Darts:16 Jahre und 57 Tage

Lesezeit: 2 min

Darts-Youngster Fabian Schmutzler startet 2021 bei der Darts-WM

Plötzlich WM-Teilnehmer: Fabian Schmutzler.

(Foto: Gabi Brock/dpa)

Völlig überraschend qualifiziert sich der Schüler Fabian Schmutzler für die Darts-WM - er steht damit für den Aufschwung der Sportart in Deutschland.

Von Carsten Scheele

Dartsprofi? Ist eher was für den zweiten Bildungsweg. Fast die gesamte Weltelite hat sich früher ihre Frühstückssemmeln mit ehrenwerten Berufen verdient. Der Niederländer Raymond van Barneveld war Postbote, ehe er entschied, dass es eine gute Idee sei, berufsmäßig Pfeile auf eine Scheibe zu werfen (und eine Menge Geld damit zu verdienen). Michael van Gerwen war Fliesenleger, Rob Cross Elektriker, Peter Wright jobbte auf Baustellen. Der aktuell beste deutsche Spieler, Gabriel Clemens, arbeitete lange halbtags als Industriemechaniker, ehe er sich voll und ganz auf den Sport konzentrierte. Und die Geschichte von Gerwyn Price ist eh legendär: Der Waliser war Rugbyprofi, ehe er sich an der Hand verletzte. Also wurde er Dartsspieler - und im vergangenen Winter sogar Weltmeister.

Zweiter Bildungsweg? Da kann Fabian Schmutzler nur lachen. Er ist noch Schüler, besucht die zehnte Klasse eines Frankfurter Gymnasiums - und hat sich trotzdem für die größte Bühne seines Sports, die Weltmeisterschaft im Londoner Alexandra Palace vom 15. Dezember bis 3. Januar qualifiziert. Das Ticket holte er sich zur allseitigen, freudigen Überraschung auf der Development Tour für Spieler vom europäischen Festland. Schmutzler (Kampfname "The Fabulous Fab") kam als Nobody und hörte einfach nicht mehr auf zu gewinnen, zwei Turniersiege bedeuteten Gesamtrang zwei, der ihm zur WM-Qualifikation genügte, da der erstplatzierte Österreicher Rusty-Jake Rodriguez sein Ticket bereits sicher hatte.

Was seine Leistung noch bemerkenswerter machte: Beim ersten Teil der zwölfteiligen Tour war Schmutzler noch zu jung, er durfte gar nicht mitmachen und Punkte sammeln. Also spielte er nur den zweiten Teil mit - und qualifizierte sich trotzdem.

Vier deutsche Spieler sind für die WM qualifiziert, ein fünfter kämpft noch

Sein Erfolg steht stellvertretend für den Aufschwung unter den deutschen Dartsspielern, die sich immer näher an die Weltspitze heranrobben. Die Achtelfinal-Teilnahme von Gabriel Clemens, der im vergangenen Jahr sogar den amtierenden Weltmeister Peter Wright besiegen konnte, soll kein Einzelfall bleiben. Mit seinem ersten geworfenen Pfeil wird sich Schmutzler im Dezember sogar sofort in die Geschichtsbücher eintragen. Zum WM-Start wird er 16 Jahre und 57 Tage alt sein und damit zweitjüngster WM-Teilnehmer überhaupt. Nur der Australier Mitchell Clegg war bei seinem Debüt 2007 noch etwas jünger (16 Jahre, 37 Tage).

Auch beim genaueren Blick bleibt Schmutzlers Leistung eine gewaltige Überraschung - jedoch eine, die sich erklären lässt. Für sein junges Alter zeichnet den 16-Jährigen eine mentale Stärke aus, die viele ältere Spieler gerne hätten. Schmutzler ruht in sich, er kriegt keine zittrigen Hände, wenn es darum geht, ein Leg mit einem Wurf ins Doppelfeld zu beenden - er ist auch kein Typ, der sonst dazu neigt, im wilden und bunten Darts-Zirkus auszuflippen. Einer, der das einschätzen kann, ist Klaus Pabst, der Präsident des Hessischen Dart-Verbandes. Er kenne Schmutzler als "ruhigen Typ, der sehr fokussiert ist", sagte Pabst dem Sportinformationsdienst: "Seine Eltern achten darauf, dass er nicht abhebt."

Ehrliche Freude ist trotzdem erlaubt. Schmutzler erklärte, die WM sei "das Nonplusultra von allem, was es gibt" - und er ist nun Teil einer immer weiter wachsenden deutschen Delegation. Im Londoner Ally Pally, in das trotz der Pandemie wieder bis zu 3000 Zuschauer pro Session eingelassen werden sollen, werden traditionell sehr viele Briten am Start sein, auch eine Menge Niederländer - sowie immerhin vier Deutsche. Vor Schmutzler hatten bereits Clemens, Martin Schindler und Florian Hempel ihre WM-Tickets gelöst, sogar ein fünfter deutscher Startplatz ist noch drin: Den könnte sich Max Hopp sichern beim abschließenden Qualifikationsturnier Ende November.

Hopp, 25, ist weitaus erfahrener als Schmutzler, es wäre seine neunte WM-Teilnahme. Debütiert hat Hopp 2012 ebenfalls als 16-Jähriger, er war damals ein paar Tage älter als Schmutzler heute. Und schied in der ersten Runde aus.

Zur SZ-Startseite
Raymond van Barneveld

Darts-Profi van Barneveld
:Das Leben hat wieder einen Sinn

Der fünfmalige Darts-Weltmeister Raymond van Barneveld gewinnt bei seinem Comeback gleich ein Turnier - er hat wohl noch etwas zu erledigen.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB