Doping im Radsport Der mutige Herr Weibel belastet alle

Der frühere U23-Bundestrainer sagt vor Gericht gegen Funktionäre des Bundes Deutscher Radfahrer aus - es geht um vertuschte Dopingfälle.

Von Andreas Burkert

Bei der Bayern-Rundfahrt, die an diesem Mittwoch in Erding startet, werden Rudolf Scharping und Burkhard Bremer nicht erwartet. Dass der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) und dessen Sportdirektor nicht kommen, werden vermutlich beide als ganz angenehm empfinden angesichts der Neuigkeiten, die über Scharpings Verband speziell Bremer bekannt geworden sind. Diese Nachrichten lassen mehr denn je den Eindruck zu, dass Bremer und die alte BDR-Riege aus gutem Grund bis heute keine sie betreffenden Dopingfälle aufklären - weil sie offenbar davon Kenntnis hatten. Und Dopingfälle aktiv vertuschten.

Peter Weibel, der frühere BDR-Bundestrainer, belastet Funktionäre des Deutschen Radsportverbandes.

(Foto: online.sdesport)

Diesen Eindruck hat jedenfalls Peter Weibel erhärtet, der ehemalige U23-Bundestrainer, 25 Jahre als Arbeiter und Talente-Ausbilder geschätzt - ehe man seinen Vertrag zum Dezember 2009 auslaufen ließ. Weil früherer Fahrer behauptet hatten, sie hätten Dopingmittel von ihm bekommen. Derart pseudo-konsequent handelte der BDR aber bisher nur in der Sache Weibel. Die Ursache liegt, darf man Weibel glauben, auf der Hand, er hat sie nun in einer längeren Aussage vor dem Landgericht Hamburg benannt: Vom vertuschten Dopingfall Patrik Sinkewitz, der bei der WM 2000 viel zu hohe Blutwerte aufwies, sollen damals die komplett anwesende Funktionärs-Clique des BDR sowie die beiden Verbandsärzte gewusst haben. Er habe Sinkewitz "im Auftrag des Präsidiums", das über das von Sinkewitz' eingeräumte Epo-Doping in Kenntnis gesetzt gewesen sei, nach Hause geschickt, sagte er am 30. April in Hamburg aus. Und: "Es waren Ärzte dabei, die die Werte festgestellt hatten (...)".

Das fünfseitige Gerichtsprotokoll von Weibels mutiger Aussage liegt der Süddeutschen Zeitung vor. Bremer und BDR-Arzt York-Olaf Schumacher, den Weibel belastet, hatten gegen die Internet-Ausgabe der Saarländischen Rundfunks sowie den Sportpolitiker Peter Danckert (SPD) wegen einer entsprechenden Verdachtsberichterstattung bzw. kritischen Interview-Äußerungen geklagt. Bremer und Schumacher, immer noch in der durch die Team-Telekom-Skandale belasteten Sportmedizin der Uniklinik Freiburg angestellt, hatten die Vorwürfe zurückgewiesen und eidesstattliche Versicherungen abgegeben. Womöglich sind sie das Papier nicht Wert, auf dem sie verfasst wurden.

Weibel hat bisher die Öffentlichkeit gemieden, er wollte seiner angeschlagenen Gesundheit die Aufregung nicht zumuten. Sinkewitz hatte 2007 in einem SZ-Interview ausgesagt, Weibel habe 2000 von seinem Epo-Doping gewusst und ihn beim Betrug unterstützt. Offenkundig ist es Weibel aber leid, als alleiniger Sündenbock dazustehen. In Hamburg als Zeuge geladen, äußerte es dies: Sportchef Bremer sei sein "Ansprechpartner" in der Sache gewesen, und selbstverständlich sei diesem klar gewesen, dass es sich um einen Dopingfall handelte: "In der Regel denke ich, dass das klar ist."

Und weiter: "... es war ja dann das Präsidium vollständig vor Ort, und der Fall wurde besprochen" Auch die eingeweihten Ärzte benannte Weibel: "Die Ärzte, die anwesend waren, waren Herr Dr. Graetsch (so steht es im Protokoll, gemeint ist der damalige BDR-Arzt Roland Kretsch) und Herr Dr. Schumacher. (...) Es gab die Anweisung vom Präsidium, die Werte zu messen und auch mitzuteilen." Und weiter: "Wenn ich gefragt werde, wer sonst vom Präsidium anwesend war, so war außer Herrn Bremer auf jeden Fall Herr Böhmer da, Herr Ramseier und Frau Schenk (...), sie ist dann allerdings erst später gewählt worden."

Armstrongs Comeback

Ein Leben in Gelb