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Deutschland bei der Handball-WM:Sigurdsson entscheidende Einwechslung

Der neue Bundestrainer Dagur Sigurdsson ist freilich keiner, der an Omen und Glücksbringer glaubt. Für den Isländer, der sein Amt im September als Nachfolger des, nun ja, glücklosen Martin Heuberger angetreten hat, ist Glück nur das Zusammentreffen von Vorbereitung und Gelegenheit. "In der Vorbereitung haben wir gut gearbeitet", bilanzierte er, am Freitag nutzten seine Spieler dann die Gelegenheit zur Revanche gegen Polen.

Vor der Partie hatte Sigurdsson Torwart Alexander Wolff und Linksaußen Matthias Musche als letzte Spieler aus dem Aufgebot gestrichen, dafür Erik Schmidt (2,04 Meter) und Jens Schöngarth (2,03) behalten - ein deutliches Zeichen, wie er dem wurfgewaltigen Gegner beikommen wollte: mit einer schwer zu überspringenden Abwehrmauer. Ein Plan, der aufging. Gensheimer sprach jedenfalls ausdrücklich vom "guten Abwehrblock mit Torwart Carsten Lichtlein dahinter" als Basis des Erfolgs.

Dabei schien es zunächst so, als würde es so weitergehen, wie es im Juni aufgehört hatte. Aus dem Rückraum knallten die Polen den Deutschen die Bälle wuchtig ins Netz, allen voran der ehemalige Bundesliga-Profi Krzysztof Lijewski (sieben Tore). Erst nach fast zehn Minuten gelang es Torwart Silvio Heinevetter, einen Wurf abzuwehren; nach weiteren zehn Minuten, beim Stand von 10:10, reagierte Trainer Sigurdsson und schickte Lichtlein ins Tor. Damit nahm die Partie eine Wendung. Die Polen trafen weniger, die Deutschen hingegen weiterhin, vor allem Linkshänder Steffen Weinhold, der mit neun Treffern erfolgreichste Schütze der Partie.

Zur Pause führten die deutschen Handballer 17:13, "aber wir wussten, dass das nicht so weitergeht", gab der viermalige Torschütze Patrick Groetzki zu und erinnerte an die verlorenen Qualifikationsspiele gegen Polen: Auch damals hatten sie zur Halbzeit geführt, mit drei bzw. vier Toren.

Zu Beginn des zweiten Durchgangs kamen die Polen tatsächlich wieder heran, "da haben wir unseren Vorsprung schnell und leichtfertig hergegeben", sagte Kapitän Gensheimer selbstkritisch. Er selbst war bei doppelter Überzahl zweimal an Polens Keeper Piotr Wyszomirski gescheitert, erst bei einem Siebenmeter, dann frei von Außen. Anschließend gestattete die ansonsten solide Abwehr leichte Gegenstoßtore - plötzlich stand es 20:20 (42.). Erst in den letzten fünf Minuten sicherten sich die Deutschen den Erfolg. "Es war wichtig, dass wir da ruhig geblieben sind", fand Steffen Weinhold. "Wir haben gut zusammengehalten in den schwierigen Phasen", lobte Sigurdsson seine Mannschaft.

Der Isländer war gedanklich schon beim Spiel am Sonntag (17 Uhr/Sky) gegen Russland, das am Freitag 27:17 gegen Saudi-Arabien gewann. Es ist die nächste Gelegenheit, das Glück zu erzwingen.

© SZ vom 17.01.2015/ebc

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