Darts-Profi van Barneveld:Das Leben hat wieder einen Sinn

Raymond van Barneveld

Er ist wieder da: Raymond van Barneveld (Archivfoto).

(Foto: Gregor Fischer/dpa)

Der fünfmalige Darts-Weltmeister Raymond van Barneveld gewinnt bei seinem Comeback gleich ein Turnier - er hat wohl noch etwas zu erledigen.

Von Carsten Scheele

Selten hatte sich einer so krachend verabschiedet wie Raymond van Barneveld. "Es ist egal, was ich als Nächstes tun werde: Das Leben hat keinen Sinn mehr", sagte der fünfmalige Darts-Weltmeister (zuletzt 2007) nach seiner Erstrundenniederlage bei der WM im Dezember 2019 in die TV-Kameras.

Das galt selbst für einen, der gerne mal mit seinem Rücktritt kokettierte und diesen dann über seinen Manager wieder einkassieren ließ, als endgültiger Beschluss. Und es klang ja auch nicht verkehrt: Seine Karriere hatte lange genug gedauert, 33 Jahre. Vielleicht wollte van Barneveld, damals 52 Jahre alt, in seinem Leben noch etwas anderes anstellen als Pfeilewerfen.

Jetzt weiß die Welt: Nö! Van Barneveld hat zwar ein paar Monate weitergeschmollt, sich dann aber entschlossen, dass ein Leben ohne Profidarts nicht wirklich lebenswert ist. Er meldete sich zur Q-School an, einem Turnier mit mehr als 600 Teilnehmern, die alle auf die Profitour wollen, und erkämpfte sich dank seiner riesigen Erfahrung eine der begehrten Teilnehmercards.

Kann "Barney" wieder ganz oben angreifen?

Und er ist fast so krachend wiedergekehrt, wie er sich verabschiedet hat: mit einem Turniersieg. Auf der Pro Tour, beim Turnier in Milton Keynes, gewann er das Finale 8:6 gegen Joe Cullen. "Letzte Woche war ich ein Amateur, und diese Woche gewinne ich ein Turnier", jubilierte van Barneveld, der auf dem Weg ins Endspiel sogar Rob Cross besiegte, einen ebenfalls ehemaligen Weltmeister. Es war sein erster Turniersieg seit 2013.

Jetzt ist eine Debatte darüber entbrannt, ob der Niederländer, genannt "Barney", auch in der Lage ist, wieder ganz oben anzugreifen. Nicht nur bei den kleineren Pro-Tour-Turnieren, sondern auch bei den größeren Events. An diesem Wochenende starten die UK Open, auch van Barneveld ist am Start. Er sollte das lassen, sagen manche. Einer, der an ihn glaubt, ist dagegen sein alter Widersacher Phil Taylor. Er sei sicher, dass "keiner der Topspieler in seiner ersten Runde auf Barney treffen möchte", sagte die Darts-Legende gerade bei Spox.

Taylor ist 2018 zurückgetreten, er vermittelt seitdem glaubhaft, dass es dabei bleibt. Über van Barneveld sagt er dagegen: "Er hatte offensichtlich das Gefühl, dass er noch etwas zu erledigen hat und es noch einmal versuchen möchte."

In der Szene ist bekannt, dass van Barneveld sein Leben nach dem WM-Aus neu justiert hat. Er hat sich von seiner Frau getrennt, lebt mit seiner neuen Freundin zusammen, hat nach eigener Aussage auch seine Diabetes-Erkrankung besser in den Griff bekommen. Sein Ziel ist klar: Im Dezember findet sie WM statt. Van Barneveld möchte dort ein anderes Bild abgeben als beim letzten Mal.

© SZ/tbr
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