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Doping-Oper-Hilfe-Verein:Der Mahner darf nicht verstummen

Ski-Langlauf bei den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang

Im vergangenen Jahr wurden Langläufer des Dopings überführt - die Spuren führten auch nach Deutschland.

(Foto: Hendrik Schmidt/dpa)

Streitereien hemmen die gute Arbeit des Doping-Opfer-Hilfevereins. Dabei würde wohl noch vieles herauskommen, wenn man es konsequent angeht.

An diesem Dienstag feiert der Doping-Opfer-Hilfeverein (DOH) sein 20-jähriges Bestehen. Und wenn seine aktuellen Mitglieder in Berlin zum Festakt zusammenkommen, könnten sie durchaus stolz sein auf so manches, was sie und diverse frühere Mitstreiter in den zwei Dekaden erreicht haben. Sie sind als ehrenamtlicher Verein Lobby und Anlaufstelle der vielen Opfer des DDR-Zwangsdopingsystems geworden. Sie sind eingesprungen, als sich der Staat und insbesondere der organisierte Sport um ihre Pflichten drückten. Sie haben die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisiert, und sie waren maßgeblich daran beteiligt, dass es irgendwann ein Dopingopfer-Hilfegesetz gab: Dadurch erhalten knapp 1000 Athleten der DDR-Zeit, die heute an gesundheitlichen Schäden leiden, zumindest 10 500 Euro Entschädigung.

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Dennoch dürfte vielen DOHlern bei ihrer Zusammenkunft nicht zum Feiern zumute sein. Denn längst prägen heftige Auseinandersetzungen den Verein. Die früheren Mitstreiter haben sich verkracht, es geht um berechtigte inhaltliche Fragen wie einen angemessenen Opferbegriff, aber auch um persönliche Animositäten; inzwischen sind schon zwei juristische Auseinandersetzungen zwischen früheren Verbündeten anhängig. Als Anlauf- und Beratungsstelle für Opfer mag der DOH noch funktionieren, als Stimme und Mahner auf dem politischen Parkett fällt er derzeit aus. Und das Gesetz, das den Geschädigten von damals die Einmalhilfe verspricht, läuft zum Jahresende aus - und nichts deutet darauf hin, dass die Frist verlängert wird.

Dabei ist es just in diesen Monaten von 30 Jahren Mauerfall und 30 Jahren Wiedervereinigung geboten, das Dopingübel der deutsch-deutschen Sportgeschichte nachhaltig in den Fokus zu rücken. Ansonsten lachen sich nur all jene Protagonisten aus Sport und Politik ins Fäustchen, die das Thema ohnehin immer kleinhalten wollen. Also gilt es, permanent zu erinnern: an den verbrecherischen Staatsplan 14.25 der DDR-Führung und an die mehr als 10 000 Athleten, denen nicht erzählt worden war, welche schlimmen gesundheitlichen Folgen die verabreichten Pillen haben können. Aber auch an die vielfältigen pharmazeutischen Aktivitäten der westdeutschen Sportmedizin, die sicherstellen sollten, dass man mit der Konkurrenz im Osten mithalten konnte.

Doch ebenfalls bedeutsam ist, klarzumachen, was das bis heute für den Spitzensport bedeutet. Denn noch immer sind Trainer und Mediziner aktiv, die Teil des Dopingsystems waren. Manch damaliger Sportler, bei dem kein vernünftiger Zweifel besteht, dass er wissentlich dopte, stellt sich bis heute nicht seiner Biografie. Und die Aufarbeitung der deutschen Dopinggeschichte, die das Bundesinnenministerium vor einem knappen Jahrzehnt finanzierte, endete just in den Wendejahren 1989/90 und wurde bis heute nicht fortgesetzt. Was da wohl rauskommen würde, wenn man das mal konsequent angehen würde? Doch nicht etwa, dass die Betrugsspezialisten aus Ost und West ihre Expertise womöglich auch noch systematisch zusammenlegten?

Es ist eine Zeit, in der es dringend einen Verein braucht, der diesem Thema eine nachhaltige Stimme gibt.

© SZ vom 26.11.2019/tbr
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