Claudio Pizarro:Zum Abschied eine Fiesta

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Claudio Pizarro: In Bremen einfach ein Stück größer: Claudio Pizarro (Mitte) an seinem Abschiedsabend im Weserstadion.

In Bremen einfach ein Stück größer: Claudio Pizarro (Mitte) an seinem Abschiedsabend im Weserstadion.

(Foto: Sina Schuldt/dpa)

Zwei Jahre nach seinem Karriereende bekommt Claudio Pizarro in Bremen endlich sein Abschiedsspiel: Mit vielen Freunden, ein paar Tränen und sogar der Wiedervereinigung von "Pizatoni".

Von Karoline Kipper

Er ist der Letzte, der ins Stadion kommt. Begrüßt wird Claudio Pizarro von 40 500 Stimmen, die im ausverkauften Weserstadion aus vollem Herzen "PIZARROOO-OHOOOO" für ihn singen. Und der Besungene lächelt. Natürlich. Viele der anwesenden Fußballer, die an diesem Abend gefragt werden, was den zweiterfolgreichsten ausländischen Torschützen und immer noch ältesten Torschützen der Bundesliga-Historie ausmacht, geraten ins Schwärmen: sein Lächeln, sein Charisma, seine positive Ausstrahlung.

Pizarro, mittlerweile 43 Jahre alt, läuft bei seinem Abschiedsabend, der wegen der Pandemie auf den Herbst 2022 verlegt werden musste, gleich für drei verschiedene Mannschaften auf: Claudios Amigos, den FC Bayern und Werder Bremen. Drei Mannschaften, prall besetzt mit ehemaligen Weggefährten: Arjen Robben ist da, Philipp Lahm, Giovane Elber, auch Markus Rosenberg, Naldo und Marco Bode - um nur ein paar zu nennen.

Werders Stadionsprecher und menschgewordenes Fußballmuseum Arnd Zeigler hatte in den Vorbereitungen zu Pizarros Abschiedsspiel festgestellt, dass der Peruaner auf den Autogrammkarten des FC Bayern als 1,84 Meter groß bezeichnet wird, während ihm auf denen bei Werder zwei Zentimeter mehr zugestanden werden. Zeigler schließt daraus, dass Pizarro in Bremen einfach noch ein Stück größer sei. Sogar Pizarros Mutter sagt, dass sie in Bremen eine besondere Liebe für ihren Sohn spüre.

Zur Nostalgie des Abends gehört natürlich auch "Pizatoni"

Für eine ganze Generation an Bremer Fans gab es kein Werder ohne den regelmäßig wiederkehrenden Pizarro. Für viele ist dieses Spiel deshalb auch der Abschied von einer Zeit, in der die Mannschaft in grünen Trikots den schönsten Fußball gespielt hat. Selbst als Pizarro gerade mit den Bayern Titel gewann, war da zum Beispiel Johan Micoud, der die elegantesten Tore der Vereinsgeschichte schoss. Inzwischen ist der Franzose hauptberuflich Winzer, aber Pizarros Abschieds-Fiesta lässt er sich natürlich nicht entgehen. So ein Abschiedsspiel ist ja immer auch eine Gelegenheit, eine Zeit, die so vermutlich nie wiederkommen wird, noch einmal hochleben zu lassen.

Claudio Pizarro: Auch Ailton, wie immer körperlich in Bestform, ist gekommen, um seinen alten Sturmpartner zu verabschieden.

Auch Ailton, wie immer körperlich in Bestform, ist gekommen, um seinen alten Sturmpartner zu verabschieden.

(Foto: Sina Schuldt/dpa)

Zur Nostalgie des Abends gehört auch "Pizatoni". Claudio Pizarro und Ailton Gonçalves da Silva passen sich die Bälle zu, als wäre es wieder 1999. Damals kam der 20-jährige Pizarro gerade aus Peru nach Deutschland. Im Interview mit der ddeutschen Zeitung erzählte er, dass sein kongenialer Partner zu diesem Zeitpunkt von Werder Bremen bereits die Nase voll hatte und nach Brasilien abreisen wollte. Die Aussicht, mit Pizarro gemeinsam zu stürmen, war dann aber doch zu verlockend für Ailton.

Die Marketingabteilung von Werder Bremen hat sich die Gelegenheit selbstverständlich nicht nehmen lassen, anlässlich des Abschiedsfest einen Pizzaschneider in den Verkauf zu bringen. Er ist Teil einer peruanisch angehauchten Sonderkollektion, die auch ein Wendetrikot beinhaltet, bei dem alle Erfolge Pizarros im Muster aufgedruckt sind. Darauf gab es einen größeren Andrang als auf das modisch streitbare, lachsfarbene Auswärtstrikot der aktuellen Saison.

"Er ist der einzige Spieler, den ich jemals nach einem Trikot gefragt habe", sagt Mario Gomez. Gomez ist für das schönste Tor des Abends verantwortlich. Torhüter Felix Wiedwald, ein Vertreter aus Werders unstetigeren Zeiten, hatte die kurze Ecke unbewacht gelassen und Gomez legt den Ball so schön an ihm vorbei, dass im Weserstadion ein Tor eines Spielers im Bayern-Trikot mit einer LaOla gefeiert wird - vermutlich zum ersten und letzten Mal.

Jan Delay dichtet für Pizarro einen seiner Songs um

Giovane Elber wiederum schießt beim Abschiedsspiel die wahrscheinlich erste Ecke seiner Karriere und bereitet ein Tor vor. Auf die Frage, woran er bei Pizarro denken müsse, antwortet der 50-Jährige: "Spaß, toller Fußballer und Oktoberfest". Na klar, jene Geburtstagsfeier von Pizarro auf der Wiesn, zwei Tage vor einer Partie gegen den VfL Bochum, zu der Elber die Idee hatte und von der sein damaliger Coach Ottmar Hitzfeld selbstverständlich gar nicht angetan war. Während Elber im TV-Interview in dieser Anekdote schwelgt, verpasst er den Anstoß zur letzten Partie des Abends, auch egal. Alle Spiele gehen unentschieden aus.

Claudio Pizarro: Noch eine Ehrenrunde für Claudio Pizarro, danach ist seine lange Karriere tatsächlich beendet.

Noch eine Ehrenrunde für Claudio Pizarro, danach ist seine lange Karriere tatsächlich beendet.

(Foto: Sina Schuldt/dpa)

"Es war anstrengend, 60 Minuten habe ich lange nicht gespielt", erklärt Max Kruse, der in Wolfsburg aktuell ja lediglich zuschaut. Spielerisch hätten alle an Pizarros Ehrentag versammelten Kicker "das Gefühl am Ball nie verloren", analysiert Kruse weiter. Fallrückzieher, Rabona, Panenka, alles wird probiert (auch wenn wenig gelingt). Am schönsten tänzelt aber Pizarro über den Platz, auch zwei Jahre nach seinem eigentlichen Karriereende im Sommer 2020. Er schießt zum Abschied vier Tore, und als er in der letzten Minute ausgewechselt wird, wird es emotional.

"Niemals geht man so ganz" von Trude Herr schallt es aus den Boxen und Tränen laufen über Pizarros Gesicht. Ein kurzer, andächtiger Moment, aber da hüpft schon Sänger Jan Delay aus den Katakomben und läutet mit seinem leicht abgeänderten Hit "Pizarro macht das klar" die nächste Phase der Fiesta ein. Natürlich singt Delay auch seine Liebeserklärung an den Klub, leicht pathetisch heißt es darin: "Wir haben den Regen im Gesicht, aber die Sonne in der Seele." Und die Sonne in der Bremer Seele lacht heute mal wieder wie Claudio Pizarro.

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