakante Position, ehe sich Hörmann durchsetzte. Ein Jahr lang blieb Thiel dann noch in dem von Hörmann geführten DOSB-Präsidium. 2019 war sie Chefin einer Findungskommission im Schwimmverband, nach deren Arbeit und Empfehlungen es viele Irritationen und einen offenen Streit gab.

Hörmann teilt mit, er begrüße die Einsetzung des Gremiums

Auf das Prüfgremium wartet jedenfalls viel Arbeit. Es muss verschiedene Vorgänge aus den vergangenen Monaten aufarbeiten. Im Zentrum steht dabei der Umgang mit dem anonymen Brief, der im Namen der DOSB-Mitarbeiterschaft Hörmanns Führungsstil kritisierte und eine "Kultur der Angst" im Verband konstatierte. Nach der Publikation dieses Schreibens ließ die DOSB-Spitze zwei Sprachgutachten erstellen, um den Urheber ausfindig zu machen. Dabei tauchte der Verdacht auf, dass das frühere DOSB-Vorstandsmitglied Karin Fehres die Autorin sei. Diese wurde daraufhin unter Druck gesetzt, die Autorenschaft zuzugeben - andernfalls drohten rechtliche Schritte. Fehres bestritt den Vorwurf und machte den Vorgang öffentlich.

Daneben steht das Verhalten gegenüber dem Ruderer Jonathan Koch auf der Agenda. Der Athletenvertreter im Präsidium hatte sich nach der Veröffentlichung des anonymen Briefes beklagt, dass der DOSB ohne seine Zustimmung seinen Namen unter eine Pro-Hörmann-Erklärung gesetzt habe. Später schob er nach, dass er in der ganzen Affäre unter Druck gesetzt worden sei und er sich "eingeschüchtert" fühlte. Zudem soll die Kommission auch rechtliche Auseinandersetzungen prüfen, die Hörmann anstrengte: gegen Medienvertreter, aber auch gegen den Triathlon-Präsidenten Martin Engelhardt, der zu den hartnäckigsten Gegenspielern Hörmanns in den vergangenen Jahren zählte.

Zentral dürfte das Gremium die Frage beschäftigen, wie viel Geld die verschiedenen Vorgänge den DOSB gekostet haben und ob er gegebenenfalls Geld zurückfordern kann oder soll. Zugleich wird aber entscheidend, ob sich die Kommission alleine auf Hörmann konzentriert - oder ob sie sich auch der Frage widmet, was andere Funktionäre wann wussten und welche Verantwortung sie für was trugen. Im Dezember wurde das komplette alte Präsidium ausgetauscht, die Vorstandschefin Veronika Rücker, 51, musste im Zuge der Fehres-Causa ihr Amt zum Jahresende aufgeben.

Hörmann selbst teilt mit, er begrüße die Einsetzung des Gremiums. Bereits Mitte November habe man mit den drei Sprechern der DOSB-Verbändegruppen vereinbart, die Vorgänge seit dem Erscheinen des anonymen Schreibens "einer gründlichen und unabhängigen Untersuchung zu unterziehen", sagt er: "Veronika Rücker und ich haben schon zum damaligen Zeitpunkt unsere uneingeschränkte Unterstützung zugesagt und zwischenzeitlich eine umfangreiche Dokumentation aller relevanten Vorgänge an das neue Präsidium und den Vorsitzenden der Ethikkommission mit der Bitte um zeitnahe Prüfung übergeben. Deshalb begrüße ich es sehr, wenn das neue Präsidium dies nun so umsetzen wird."

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