Nach Blutdoping-Fällen Ärger um neue Doping-Kontrollen der Nada

Manche Radprofis werden bereits direkt vor den Rennen getestet.

(Foto: Getty Images)
  • Synchronschwimmerin Amelie Ebert, Mitglied im Präsidium von "Athleten Deutschland", beschwert sich über die neue Teststrategie der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada).
  • Als Konsequenz aus der Erfurter Blutdoping-Affäre will die Nada verstärkt kurz vor den Rennen und Wettkämpfen testen.
  • "Das ist unverhältnismäßig", kritisiert Ebert in der SZ.
Von Johannes Aumüller

Am Dienstagnachmittag kommt in Bonn der Aufsichtsrat der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) zusammen. Und das könnte eine Zusammenkunft werden, in der es durchaus konfrontativ zugeht. Unter anderem wird ein Thema im Mittelpunkt stehen, das in der Athletenschaft gerade viel Aufregung und einen Zwist mit der Nada erzeugt: die neue Teststrategie der Anti-Doping-Agentur und die Durchführung von Doping-Kontrollen kurz vor dem Wettkampf. "Das ist unverhältnismäßig", sagt die Synchronschwimmerin Amelie Ebert, Mitglied im Präsidium von "Athleten Deutschland" und im Nada-Aufsichtsrat, der Süddeutschen Zeitung.

Dieser neue Ansatz der Nada ist eine Konsequenz aus den Erkenntnissen zum Erfurter Blutdoping-Netzwerk. Da zeigte sich, dass Doper sich bis kurz vor dem Start ihr Blut zurückführen lassen. Entsprechend will auch die Nada ihre Instrumentarien anpassen; generell möglich waren Tests kurz vor dem Wettkampf früher schon, doch jetzt will sie das verstärkt einsetzen. Im Radsport kam es dieser Tage auch schon zu Kontrollen vor dem Start. Doch viele Athleten stören sich daran.

Bilder der Doping-Razzia

Blutbeutel im Kühlschrank, Blutbeutel im Waschbecken

"Wir glauben generell, dass wir im Anti-Doping-Kampf andere Themen angehen und im System verändern müssen, etwa eine andere Verantwortung für die Verbände oder ein besseres Whistleblower-System, anstatt immer nur noch strengere Tests für Athleten einzufordern", sagt Synchronschwimmerin Ebert. "Bei den Kontrollen vor dem Wettkampf sind wir skeptisch. Das ist schon eine hohe Belastung in einer sensiblen Phase vor dem Wettkampf. Da muss das Aufwand-Nutzen-Verhältnis stimmen, und wir sind gespannt, was da genau geplant ist, damit das Aufwand-Nutzen-Verhältnis auch passt."

Besteht bei den Kontrollen sogar Verletzungsgefahr?

Viele Athleten sorgen sich, dass eine Blutkontrolle unmittelbar vor dem Wettkampf zu viel negativen Einfluss auf die sportliche Leistung habe. Weil sie dann einen anderen zeitlichen Puffer einbauen müssen, weil sie aus ihrer direkten Vorbereitung gerissen werden oder sogar die Gefahr einer kleinen Verletzung besteht. Und zugleich ist bekannt, dass per Kontrolle ohnehin nur ein Bruchteil der Dopingbetrüger erwischt wird. Es sind auch noch manche Fragen offen, etwa bis zu welchem Zeitpunkt vor dem Wettkampf die Kontrolleure tatsächlich vorbeikommen.

Nada-Vorstand Lars Mortsiefer hingegen hält diese Kontrollen für unabdingbar. "Wenn wir es nicht machen, fehlt uns etwas", sagt er: "Wir gehen aber behutsam vor. Wichtig ist, dass wir die Kontrollen verhältnismäßig einsetzen und dabei natürlich auch berücksichtigen, dass die meisten Athleten ihren Sport sauber ausüben und diese dadurch in der Vorbereitung auf den Wettkampf gestört werden." Zugleich werde mit Laboren an Alternativen gearbeitet, die für die Athleten weniger eingriffsintensiv seien.

Dabei ist die deutsche Anti-Doping-Agentur mit ihrer Ansicht nicht alleine. Auch Österreichs Nada teilt der SZ mit, dass sie künftig kurz vorm Wettkampf testen will - auch wenn es in der praktischen Umsetzung noch ein paar Sachfragen zu klären gebe. Zudem soll sich dieser Tage auch eine Arbeitsgruppe der Welt-Anti-Doping-Agentur damit beschäftigen.

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