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BVB im DFB-Pokal:Fast jeder Schuss ein Treffer

Marco Reus (links) und Thorgan Hazard feiern: Sie stehen im Pokalfinale.

(Foto: Ina Fassbender/AFP)

Erbarmungslos spielfreudige Dortmunder gewinnen 5:0 gegen Holstein Kiel und ziehen ins DFB-Pokalfinale ein. Die offenbar schwere Verletzung von Mateu Morey trübt aber die Stimmung.

Von Ulrich Hartmann

Die Primetime am Samstagabend ist bekanntlich nicht der Spannung vorbehalten, sondern der Unterhaltung. Es darf sich also niemand beschweren, dass das DFB-Pokal-Halbfinale zwischen Borussia Dortmund und Holstein Kiel kein bisschen spannend war, aber trotzdem ziemlich unterhaltsam.

Der westfälische Champions-League-Viertelfinalist zeigte gegen die quarantäne-geplagten Zweitliga-Fußballer aus dem hohen Norden eine erbarmungslose Spielfreude. Giovanni Reyna (2), Marco Reus, Thorgan Hazard und Jude Bellingham schossen die Treffer zum 5:0-Sieg - alle in der ersten Halbzeit. Sein zehntes Pokalfinale bestreitet der BVB am Christi-Himmelfahrts-Donnerstag, 13. Mai, im leeren Berliner Olympiastadion gegen RB Leipzig. "Wir waren vor dem Tor sehr konsequent. Fast jeder Schuss war ein Treffer. Wir sind sehr froh, dass wir ins Finale eingezogen sind", sagte Reus in der ARD.

Den hohen Sieg landeten die Dortmunder sogar ohne ihren Wunderstürmer Erling Haaland. Er litt an muskulären Problemen, machte auf der Tribüne angesichts der vielen Dortmunder Treffer aber einen solch vergnügten Eindruck, dass ihm ständig die Maske von der Nase rutschte. "Wir hoffen, es ist bei ihm nichts Schlimmes", sagte der Sportdirektor Michael Zorc. Im Dezember hatte Haaland wegen eines Muskelfaserrisses sieben Pflichtspiele aussetzen müssen.

20 Minuten vor Schluss verletzt sich Dortmunds Mateu Morey offenbar schwer

Haaland ist zwar normalerweise für einen Großteil der Dortmunder Tore verantwortlich, aber die Mannschaft besitzt auch ohne ihn eine enorme Qualität. Hazard und Reus wechselten sich in der Rolle des zentralen Stürmers ab. Das Tor zur frühen 1:0-Führung nach einer Viertelstunde entpuppte sich als Joint Venture der Flügelstürmer. Jadon Sancho legte Reyna auf, der ins rechte Ecke schlenzte. Unter Berücksichtigung der Kieler Zweitrunden-Sensation gegen Bayern München und der Dortmunder Achtelfinal-Probleme daheim gegen den Zweitligisten Paderborn hatten sich neutrale Pokalfans auch für diese Partie Spannung erhofft. Allerdings waren die Dortmunder dazu zu aufgedreht und die Kieler zu früh demoralisiert. Durch die weiteren Treffer von Reyna (23.), Reus (26.), Hazard (32.) und Bellingham (42.) stand es zur Pause schon 5:0.

Kiel war in der DFB-Pokal-Geschichte der 39. Zweitligist, der es ins Halbfinal geschafft hatte, aber er ist jetzt nicht der elfte Zweitligist geworden, der es auch noch ins Finale packt. Damit bleibt die historische Zahl der Zweitligisten im Endspiel bei zehn. Der bislang letzte Zweitligist im Endspiel war der MSV Duisburg, der vor zehn Jahren 0:5 gegen Schalke 04 verlor.

Man muss sich jetzt tatsächlich ein bisschen sorgen um diese Kieler. Sechs Zweitliga-Spiele haben sie in den nächsten 22 Tagen zu absolvieren. Wenn man es positiv sehen will, dann haben die Dortmunder sie umsichtig bloß davor bewahrt, binnen dieser 22 Tage mit dem DFB-Pokalfinale am 13. Mai auch noch ein siebtes Spiel absolvieren zu müssen. Diese freundliche Einmischung freilich geschah gegen den Willen der Kieler. Sie wären nur zu gern erstmals in der Klubgeschichte ins Pokalfinale eingezogen. Dieses ganz besondere siebte Spiel binnen 22 Tagen hätte ihnen viel bedeutet, und wenn sie nach dem Abpfiff in Dortmund auch bitter enttäuscht waren, so können sie sich nun doch auf jene sechs Ligaspiele konzentrieren, die ihnen den Weg in die Bundesliga weisen sollen. Sieben Punkte Rückstand auf einen direkten Aufstiegsplatz bei noch drei Spielen weniger bedeuten, dass die Kieler im strapaziösen Restprogramm bis zum 23. Mai nicht allzu viel liegen lassen dürfen.

Bei der Demontage für die Kieler schauten Millionen von Menschen im ersten Programm live zu

In Dortmund am Samstag war beim 0:5 nach den ersten 45 Minuten nichts mehr zu reißen. Die beiden Aufgaben der letzten 45 Minuten lauteten: Schadensbegrenzung bei gleichzeitiger Kräfteschonung. Am Dienstag empfangen die Kieler Sandhausen, am Freitag St. Pauli und übernächsten Montag Hannover. Gegen die Bedeutung dieser drei Spiele fiel die zweite Halbzeit in Dortmund ab. Einziges Problem war, dass bei der Demontage Millionen von Menschen im ersten Programm live zuschauten. Aber waren es nach der Pause wohl überhaupt noch Millionen? Die, die drangeblieben waren, bekamen zu sehen, wie die Dortmunder deutlich moderater agierten und die Kieler sogar zu gelegentlichen Chancen kamen. Tore fielen keine mehr.

Dramatischerweise zog sich Dortmunds eingewechselter Abwehrspieler Mateu Morey 20 Minuten vor Schluss ohne gegnerische Einwirkung möglicherweise eine kapitale Bänderverletzung zu. Der Spanier musste vom Platz getragen werden, fasste sich in die Kniekehle und machte einen schockierten Eindruck. "Wir freuen uns schon, dass wir nach Berlin fahren. Aber es hält sich in Grenzen. Das tut uns weh. Wir werden ihn unterstützen", sagte Nationalspieler Emre Can in der ARD. "Bis zur 75. Minute war es ein perfekter Abend", sagte auch BVB-Trainer Edin Terzic.

Haaland hatte aus geringfügigeren Gründen nicht mitspielen können. Und in der spanischen Zeitung AS hat sein umtriebiger Berater Mino Raiola am Samstag den Druck auf den BVB mal wieder erhöht. Die Dortmunder sollen seiner Meinung nach Haaland im kommenden Sommer verkaufen. Der Vertrag des norwegischen Stürmers gilt bis 2024 und eine Ausstiegsklausel soll es darin erst für 2022 geben. "Borussias Position ist klar, sie wollen ihn diesen Sommer nicht verkaufen", sagte Raiola der Zeitung, "aber alle großen Klubs wollen ihn, und jetzt ist es wichtig herauszufinden, was die beste Option ist."

Während Kiel nun weiter um den Aufstieg in die erste Liga kämpft, spielen die Dortmunder um die Champions-League-Qualifikation. Auch von ihr könnte abhängen, ob Haaland wohl beim BVB bleibt. Am 13. Mai kann er mit Dortmund nun erst einmal einen Titel gewinnen. Es wäre der erste für den Klub seit dem Pokalsieg 2017.

© SZ/ebc
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