bedeckt München 11°
vgwortpixel

Dopingverfahren gegen Radprofi:Das Denkmal Lance Armstrong droht einzustürzen

Das Bezirksgericht in Austin lehnt einen Widerspruch von Lance Armstrong gegen die Dopingklage der amerikanischen Anti-Dopingagentur Usada ab. Nun bleiben dem siebenmaligen Tour-de-France-Sieger nur zwei unangenehme Optionen: eine lebenslange Sperre zu akzeptieren - oder einen Prozess unter Eid.

Lance Armstrong ist stets allen entwischt, mit der Kraft seines Körpers oder dank Anwälten und Funktionären. Im Rennen fuhr er vor allem dem Deutschen Jan Ullrich davon, und wenn es einmal eng wurde auf sportpolitischer Ebene - etwa nach der positiven Cortison-Probe während seines ersten Toursiegs 1999 -, dann durfte er ein Attest nachreichen.

Lance Armstrong

Könnte bald ohne Titel dastehen: Lance Armstrong.

(Foto: dpa)

Auch jene sechs Nachtests seiner '99er-Kontrollen, die mit Epo kontaminiert waren und nach seinem ersten Abschied vom Radsport (2005) bekannt wurden, konnten ihm nichts anhaben; der Weltverband UCI vertrat den Standpunkt, die Proben seien sportjuristisch nicht mehr verwertbar.

Doping-Anschuldigungen seiner einstigen Kollegen Floyd Landis und Tyler Hamilton, die Betrugs-Recherchen des renommierten US-Ermittlers Jeff Novitzky, die ein Einzelrichter im Frühjahr unter dubiosen Umständen beendete? All das ließ das Denkmal Armstrong zwar endgültig einstürzen - doch sanktioniert wurde der inzwischen 40-Jährige bisher nicht.

Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ändert sich das bald, und von der vermeintlichen Legende Armstrong dürfte nichts zurückbleiben. Denn entweder akzeptiert der siebenfache Sieger der Tour de France, der seit 2011 nur noch im Triathlon aktiv war, die lebenslange Dopingsperre, welche die US-Anti-Doping-Behörde (Usada) beantragt hat. Oder ihm wird im November der Prozess vor einem unabhängigen Schiedsgericht des Sports gemacht.

Denn die Rechtmäßigkeit dieses Vorgehens der Usada bestätigte am Montagabend das Bezirksgericht Austin, Texas - und wies damit Armstrongs Widerspruch gegen die Klage der Usada und deren Zuständigkeit ab. Der mutmaßlich letzte Winkelzug seiner Advokaten scheint gescheitert zu sein. Entsprechend knapp fiel deren Reaktion aus. "Wir werden die Urteilsbegründung des Gerichts analysieren und dann Armstrongs Möglichkeiten abwägen", äußerte Armstrong-Anwalt Tim Herman.

Viel Zeit bleibt nicht: Am 23. August endet Armstrongs Erklärungsfrist bei der Usada. Deren Vorwürfe sind massiv: jahrelange Doping-Verschwörung in seinen Teams, Einnahme so ziemlich aller gängiger, verbotener Mittel, dazu der Handel mit diesen, Gebrauch verbotener Methoden wie Blutdoping. Im Dutzend wollen dazu vor dem Schiedsgericht frühere Gefährten aussagen: nicht nur Landis und Hamilton, sondern auch andere Kronzeugen, die schon vor Jahren Doping als Armstrong-Helfer einräumten, Frankie Andreu und Jonathan Vaughters, ebenso Begleiter wie George Hincapie oder Pavel Padrnos. Und alle müssten unter Eid aussagen.