bedeckt München
vgwortpixel

DFB: Schiedsrichter-Affäre:"Jetzt wird geklagt"

Mit der Affäre Amerell/Kempter beschäftigt sich nun auch die Staatsanwaltschaft. Während die Parteien die Konfrontation verschärfen, gerät DFB-Chef Theo Zwanziger immer mehr unter Druck.

Der Freitag begann mit einem Schock für die Rechtsanwälte der Kanzlei Paproth, Metzler und Partner in der Münchner Innenstadt: In der Nacht gab es einen Einbruchsversuch in ihrer Kanzlei. "Es gibt hier zwei Türen", sagte Lutz Paproth der SZ, "die erste wurde geknackt, die zweite schafften sie nicht. Uns fehlt nichts. Es war kein sehr professioneller Versuch, mit dem Brecheisen hier reinzukommen."

Die Spurensicherung war am Freitagmorgen am Werk, gesichert, sagt Paproth, sei bisher, dass der Einbruchsversuch nach zwei Uhr morgens stattgefunden haben müsse. "Gegen halb zwei Uhr nachts war Kollege Jürgen Langer nochmal im Büro, um Akten für einen Fall am Freitag zu holen." Auf die Eindringlinge und ihre möglichen Motive gebe es derzeit keinerlei Hinweise.

Turbulent war es für Paproth, Langer und Kollegen auch am Vortag beim Münchner Landgericht zugegangen, wo sie einen ,,wichtigen Etappensieg'' (Langer) für ihren Mandanten Manfred Amerell in der Schiedsrichter-Affäre gegen den Deutschen Fußball-Bund errungen hatten. Nach einem Verhandlungsmarathon - nicht im von den Medien belagerten Gerichtssaal, sondern einige Türen weiter im Richterzimmer - hatte es Langer geschafft, dem DFB per Vergleich das abzuringen, was das eigentliche Ziel seines Unterlassungsantrages war (den er im Gegenzug zurückzog): Die DFB-Vertreter mussten Amerell die Identität und die Eidesversicherungen ihrer fünf Zeugen präsentieren, die den 63-Jährigen sexueller Übergriffe bezichtigen.

Während der DFB nach dem Vergleich per Pressetext von Erfolg redete - Amerell sei verpflichtet, "die Namen der Schiedsrichter nicht an Dritte weiterzugeben" - kündigte dieser an, das sehr wohl zu tun, über den Umweg von Prozessen, in deren Verlauf die Beklagten ja automatisch bekannt werden würden. Amerell sagt: "Vor Gericht ist das Wort des DFB gebrochen - wo ist dann der versprochene Schutz für die jungen Leute?" Der DFB hatte seinen Zeugen die Wahrung der Anonymität zugesichert.

Nach kurzer Sichtung der Eidesversicherungen, so Amerell, sehe er ,,der Sache sehr gelassen entgegen. In dem Punkt hat der DFB recht, die Aussagen sind so ähnlich, wie wenn ein Chor beim Singen unterwegs gewesen wäre''. Hingegen teilte der DFB inzwischen mit, er werde die Akte Amerell an die Staatsanwaltschaft Augsburg geben. Die solle sich ,,ein umfassendes Bild machen, nachdem Amerell bereits von sich aus angekündigt hat, rechtliche Schritte gegen die betroffenen Schiedsrichter einzuleiten''.

Während sich die Affäre beim DFB in alle Richtungen ausweitet, will Amerell ab Montag mit der anwaltlichen Prüfung der Eidesversicherungen beginnen. "Danach wird geklagt", sagte Amerell, "als Erster ist Michael Kempter dran." Bundesliga-Schiedsrichter Kempter ist der Kronzeuge des DFB gegen Amerell.

Verbandschef Theo Zwanziger hat sich früh auf die Seite des 27-Jährigen gestellt, der die Affäre Mitte Dezember mit einer Anzeige bei Schiedsrichterchef Volker Roth losgetreten hatte. Als Zwanziger die Affäre verbandsintern aufgriff, präsentierte ihm Amerell in Gegenwart von Generalsekretär Wolfgang Niersbach und DFB-Personalchef Stefan Hans eine zwei Wochen alte SMS Kempters, in der eine sehr vertraute Tonart gepflegt wird. Amerell sagt heute, er habe den DFB-Spitzen weitere Andeutungen gegeben, dass eine innige Beziehung zu Kempter bestehe.