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Goldmedaille im Kugelstoßen:Wie David Storl das Establishment überrumpelte

David Storl überrascht die Favoriten und wird mit 21 der jüngste Weltmeister der Kugelstoß-Geschichte. Seine Leistungssteigerung in Daegu ist enorm und es zeigt sich: Talentsuche ist nicht wirklich eine Frage des Systems, sondern auch des Zufalls.

Es war auf einmal so einfach, stark zu sein in der bunten, bewegten Atmosphäre des WM-Stadions von Daegu. David Storl schaute zu der kleinen deutschen Delegation auf der Tribüne, zu der auch sein Trainer Sven Lang gehörte. Die freuten sich schon alle, weil er Silber sicher hatte. Um ihn herum waren lauter geschlagene dicke Männer, und Ralf, sein Landsmann Ralf Bartels, der frühere Europameister, der als Zehnter jetzt auch zu den geschlagenen dicken Männern gehörte, - Ralf also war auch in so einer aufgeräumten Stimmung.

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Mit Geheimtipp zu Gold

Locker bleiben, sagte Ralf Bartels, und das machte David Storl dann auch. Er lächelte, als er sich auf seinen letzten Stoß vorbereitete. Er glitt durch den Ring, er drückt die Kugel vom Hals und sah, wie sie weit im Feld ins Gras fiel. 21,78 Meter. Wenig später stand er mit der Goldmedaille um den Hals auf dem Siegerpodest und sang leise die Nationalhymne mit.

Wenn man die Zeit einfrieren könnte und aufbewahren, dann sollte David Storl, 21, aus Chemnitz, der jüngste Kugelstoß-Weltmeister der Leichtathletik-Geschichte, das machen mit diesen Augenblicken des Triumphs von Daegu. Denn die kommen nicht wieder. Man ist nur einmal so jung, dass man das Establishment überrumpeln kann. David Storl kann sich von der Speerwurf-Kollegin Christina Obergföll aus Offenburg erzählen lassen, wie das ist, wenn man auf einmal wer ist und die Erwartungen kommen. Dann wird man auch mal selbst überrumpelt, wie sie, die Olympia-Dritte, am Freitag, als sie irgendwann einfach nicht mehr mithalten konnte mit der Dynamik eines fast unwirklich starken Speerwurf-Finals und Vierte wurde mit 65,24 Metern hinter der Siegerin Maria Abakumowa (Russland, 71,99), Barbora Spotakova (Tschechien, 71,58) und Sunette Viljoen (Südafrika, 68,38).

Wobei David Storls junge Karriere ja schon lange genau darauf zuläuft: dass er eines Tages das Kugelstoßen dominiert. Seit Jahren gilt er im Deutschen Leichtathletik-Verband als Jahrhunderttalent. Als Jugendlicher hat David Storl so gut wie alles gewonnen. Mehrmals hat er den Junioren-Weltrekord verbessert. Seine erste WM-Erfahrung bei den Erwachsenen hatte er mit 19 in Berlin, als er in der Qualifikation ausschied.

Bei der EM in Barcelona 2010 war er schon Fünfter - und dieses Jahr hat er nun also die nächste Stufe des Karriereplans erreicht: das Gewinnen großer Medaillen. Zweiter war er bei der Hallen-EM in Paris, jetzt das. "Ich kann das noch gar nicht richtig glauben so alles", sagt Storl. Nach Olympia in London wollte er eigentlich erst mit dem Medaillen-Holen anfangen. Nun konnte er es doch nicht abwarten.