bedeckt München 20°

DFB-Pokal gegen Gladbach:Frankfurt gönnt sich Millionen-Träume

Niko Kovac

Frankfurts Trainer Niko Kovac (Archivbild).

(Foto: dpa)
  • Im Halbfinale des DFB-Pokals trifft Eintracht Frankfurt am Dienstagabend auf Borussia Mönchengladbach.
  • Frankfurt will unbedingt gewinnen, um sich für die Europa League zu qualifizieren.
  • Beim letzten Mal war die Qualifikation für Europa sehr lukrativ.

Von Tobias Schächter, Frankfurt

Angst vor Pathos hat Niko Kovac auch vor dem Pokal-Halbfinale seiner Frankfurter Eintracht an diesem Dienstag in Mönchengladbach nicht. "Geschichte" könne seine Mannschaft mit dem Einzug ins Finale schreiben, sagt der Trainer und erklärt etwas ungelenk: "Die ganze Republik schaut auf uns. Denn wir sind ein Live-Spiel." Erstmals seit 2006 kann die Eintracht das Finale erreichen, damals hieß der Trainer Friedhelm Funkel. Der wurde im Endspiel auf die Tribüne verwiesen, die Münchner Bayern gewannen unter Felix Magath durch ein Tor von Claudio Pizarro 1:0. Der Verdrängungswettbewerb in der Liga hat seitdem stark zugenommen.

Die Eintracht, sagt ihr Marketing-Vorstand Axel Hellmann, sei ein Klub des "Mittelstands". Der Jurist nennt die Möglichkeit, das Finale zu erreichen, eine große Chance, "zur Weiterentwicklung des Sportetats". Bislang generierte der Klub 4,5 Millionen Euro Gewinn aus dem Pokal-Wettbewerb, die Finalteilnahme würde noch mal mindestens fünf Millionen bringen.

In der nächsten Saison soll der Spieleretat in Frankfurt erstmals die 40 Millionen Euro überschreiten. Zu wachsen wird für Mittelständler wie die Eintracht immer schwieriger. Großklubs wie Bayern oder Dortmund absorbieren Aufmerksamkeit und ziehen dank regelmäßiger Champions-League-Teilnahmen finanziell davon. Und Mäzenaten-Klubs wie Leipzig oder Hoffenheim drohen durch die Champions-League-Teilnahme sogenannte Traditionsklubs wie Köln, Bremen oder eben Frankfurt ebenfalls abzuhängen.

Alles ist sehr eng in der Tabelle

Nach der letzten Europa-League-Teilnahme schloss die Eintracht die Saison 2013/14 mit dem Rekordgewinn von zehn Millionen Euro ab. Die Eintracht-Macher um die Vorstände Hellmann und Fredi Bobic drehen derzeit viele Schrauben: Ein neues Klubzentrum soll entstehen, die Internationalisierung wird vorangetrieben. Um die Mannschaft weiterzuentwickeln, wäre kurzfristig die Europapokal-Teilnahme viel wert. Die Aussicht auf europäische Spiele könnte helfen, Torwart Lukas Hradecky zur Vertragsverlängerung zu bewegen.

Im Pokal und in der Liga hat die Eintracht noch zwei Gelegenheiten, sich den europäischen Traum zu erfüllen. Betrachtet man die nackten Zahlen, ist die Saison ein Erfolg. Im vorigen Jahr rettete Kovac Frankfurts Klassenverbleib nur über die Relegation. Mit dem 3:1 gegen Augsburg übertraf die Elf nun das Saisonziel 40 Punkte, das Pokal-Halbfinale ist quasi Zugabe. Dennoch hätte die Stimmung nach der unerwartet guten Vorrunde mit 29 Punkten am Samstag gegen Augsburg kippen können. Nur sieben Tore gelangen der Eintracht bis dato in der Rückrunde, in den letzten zehn Spielen sammelte die Elf nur drei Zähler.

Acht Ausfälle bei Gladbach

Borussia Mönchengladbach muss im Pokal-Halbfinale gegen Frankfurt auf acht Spieler verzichten. Neben Christoph Kramer (Innenband-Teilriss), Raffael (Innenbanddehnung), Thorgan Hazard (Knieprobleme), Tony Jantschke (Muskelfaserriss im Oberschenkel), Fabian Johnson (Muskelfaserriss), Marvin Schulz (Aufbautraining) und Mamadou Doucouré (Oberschenkel) fehlt auch noch Stürmer Josip Drmic wegen einer Knieverletzung. dpa

Erst der Kraftakt gegen Augsburg mit drei Toren in der Schlussphase bannte die Angst vor einer neuerlichen Relegation. Warum die Elf in der Rückrunde Spielfreude und Siegermentalität verlor, will Niko Kovac erst nach der Saison analysieren. Derzeit begnügt er sich mit der Erklärung, in der Vorrunde habe man Spiele knapp gewonnen, in der Rückrunde knapp verloren. Alles sei sehr eng, viele Mannschaften, die mehr Geld hätten, stünden hinter Frankfurt. Umso bitterer, wie die Mannschaft zuletzt die Chance verdaddelte, sich einen Europapokalplatz zu sichern.

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite