DFB-Pokal:Leverkusen scheitert am KSC

Bayer 04 Leverkusen - Karlsruher SC

Karlsruhes Jerome Gondorf (l-r), Torschütze Lucas Cueto und Philipp Hofmann jubeln nach dem Tor zum 1:0.

(Foto: David Inderlied/dpa)

Nach der Klatsche gegen Bayern muss Bayer 04 die nächste große Enttäuschung der Saison hinnehmen. Union und St. Pauli siegen nach Verlängerung, Bochum im Elfmeterschießen, Köln bejubelt einen Stürmer.

Bayer Leverkusen ist innerhalb von nur elf Tagen in eine erste sportliche Krise gerutscht und spielt nur noch in zwei von drei Wettbewerben. Der Fußball-Bundesligist schied auch wegen eines dicken Patzers von Torhüter Lukas Hradecky durch ein 1:2 (0:1) im Zweitrunden-Duell des DFB-Pokals überraschend gegen Zweitligist Karlsruher SC aus. Bayer wartet nach einem überzeugenden Saisonstart seit vier Spielen auf einen Sieg.

"Die Enttäuschung ist natürlich sehr groß. Das ist schwierig zu verarbeiten", sagte Bayer-Verteidiger Jonathan Tah: "Wir waren nicht effizient genug vorne." Hradecky wollte Tah ausdrücklich keine Vorwürfe machen: "Er hat in genug Spielen gezeigt, dass er ein enorm wichtiger Spieler für uns ist. Fehler darf jeder machen."

Lucas Cueto (4.) schockte Bayer vor 13.060 Zuschauern mit einem Abstauber früh. Jeremie Frimpong (54.) glich für Leverkusen aus. Nach einem Blackout von Kapitän Hradecky ließ Kyoung-rok Choi (63.) den KSC nach zuletzt fünf Pokal-Niederlagen gegen Erstligisten wieder jubeln.

Seoane rotierte gleich auf sechs Positionen, vor allem in der Offensive unfreiwillig. Die Stürmer Lucas Alario (muskuläre Probleme) und Patrik Schick (Bänderriss im Sprunggelenk) sowie Mittelfeldspieler Karim Bellarabi (Muskelfaserriss im Oberschenkel) fehlten verletzt nach dem 2:2 am Sonntag im Derby in Köln. Aufgrund der personellen Engpässe stand das erst 16 Jahre alte Talent Iker Bravo im Kader der Werkself.

Der unerklärlich schwachen zweiten Halbzeit in Köln, in der Leverkusen eine 2:0-Führung leichtfertig verspielt hatte, folgte prompt der nächste Nackenschlag für die Rheinländer. Hradecky ließ einen abgefälschten Kopfball von Philipp Hofmann nach vorne abprallen, Cueto netzte ein. Leverkusen zeigte eine Reaktion und hatte den Ausgleich zweimal auf dem Fuß. Moussa Diaby (10.) und Amine Adli (12.) verzogen hauchzart völlig freistehend. Bayer drückte weiter gegen einen sehr tief gestaffelten KSC. Auch Nadiem Amiri legte eine Direktabnahme neben das Tor (19.). Karlsruhe lauerte auf Konter, die sie immer wieder bekamen. Zur Beunruhigung der Bayer-Fans, die ihre Werkself in ideenlosen Momenten im Spielaufbau früh mit Pfiffen bedachten. Diese wären noch lauter geworden, wenn Hofmanns artistischer Seitfallzieher nicht von Edmond Tapsoba abgefälscht worden wäre (29.).

Nach der Pause verhinderte Hradecky mit seiner Parade gegen einen scharf getretenen Freistoß von Marvin Wanitzek das 0:2 (47.). Augenblicke später nahm Diaby den in der Halbzeit in der BayArena gespielten Song "Probier's mal mit Gemütlichkeit" zu wörtlich und ließ sich im Konter von KSC-Kapitän Jerome Gondorf völlig unnötig ablaufen. Frimpong machte es nach schöner Rücklage des auffälligen Adli deutlich besser. Dann patzte Hradecky aber erneut und spielte Choi bei einem missglückten Aufbaupass den Ball fahrlässig in die Füße. Leverkusen wollte in der Folge unbedingt die Verlängerung erzwingen, die größte Chance zum Ausgleich vergab Bravo (78.) eine Minute nach seiner Einwechslung.

Modeste ist erneut Kölns Matchwinner

Torjäger Anthony Modeste hat als Joker ein lange tristes Bundesliga-Duell entschieden und den 1. FC Köln ins Achtelfinale geschossen. Mit einem Doppelpack (72./77.) binnen fünf Minuten erlöste der eingewechselte Stürmer seinen FC und sorgte für den 2:0 (0:0)-Erfolg beim VfB Stuttgart. Nur etwa 30 Sekunden nach seiner Einwechslung erfrischte Modeste mit seiner ersten Aktion ein zähes Zweitrundenspiel, als er nach einem abgewehrten Schuss von VfB-Torhüter Fabian Bredlow abstaubte. Kurz darauf hämmerte der 33-Jährige vor 26 375 Zuschauern den Ball aus kurzer Distanz zur Entscheidung unter die Latte.

St. Pauli bezwingt Dresden in der Verlängerung

Der FC St. Pauli ist erstmals seit 16 Jahren ins Achtelfinale des DFB-Pokals eingezogen. Der Zweitliga-Spitzenreiter gewann bei Dynamo Dresden mit 3:2 (2:2, 0:0) nach Verlängerung und setzte damit seinen Höhenflug fort. Leart Paqarada (62.), Max Dittgen (71.) und Christopher Buchtmann (101.) erzielten die Treffer der Gäste. Christoph Daferner (66.) und Philipp Ziereis (73., Eigentor) glichen für Dynamo zwischenzeitlich aus. Dresden hatte letztmals in der Saison 2014/15 in der Runde der letzten 16 gestanden.

Waldhof liefert Union einen großen Kampf

Mit viel Mühe und dank des starken Taiwo Awoniyi ist der 1. FC Union Berlin ins Achtelfinale des DFB-Pokals eingezogen. Der Conference-League-Teilnehmer gewann in der zweiten Runde beim Fußball-Drittligisten SV Waldhof Mannheim am Mittwoch mit 3:1 (1:1, 1:1) nach Verlängerung. Awoniyi erlöste den Bundesligisten mit seinem Joker-Tor in der 94. Minute. Kevin Behrens, der vor 14 651 Zuschauern schon nach 18 Minuten in der regulären Spielzeit Mannheims Führung durch Alexander Rossipal (4.) ausgeglichen hatte, setzte in der 117. den Schlusspunkt für die Berliner. Für Union geht es im Pokal am 18. oder 19. Januar weiter. Der SV Waldhof, der in der ersten Runde Eintracht Frankfurt besiegt hatte, verpasste knapp den nächsten Coup.

Nur wenige Stunden vor der Partie hatten sich die Mannheimer von ihrem Sportlichen Leiter Jochen Kientz getrennt. Gründe dafür nannten sie nicht. Es sei "alleine die Entscheidung des Aufsichtsrates" gewesen und "nicht die des Geschäftsführers", hieß es in einer Mitteilung. Das Verhältnis zwischen Kientz und Geschäftsführer Markus Kompp gilt schon lange als zerrüttet. "Es gab einen Vorfall", sagte SVW-Präsident Bernd Beetz bei Sky. Auf die Frage, ob Kientz' Aus mit den jüngsten Corona-Fällen im Team zu tun habe, sagte er: "Es hat damit etwas zu tun. Ich möchte nicht weiter auf Details eingehen."

Bochum gewinnt im Elfmeterschießen

Bundesliga-Rückkehrer VfL Bochum hat seinen Aufwärtstrend dank Manuel Riemann auch im DFB-Pokal fortgesetzt. Nach zwei Punktspielsiegen in gut einer Woche zogen die Westfalen durch ein 5:4 im Nervenkrimi vom Punkt gegen den kriselnden Ligakonkurrenten FC Augsburg ins Achtelfinale ein. Der erst in der 119. Minute eingewechselte Torhüter Riemann verwandelte den entscheidenden Elfmeter, zuvor hatte der Augsburger Arne Maier über das Tor geschossen. Nach der regulären Spielzeit und der Verlängerung stand es 2:2 (2:2, 1:0). Die Schwaben, in der Bundesliga nach nur einem Dreier in den ersten neun Partien auf dem Relegationsplatz, kamen zum sechsten Mal in den vergangenen acht Jahren nicht über die zweite Runde hinaus.

Jahn Regensburg hat trotz einer Aufholjagd den Einzug ins Achtelfinale verpasst. Im Liga-internen Duell mit Hansa Rostock verlor das seit sechs Spielen ungeschlagene Überraschungsteam im Elfmeterschießen mit 2:4. Nach 120 Minuten stand es 3:3 (2:2, 0:1). Aufsteiger Rostock steht damit nach 13 Jahren wieder einmal in der Runde der besten 16 Teams. In einer vor allem von schlechten Sichtverhältnissen durch den starken Nebel geprägten Partie trafen Julian Riedel (9.), Streli Mamba (56.) und Pascal Breier (120.+1) für Hansa. Sarpreet Singh (71.) und Joel Zwarts (90.+1) hatten die Gastgeber vor 7360 Zuschauern in die Verlängerung gerettet.

In dieser sorgte Steve Breitkreuz (101.) für die Führung, doch Breier schlug spät zurück. Obwohl Regensburg den besseren Start in die Partie erwischte, machte Rostock das Tor. Mamba verlängerte eine Ecke von Kevin Schumacher auf Riedel, der aus kurzer Distanz einschob. Danach blieben die Offensivbemühungen des Jahn meist harmlos, die Partie verlor an Tempo. Nach dem zweiten Gegentreffer wuchs der Druck auf das Tor von Hansa-Keeper Markus Kolke minütlich.

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