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Bundesliga:Werder Bremen fühlt sich bloßgestellt

SV Werder Bremen Training Sonntag / 23.02.2020, wohninvest Weserstadion, Bremen, SV Werder Bremen Training Sonntag, DFL

Bremen, als noch trainiert werden durfte - Kleingruppen-Übungen sind ihnen weiter untersagt

(Foto: Tauchnitz / imago)
  • Ab diesem Montag trainieren zahlreiche Bundesligisten wieder in Kleingruppen auf dem Rasen.
  • Werder Bremen würde auch gerne - doch der Bremer Senat lehnte es vorerst ab, eine Ausnahmegenehmigung für die Rückkehr zu erteilen.
  • Mit Innensenator Ulrich Mäurer ist ein Streit entbrannt.

Im Pleistozän des Fußballs, also zu einer Zeit, die länger zurückliegt als nur einen Monat, trafen sich die Menschen in Kneipen. Zum Beispiel: Im Freemason's Tavern in der Londoner Great Queen Street, wo 1863 der englische Verband FA gegründet wurde, die ersten 17 Regeln abgesegnet, die ersten Konflikte über das Gesetzeswerk unter den Tisch gesoffen wurden. In vielen Ländern wurde der Fußball hernach "association football" genannt, was unter anderem darauf verwies, dass es um einen Sport geht, der von der Assoziation lebt. Von der Verknüpfung von Menschen, Ideen, Emotionen durch einen Ball.

An Assoziationen ist aus den bekannten Gründen derzeit nicht zu denken. Seit Wochen üben die Fußballer maximal das Spiel ohne Ball - sie laufen und erhalten via Filmchen Taktikschulungen. Am Montag aber wollen die Bundesligisten eine Brücke zurück in die Normalität schlagen, oder in die ungewisse Zukunft, wie man's nimmt. Und in Kleingruppen trainieren.

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Die große Ausnahme bildet Abstiegskandidat Werder Bremen, dessen Fußballer im Gegensatz zu den Kollegen im Rest der Republik vorerst nicht "Ball in Sicht!" brüllen dürfen. Der Bremer Senat lehnte es vorerst ab, eine Ausnahmegenehmigung für die Rückkehr der Profis auf die werdergrünen Trainingsplätze zu erteilen. Im Lichte der im Ländervergleich überaus permissiven Bremer Quarantäne-Maßnahmen und der Tatsache, dass der HSV und St. Pauli im 130 Kilometer entfernten Hamburg trainieren dürfen, ist das überraschend: Als einziges Bundesland respektiert Bremen unter anderem auch im Augenblick noch das grundgesetzlich verbürgte Demonstrationsrecht.

In Sachen Werder verwies Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) am Freitag auf die Konferenz der Länder-Ministerpräsidenten und der Kanzlerin, "die mit dem klaren Votum endete: "Wir halten den Ball flach". Er kritisierte die Deutsche Fußball Liga (DFL) für die implizite Empfehlung, das Training am 6. April wieder aufzunehmen - falls die Behörden mitspielen. "Das ist kein wirklich gutes Signal an die Republik", sagte Mäurer.

Die Äußerungen Mäurers wollte die DFL am Sonntag nicht kommentieren. Zuvor hatte sich bereits Werder zu Wort gemeldet, wo man spätestens seit dem Disput um die Frage, wer die Polizeieinsätze bei Werders Risikospielen bezahlt, mit dem Senat überkreuz liegt. "Wir sind über die regelmäßigen öffentlichen Auftritte von Herrn Mäurer mit dieser so negativen Haltung gegenüber dem Profifußball irritiert", sagte Werders Manager Frank Baumann dem Weser-Kurier. Der Klub fühle sich "öffentlich bloßgestellt", weil Mäurer in einer Pressekonferenz einen kurzen Teil aus einem mehrseitigen Werder-Antrag vorgelesen hatte, "ohne sich seit der Antragstellung mit uns abzustimmen".

Damit werde suggeriert, "dass wir den Ernst der Lage nicht erkannt haben und die Gesundheit der Allgemeinheit auf Spiel setzen". Dies sei "nachweislich falsch". Werder habe "lange bevor es behördliche Regelungen gab", Maßnahmen pro Sozialdistanz getroffen, etwa durch die Verlegung des Trainings ins Stadion. Die jüngste PR-Kampagne Werders, Trikots mit dem Schriftzug "Stay at home", stehe solchen Aktionen und dem Wunsch nach Kleingruppen-Training nur "bei oberflächlicher Betrachtung" entgegen, sagte Baumann.

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