Dirk Nowitzki Mit 40 Jahren auf in die 21. NBA-Saison

Nach seiner Fuß-Operation steht Dirk Nowitzki wieder auf dem Feld.

(Foto: AFP)
  • Mit seinem Einsatz gegen die Phoenix Suns am vergangenen Donnerstag spielt Dirk Nowitzki offiziell seine 21. NBA-Saison.
  • Nach einer Fuß-Operation und einer langwierigen Reha geht er nun mit 40 Jahren in die Spielzeit der amerikanischen Basketball-Liga.
  • 1998 kam er nur durch einen Tausch zu den Dallas Mavericks - die Milwaukee Bucks wollten ihn nicht.
Von Joachim Mölter

Für Dirk Nowitzki war es nur ein kleiner Schritt auf das Spielfeld, als er am Donnerstagabend in der Partie seiner Dallas Mavericks gegen die Phoenix Suns (89:99) eingewechselt wurde, nach achteinhalb Minuten, beim Stand von 19:18. Zugleich war es aber auch ein riesiger Sprung in die Geschichtsbücher der amerikanischen Basketball-Profiliga NBA. Denn nach langwieriger Reha wegen einer im April erfolgten Fußoperation startete der 40 Jahre alte Würzburger damit offiziell in seine 21. NBA-Saison - mehr hat noch keiner geschafft. Vor allem hat keiner die ganze Zeit bei einem einzigen Klub verbracht.

Dabei ist Dirk Nowitzki ursprünglich gar nicht von den Dallas Mavericks ausgewählt worden. Bei der Talentbörse im Juni 1998 griffen die Milwaukee Bucks zu, als sie als neunter Klub an der Reihe waren, und sicherten sich die Transferrechte an dem schmächtigen Deutschen. In völliger Verkennung des Talents, das sie da besaßen, stimmten die Bucks noch am selben Tag einem Tausch zu: Sie gaben Nowitzki nach Dallas ab, im Gegenzug für Robert Traylor, der aufgrund seines bulligen Körpers und seiner Kraft "Traktor" genannt wurde. Während Dallas' damaliger Talentscout Donnie Nelson befördert wurde und heute als General Manager für den Klub arbeitet, wurde Bucks-Manager Bob Weinhauer ein Jahr später entlassen; er bekam nie wieder einen Job in der Basketball-Branche. Auch Traylor hielt sich nicht lange in der Liga, er kämpfte mit Übergewicht und einem Herz, das zu schwach war. Bereits 2005 unterzog er sich einer Gefäßoperation, im Mai 2011 blieb sein Herz stehen, als er gerade bei einem Klub in Puerto Rico gelandet war. Traylor wurde 34 Jahre alt.

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1998 war Bill Clinton noch Präsident in den USA und Helmut Kohl noch Kanzler in Deutschland, zumindest bis zum Herbst. Die Chrysler Corporation und die Daimler-Benz AG fusionierten, Apple brachte den ersten iMac auf den Markt, Nokia das Handymodell 5110. Der 1. FC Kaiserslautern gewann als erster Bundesliga-Aufsteiger die deutsche Fußballmeisterschaft, bezahlt wurde hierzulande noch mit D-Mark, und zur Orchidee des Jahres wurde der Sumpf-Stendelwurz gekürt. So lange ist es schon her, dass Dirk Nowitzki in die USA ging. So vieles ist fast schon vergessen.

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Zu Beginn seiner Karriere ist der lange Blonde aus Würzburg häufig mit Larry Bird verglichen worden, dem langen Blonden aus French Lick im US-Bundesstaat Indiana, der in den Achtzigerjahren mit den Boston Celtics dreimal die Meisterschaft gewann, der dreimal zum wertvollsten Spieler der NBA gewählt wurde und zudem zweimal zum besten Mann der Finalserie. Nowitzki waren die Vergleiche mit dem legendären Larry unangenehm. "Wenn ich nur ein Drittel von dem erreiche, was Bird erreicht hat, habe ich eine große Karriere gehabt", sagte er. Nowitzki war einmal der wertvollste Spieler der Liga (2007), er gewann mit den Mavericks einmal die Meisterschaft und bei der Gelegenheit auch einmal die Auszeichnung als bester Akteur des Finales (2011). Er hat eine große Karriere, zweifellos. Immer noch.

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Mit Auszeichnungen würdigt man Nowitzkis Karriereleistung ja nur unzureichend. Donnie Nelson wies nach dem Titelgewinn 2011 darauf hin: "Dirk ist der erste Anführer einer Meistermannschaft, der das Spiel nicht in den USA gelernt hat" - dort also, wo es erfunden wurde. Nowitzki war vier Jahre zuvor schon der erste MVP gewesen, der Most Valuable Player, der nicht das amerikanische Ausbildungsprogramm absolviert hatte.

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Dafür hat Nowitzki das Institut für angewandten Unfug durchlaufen. So hat der frühere Nationalspieler Holger Geschwindner das von ihm eigens für Nowitzki entwickelte Trainingsprogramm selbstironisch genannt, weil ihm einst von Experten vorgeworfen wurde, er treibe bloß Unfug mit dem Bub, nachdem er ihn in einer Schulturnhalle in Unterfranken entdeckt hatte. Was Geschwindner erkannt und gefördert hat, war, dass dieser Schlaks für seine 2,13 Meter äußerst beweglich und zudem aus der Distanz treffsicher war.

Das hatten selbst die Amerikaner so noch nicht gesehen, bis Don Nelson als Trainer mithilfe seines Sohnes Donnie den jungen Deutschen nach Dallas lotste. Stellten ihm die Amerikaner einen großen Verteidiger in den Weg, umkurvte Nowitzki diesen auf dem Weg zum Korb; versuchten sie es mit einem kleineren, wendigeren Mann, warf er über ihn drüber. Als Geschwindner seinem Schüler später noch den sogenannten Flamingo Shot beibrachte - einen Wurf im Rückwärtsfallen, nach einbeinigem Absprung -, war Nowitzki gar nicht mehr zu stoppen. Selbst die Größten der Branche wie LeBron James oder Kevin Durant kopierten den Wurf. So hat Nowitzki das Anforderungsprofil für Flügelspieler nachhaltig verändert.

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Für manche Höchstmarken muss man nur lange genug bei der Sache bleiben, aber auch das ist eine Leistung. Man muss auf seinen Körper achten, ihn pflegen, um von Verletzungen verschont zu bleiben. Nowitzki ist das erstaunlich gut gelungen, nur wenige NBA-Profis haben so viele Spiele absolviert wie er, nur wenige waren dabei so lang im Einsatz.

Was zudem erstaunlich ist bei einer so langen Karriere: dass sie fast vollkommen skandalfrei abgelaufen ist. Dass man kaum jemanden findet, der ein schlechtes Wort über Dirk Nowitzki sagt, dass selbst Athleten aus anderen Sportarten zu ihm aufschauen, nicht nur wegen seiner Körpergröße. Der frühere Handball-Nationalspieler Stefan Kretzschmar zum Beispiel sagt über den ehemaligen Nachwuchs-Handballer, der Nowitzki ja auch mal war: "Dirk Nowitzki widerspricht völlig dem, was wir als Persönlichkeiten definieren - Schlagzeilen zu provozieren, anders zu sein. Er ist überhaupt nicht über Schlagzeilen gekommen. Nowitzki ist ein Vorzeigesportler, der sympathischste Typ, den ich je kennengelernt habe, einer der größten Stars, die es in Deutschland jemals gegeben hat. Aber mit einer rein tadellosen sportlichen Leistung und einem rein sympathischen Auftreten."

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