Diskus-Gold für Robert Harting Harting kritisiert geringe Entlohnung

Harting spricht gerne und viel über sich, er trägt sein Herz auf der Zunge und bisweilen auch noch weiter vorne - was ihm die einen als Offenheit auslegen und die anderen als Torheit. Er plaudert über seine schwere Kindheit, sein latentes Burn-out-Syndrom, seine Verletzungen am Knie, die seine Karriere beinahe beendet hätten.

Diskuswerfer wird Hürdenläufer: Robert Harting nach seinem Goldwurf.

(Foto: AP)

Er macht aber auch unbedachte und bisweilen skandalöse Aussagen wie bei der WM 2009 in Berlin, als er nach der Qualifikation sagte: "Wenn der Diskus auf dem Rasen aufspringt, soll er gleich gegen eine der Brillen springen, die die Dopingopfer hier verteilt haben. Aber ich bin kein Mörder, ich will nur, dass sie wirklich nichts mehr sehen." Die Dopingopfer der DDR wollten damals auf ihr Schicksal aufmerksam machen. Harting wollte seinen Trainer Werner Goldmann in Schutz nehmen, dem eine Verwicklung im DDR-Dopingsystem vorgewurfen wurde. Kurz darauf gewann er Gold, der Erfolg glättete fast alle Wogen. Die Nachricht an Harting: Wer als Sportler erfolgreich ist, der kann sagen, was er will.

Nun ist dieser Robert Harting nicht nur Sportler - er möchte auch ein Athlet sein, der gut davon leben kann, dass er einen Diskus weit schleudert. Er studiert Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Universität der Künste und zeichnet teils wilde Gemälde. Doch beschwert er sich auch offensiv über die Entlohnung von Sportlern, insbesondere von Leichtathleten, wenn sie nicht gerade Usain Bolt oder Jessica Ennis heißen.

"Der Olympiasieg wäre weniger wert als andere Erfolge", hatte er schon vor den Olympischen Spielen gesagt. Für den WM-Titel hatte er 60.000 Dollar brutto bekommen, als Olympiasieger wird ihn die Stiftung Deutsche Sporthilfe mit 15.000 Euro unterstützen. "Bosnien zahlt seinen Olympiasiegern 60.000 Euro, genauso wie Slowenien. Und Griechenland! Ich weiß nicht, wie sie das machen, aber die Griechen zahlen 150.000 Euro für einen Olympiasieg."

Wenn ein Sportler nicht von seinen Prämien leben kann, dann braucht er andere, die ihn unterstützen - und diese Sponsoren finanzieren nicht nur Erfolg, sie brauchen eine Marke. Freilich ist Harting ein charismatischer Typ, er ist der beste deutsche Leichtathlet derzeit - aber er ist bisweilen ein wenig zu martialisch, zu forsch, zu aggressiv. Manche Firma tut sich schwer mit einem, der einen Diskus nicht nur weit, sondern Menschen an den Kopf schleudern will.

"Ich habe meine Leistung gebracht, den Rest müsst ihr jetzt erledigen", sagte Harting bei der Pressekonferenz. In diesem Moment wird klar: Da oben auf der Bühne im Pressesaal des Olympiastadions saß einer, der anerkannt werden möchte für das, was er aus seinem Leben gemacht hat.

In dieser Nacht aber ging es auch darum, zu feiern. Denn "ein guter Sportler hat natürlich auch ein gutes Nachtleben". Als er das Stadion verließ, rief er seinen Freunden zu: "Wir sehen uns auf der MS!" Die MS, das ist das Schiff, das im Hafen auf deutsche Olympiasieger wartet. Ein guter Bootsfahrer ist er also auch noch, dieser Robert Harting.

Doch die Feier nach dem glücklichen Abend endete im Pech: Während seiner Party auf dem Kreuzfahrtschiff wurde Harting bestohlen. "Alle Akkreditierungen und Ausrüstung wurden mir geklaut", sagte er am Morgen danach der Bild-Zeitung. "Ich hatte sie abgelegt, als ich mich den Gästen gewidmet habe. Danach bin ich nicht mehr ins olympische Dorf gekommen. Ich habe nur eine Stunde in der Bahn auf dem Stuhl geschlafen." Auch seine Schuhe sind weg. Und das Trikot, das er aus Freude zerrissen hatte.