Doping bei Olympia Es regt sich Widerstand gegen Bach und seinen Clan der Ringe

Vorneweg: IOC-Präsident Thomas Bach.

(Foto: AFP)

Doping ist kein Problem für das IOC - auch der DOSB folgt besinnungslos der Spur von Thomas Bach. Zum Glück lassen sich das nicht alle bieten.

Kommentar von Thomas Kistner, Rio de Janeiro

Julia Stepanowa muss draußen bleiben, wenn an diesem Freitag die Jugend der Welt ins Olympiastadion von Rio de Janeiro marschiert. Die Russin, die das staatlich organisierte Doping in ihrer Heimat aufdecken half, in dem auch sie gefangen war, die ihre Strafe längst abgebüßt hat und ob ihrer Zivilcourage mit Mann und Kind die Heimat fliehen musste - ihr fehlt es halt an ethischem Format. So hat es der oberste olympische Verhaltensforscher Thomas Bach mit seinem Internationalen Olympischen Komitee verfügt.

Nicht am Start ist auch Kuwaits Team. Kuwaits Athleten haben nichts ausgefressen. Sie büßen dafür, dass ihre Regierung ein Gesetz verabschiedet hat, das angeblich die Autonomie des Sports untergräbt. Kuwaits Sportautonomie hat einen Namen: Ahmad Al-Sabah. Dem Scheich nutzt der Ausschluss seiner Schützlinge, das erhöht den innenpolitischen Druck auf seine Feinde in der Königsfamilie.

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Warum er das tut? Weil er's kann. Er war die stärkste Kraft hinter Bachs Inthronisierung 2013, praktisch regiert er die 206 nationalen Olympiakomitees der Welt, er sitzt im Vorstand des Weltfußballverbandes Fifa. Gehört nicht schon so eine Ämterfülle beschnitten?

IOC-Chef Bach hat sein Entsetzen problemlos runtergefahren

Auch Julia Stepanowa wäre gerne in Rio gestartet. Unter der neutralen Flagge des IOC, aber auch unter Russlands Fahne. Beides wurde ihr verwehrt. Nun treten Russlands Athleten unter den Nationalfarben an, obwohl Drahtzieher aus dem Kreml Beamte und Geheimagenten, Wissenschaftler und Funktionäre für ein "nie dagewesenes Ausmaß an Betrug" eingespannt hatten - so hat IOC-Chef Bach im ersten Schock die Beweislage kommentiert, die ein Report der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada im Juli ans Licht brachte. Aber Wladimir Putin sieht das anders, und Bach jetzt auch. Er hat sein Entsetzen über ein beispielloses Kriminalstück problemlos runtergefahren. In Rio spricht er von "Vorwürfen", die zu sanktionieren seien, "falls" sie denn zutreffen.

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Ein ganzes Olympia-Event - die Winterspiele 2014 in Sotschi - wurde in Geiselhaft genommen für eine staatliche Selbstinszenierung, das globale Publikum dabei ebenso betrogen wie die Geldgeber. Aber die Fernsehanstalten konnten sich zumindest bei ihren betrogenen Zuschauern refinanzieren. Klar waren all diese Bilder verlogen - aber waren sie nicht trotzdem schön? Heute stehen sie für die olympische Idee. Der wahre Geist, die Integrität des Wettkampfs, wurde in Russland ja systematisch zerstört, die Gästeschar aus aller Welt um ihre Medaillen gebracht, die Früchte ihrer Arbeit. Trotzdem gilt die tätige Fürsorge des IOC allein der Frage, ob ein kollektiver Bann Russlands nicht auch irgendeinen sauberen Athleten des Landes hätte treffen können.