Doping im Fußball:"Es ist verlogen, Doping abzustreiten"

"Jeder weiß Bescheid, denn in der Bundesliga ist Tratsch üblich. Da wird - vor allem vor Saisonbeginn - von neuen Spielern viel erzählt. Wie viel beim früheren Klub geschluckt und was beim neuen Verein bevorzugt wird. Es ist deshalb verlogen, Doping abzustreiten. Das Aufputschen ist im Fußball genauso an der Tagesordnung wie in anderen Sportarten." (Paul Breitner in einem Spiegel-Interview 1987 zu den Doping-Vorwürfen von Toni Schumacher, Quelle)

"Franz Beckenbauer war in einer schwierigen Situation: Er weiß, der Toni hat recht. Er musste aber auch die Interessen des Deutschen Fußball-Bundes berücksichtigen. Denn so wie beim Skandal mittels Bestechung Spiele verschoben wurden, so ist Doping auch eine Art von Schiebung, die untersucht werden muss." (Paul Breitner im gleichen Interview zum Rausschmiss Schumachers aus der Nationalmannschaft nach seiner Buchveröffentlichung)

"Es ist mir bekannt, dass früher Captagon genommen worden ist. Viele Spieler waren verrückt danach. Das war überall bekannt und wurde praktiziert. Bis zu 50 Prozent haben das konsumiert. Nicht nur in der zweiten Liga." (Peter Neururer zu seiner Zeit bei Schalke 04, damals Zweitligist. Captagon ist ein Amphetamin-Derivat und hat eine aufputschende Wirkung, Quelle)

Auch bei der WM 1998 waren Spritzen im Spiel

Die französische Nationalmannschaft vor dem WM-Finale 1998

Die französische Nationalmannschaft mit Zidane (stehend ganz links) und Petit (stehend ganz rechts) vor dem WM-Finale 1998.

(Foto: Daniel Garcia/AFP/Getty Images)

"Als die Weltmeisterschaft 1998 losging, haben einige unserer Spieler begonnen, Spritzen von Glenns (Hoddle, damaliger englischer Nationaltrainer, Anm. d. Red.) bevorzugtem Mediziner, einem Franzosen namens Dr. Rougier zu nehmen. Es war anders als alles, was wir bei United (Manchester United; Anm d. Red.) taten, aber alles korrekt, da bin ich mir sicher. Nachdem einige sagten, sie fühlten einen richtigen Energieschub, entschied ich, die Hilfe auch anzunehmen." (Gary Neville, ehemaliger englischer Nationalspieler, Quelle)

Staatsanwaltschaft: "Haben Sie zugesehen, als die Spritzen oder die Infusion vorbereitet wurden? Zinédine Zidane: "Ich war immer dabei, ja, und er hat mir gesagt, das seien Vitamine" (Zinédine Zidane vor Gericht im Zuge eines Prozesses, in dem er die Einnahme von Kreatin zugab und seinem Verein Juventus Turin systematisches Blutdoping mit Epo vorgeworfen wurde, Quelle)

"Es kommt so weit, dass wir alle Doping brauchen. Einige tun es schon jetzt." (Emmanuel Petit, ehemaliger französischer Nationalspieler und Weltmeister, 1999, Quelle)

"Man sollte immer nachfragen, aber der Spieler kann nicht immer wissen, was gespritzt wird." (Philipp Lahm am vergangenen Freitag im Interview mit Sport1, Quelle)

© Digitale SZ vom 08.03.2015
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