bedeckt München 15°
vgwortpixel

Chinese beim VfL Wolfsburg:Schnupperkurs für Xizhe Zhang

Der VfL Wolfsburg benötigt keine neuen Spieler, sagt Trainer Dieter Hecking. Trotzdem stellt der Klub am Dienstag den chinesischen Mittelfeldmann Xizhe Zhang vor. Der Imagegewinn in Asien dürfte beträchtlich sein.

Am Dienstagmorgen expandiert der Volkswagen-Konzern in China, auf einem der begehrtesten Wachstumsmärkte der Welt. Es geht jedoch nicht um die geplante Sonderlinie Billigautos, sondern um Fußball, das wichtigste Imageprodukt am heimischen Standort. Am Montag bereits hat Bundesligist und VW-Tochter VfL Wolfsburg seine Website vorausschauend ins Chinesische übersetzt, am Dienstagvormittag stellte er seine jüngste Neuverpflichtung vor: Xizhe Zhang, 23, aus China.

"Pustekuchen!", hat Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking am Sonntag gerufen. Es ging nach dem Spiel des VfL gegen den SC Paderborn um Zhang. "Der Chinese", sagte Hecking - "den Namen kann ich noch nicht richtig aussprechen, verzeihen Sie bitte" - sei "kein Werbegag". Mittelfeldspieler Zhang, zuletzt in Chinas erster Liga mit sechs Toren in 29 Spielen für Beijing Guoan aufgefallen, beherrsche das Spiel auf allen Positionen hinter der Spitze und verfüge über gutes Spielverständnis und Tempo. "Sonst", sagte Hecking, "hätten wir das doch nicht gemacht".

Was Hecking da sagte, war allerdings kurios, vor dem Hintergrund seiner vorangegangen Worte. Er hatte wenige Sekunden zuvor überzeugend begründet, dass seine Mannschaft neue Spieler zurzeit überhaupt gar nicht gebrauchen könne. Das Team sei homogen, jeder Neue bedeute eine unnötige Verschiebung im Kader. Er werde deshalb gewiss keine Transfers von Manager Klaus Allofs fordern. Xizhe Zhang ist nun trotzdem da.

Der VfL Wolfsburg hat derzeit ja eigentlich keine Probleme. Er ist Tabellenzweiter hinter dem FC Bayern, hat die Gruppenphase in der Europa League überstanden und beides zu Recht, dank starker Leistungen. Der VfL Wolfsburg hat derzeit nur ein paar Problemchen. Seine Personalpolitik erklären zu müssen zum Beispiel. Oder, wie am Montag ausgelost, in Sporting Lissabon auf einen starken Gegner in der Europa League zu treffen. Oder, deshalb spielte der VfL am Sonntag nur 1:1 trotz drückender Dominanz: die fehlende Treffsicherheit seiner Stürmer.

Drei Kandidaten für die Position in vorderster Spitze seines 4-2-3-1-Systems stehen Hecking zur Verfügung: Ivica Olic, Nicklas Bendtner und Bas Dost. Der Kroate Olic, 35, ist mit fünf Treffern Wolfsburgs bester Torschütze. Außerdem kann er schneller und ausdauernder laufen als mancher Leichtathlet und hat einen stählernen Körper wie ein Superheld. Sein Problem: Er ist schon 35, und Spiele im Dreitagesrhythmus machen ihm zu schaffen.