bedeckt München 26°

DFB-Skandal:Anwälte verteidigen 5,5-Millionen-Zahlung an Beckenbauer

Der Vorwurf, Beckenbauer habe die Öffentlichkeit getäuscht, sei falsch. DFB-Präsident Grindel verurteilt den Vorgang rund um die WM 2006 scharf.

Die Anwälte von Franz Beckenbauer haben die 5,5 Millionen Euro an den 71-Jährigen vom Deutschen Fußball-Bund aus ihrer Sicht verteidigt. Die Juristen schrieben in einer Stellungnahme am Mittwoch, dass die Behauptungen, Beckenbauer habe das Geld für die WM 2006 oder für ein Ehrenamt erhalten, falsch seien. Beckenbauer habe die Einnahmen aus seinen werblichen Aktivitäten für den von ihm damals beworbenen nationalen WM-Sponsor (Oddset) auch "unverzüglich an seinem Wohnsitz in Österreich ordnungsgemäß versteuert", hieß es in dem Statement der Kanzlei Nesselhauf.

Am Dienstag hatten Medien berichtet, dass der damalige Chef des Organisationskomitees der WM 2006 den Betrag aus dem für die WM-Organisation gedachten Sponsorengeld erhalten habe. Versteuert wurde die Zahlung durch den DFB vier Jahre nach der WM. Beckenbauer soll die Schuld im März 2011 beglichen haben. Laut Beckenbauer-Juristen handelte es sich um eine Abzugsteuer, die nach einer Betriebsprüfung 2010 vom DFB gezahlt wurde. Diese werde fällig, wenn "Zahlungen an einen Steuerausländer geleistet werden". Beckenbauer habe das Geld nach Kenntnis der Betriebsprüfung "unverzüglich" erstattet.

Auf die am Mittwoch von DFB-Präsident Reinhard Grindel geäußerte Kritik reagierten Beckenbauers Anwälte ebenfalls. Die Behauptung, dass Beckenbauer die Öffentlichkeit getäuscht habe, treffe nicht zu, meinten sie.

Grindels scharfe Kritik

Grindel hatte seine Vorgänger an der Spitze des Verbands scharf kritisiert. "Für mich ist dieser ärgerliche Vorgang ein neuerlicher Beleg, dass das Organisationskomitee der WM 2006 auf Abschottung gesetzt hat, dass dort keine Transparenz geherrscht hat und die Öffentlichkeit in Teilen auch getäuscht worden ist", sagte Grindel am Mittwoch in Athen: "Das verurteile ich."

Grindel weiter: "Es war bekannt, dass Franz Beckenbauer im Umfeld der WM 2006 als Werbeträger für Oddset tätig war. Es war uns bis Montagnachmittag nicht bekannt, dass er dafür die beachtliche Summe von 5,5 Millionen aus dem Topf für die Organisation der WM 2006 erhalten hat", sagte Grindel. Man könne "vor diesem Hintergrund sicher nicht davon sprechen, dass seine Tätigkeit im OK ehrenamtlich war. Für mich ist völlig unverständlich, warum die Mitglieder des damaligen Organisationskomitees diese These über einen so langen Zeitraum vertreten haben."

Der DFB war bereits im Zuge der Ermittlungen der Kanzlei Freshfields über den Oddset-Vertrag informiert worden. Der DFB-Führung war dies aber damals erst einmal nur ein Beweis dafür, dass die 6,7 Millionen, die im Zentrum des WM-Skandals stehen, nicht an Beckenbauer geflossen sind. Zumal nicht bekannt war, dass Beckenbauer über den DFB und nicht von Oddset direkt bezahlt worden war. Freshfields hatte die Zahlung im Bericht nicht beanstandet.

Die früheren DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach hatten sich in der Vergangenheit nicht zu den Beckenbauer-Millionen geäußert. Auch Beckenbauer ließ bislang nur seine Anwälte sprechen.