Fußball:Prüfung für den Präsidenten

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Fritz Keller und Karl-Heinz Rummenigge

Von Karl-Heinz Rummenigge (r.) bekam DFB-Präsident Fritz Keller erstmals in seiner Amtszeit heftigen Widerspruch aus der Fußball-Zunft.

(Foto: dpa)

Der Zwist mit Bayern-Boss Rummenigge hat gezeigt: DFB-Chef Fritz Keller wird künftig beweisen müssen, dass er standhaft bleibt - auch was Ermittlungen zur WM 2006 angeht.

Von Johannes Aumüller, Frankfurt

Am Dienstagmorgen hat es zwischen Frankfurt und München ein unerwartetes Telefonat gegeben. Der eine Teilnehmer des Gespräches war Fritz Keller, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), der andere war Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef des FC Bayern. Als das Gespräch vorbei war, verkündete Keller in einer Medienrunde: "Die Sache ist ausgeräumt." Vielmehr sei es jetzt so: "Ich freue mich, dass ich mit ihm einer Meinung bin."

"Die Sache", das war ein Wortwechsel der beiden Funktionäre am Wochenende gewesen. Zunächst hatte Keller die "Großkotzigkeit" mancher Fußballmillionäre angeprangert, die nun allen auf die Füße falle und eine Katastrophe fürs Image der Branche sei. Rummenigge erwiderte, er sei "irritiert" über Kellers "populistische Wortwahl" - und riet dem DFB, "mal einen Besen zu kaufen, um vor der eigenen Türe zu fegen". Am Dienstag erklärte Keller den Zwist dann für beendet und betonte stattdessen, wie sehr beiden daran gelegen sei, eine Gehaltsobergrenze einzuführen. Wie genau der DFB-Chef und sein neuer Mitstreiter aus München sich das vorstellen, führte er nicht aus. Eine konkrete Zahl nannte er auch nicht.

In diesem Konflikt bekam der seit Herbst 2019 als Präsident amtierende Keller zum ersten Mal harten Gegenwind aus der Fußball-Zunft. Wenn er aber das tun wird, was er angekündigt hat, wird er sich wohl daran gewöhnen müssen, dass auch anderen Prominenten sein Wirken und seine Worte nicht passen werden - und die entscheidende Frage ist, wie standhaft Keller sich dann gibt.

Anlässe für weitere Nachfragen

Das gilt nicht zuletzt für den Umgang des DFB mit den unaufgeklärten Millionen-Schiebereien rund um die WM 2006. Diese will der Verband im Rahmen einer Generalinventur nun von der Berliner Detektei Esecon durchleuchten lassen (SZ vom 19.5.). Das bestätigte er am Dienstag. Details dazu will er bislang nicht mitteilen.

Es ist der zweite Anlauf, den der Verband in diesem Kontext unternimmt. Die Kanzlei Freshfields kam 2015/16 nicht weit; auch die anschließenden Strafverfahren in der Schweiz und in Frankfurt brachten keine Aufklärung. Esecon ist eine Firma, die unter anderem auf das Beschaffen von Informationen spezialisiert ist. In ihrem Umfeld sind zum Beispiel hochrangige frühere Polizeiermittler zu finden. Für sie, so heißt es in Frankfurt, hätten sich unter anderem bei Zeugenbefragungen des soeben in der Schweiz ergebnislos verjährten Strafprozesses Anlässe für weitere Nachfragen ergeben.

Im Fokus stehen dabei die 6,7 Millionen Euro, die der damalige WM-Organisationschef Franz Beckenbauer 2002 als Kredit von Ex-Adidas-Boss Robert Louis-Dreyfus erhielt - und die drei Jahre später durch eine Transaktion vom DFB über die Fifa an den Franzosen zurückflossen. Aber dies ist nicht das einzige Problem, das rund um die WM 2006 zu klären ist. Und die WM 2006 ist nicht das einzige Thema, das bei einer intensiven Generalinventur zu Fragen führen könnte.

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