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Gladbach in der Champions League:"Da kommen ein paar nette Namen"

Champions League: Spieler von Borussia Mönchengladbach bejubeln den Achtelfinal-Einzug

0:2 verloren, die Gladbacher hüpfen trotzdem über den Madrider Rasen.

(Foto: Bernat Armangue/AP)

Die Gladbacher erleben ihren Einzug ins Achtelfinale der Champions League am Monitor, dann tanzen und hüpfen sie über den Rasen. Jetzt wartet auf jeden Fall ein großer Gegner.

Von Ulrich Hartmann

Wieder roch alles nach einem späten Gegentor, und diesmal sogar erst nach dem Schlusspfiff. Das wäre natürlich der Superlativ einer Tragödie gewesen. Als die Fußballer von Borussia Mönchengladbach ihr finales Champions-League-Gruppenspiel bei Real Madrid 0:2 verloren hatten, entschied sich im 1200 Kilometer entfernten Mailand, ob sie damit in die Europa League absteigen mussten oder in der Champions League verbleiben durften.

Sie benötigten und erflehten ein Unentschieden im Parallelspiel zwischen Inter Mailand und Schachtjor Donezk, aber als sie sich in Madrid nach ihrem Spiel um einen Monitor am Spielfeldrand versammelten, waren in Mailand noch fünf von acht Minuten Nachspielzeit zu absolvieren. Und Mailand drückte. Es wurde eine elend lange Zeit.

Die Borussen hatten in ihren vorangegangenen Gruppenspielen gegen Mailand in der 90. Minute den Ausgleich zum 2:2 bekommen, im Hinspiel gegen Real Madrid bis zur 87. Minute 2:0 geführt und dann doch nicht gewonnen sowie im Rückspiel gegen Inter in der Schlussminute den Ausgleich wieder aberkannt bekommen. In diese Serie von Unglücken und Missgeschicken hätte als tragischer Höhepunkt nur zu gut gepasst, wenn in Mailand eines der beiden Teams in der Nachspielzeit den späten Siegtreffer erzielt und Gladbach in ein Tränenmeer gestürzt hätte. Doch in Mailand fiel kein Tor mehr.

In einer unfassbaren Szene blockierte Inters Torjäger Romelu Lukaku sogar einen Kopfball seines Mitspielers Alexis Sanchez und verhinderte dadurch jenen Treffer, der Mailand ins Achtelfinale gebracht und Gladbach in die Europa League verbannt hätte. So aber ist Gladbach aufgrund des mit 10:0 gewonnenen direkten Vergleichs gegen Donezk Zweiter. Donezk spielt als Dritter in der Europa League weiter. Inter ist ganz raus.

"Wir hatten fünf ordentliche bis hervorragende Spiele"

Es ist ein Film fürs Vereinsmuseum, wie die Gladbacher nach ihrem Spiel um diesen Monitor herumstehen und bangen. Wie sie beim Schlusspfiff in Mailand über den Madrider Rasen tanzen und feiern, dass ihr Verein erstmals ins Achtelfinale der Champions League einzieht und erstmals seit 1977 wieder zu den besten 16 Klubs im wichtigsten europäischen Wettbewerb gehört.

"Komisches Gefühl, dass uns dieser Erfolg ausgerechnet nach unserem schlechtesten Spiel in Madrid gelungen ist", sagte der perplex wirkende Kapitän Lars Stindl, fand den Einzug ins Achtelfinale angesichts der gesamten Leistungen in der Gruppenphase aber ebenso verdient wie sein Trainer. Marco Rose wirkte nach der emotionalen Achterbahnfahrt des Abends gar derart ruhig, als stünde er ein bisschen unter Schock. Man hätte ihm die Beine hochlegen wollen.

Das verlorene Spiel gegen deutlich überlegene und sehr souveräne Madrilenen nannte Rose "zäh", man habe "Lehrgeld bezahlt". Doch allzu hart ins Gericht wird er mit seinen Spielern kaum gehen, weil sie in einer wahrlich hochkarätigen Gruppe tatsächlich nur dieses eine Mal ein bisschen enttäuscht haben. "Zuvor hatten wir fünf ordentliche bis hervorragende Spiele", sagte Rose, "und genau deshalb stehen wir auch verdient im Achtelfinale."

Im Achtelfinale warten Guardiola oder Ronaldo

Fußballerisch sei daran positiv, "dass wir damit eine weitere Chance bekommen, uns auf diesem Niveau zu beweisen"; aber auch wirtschaftlich sei es für den Klub bedeutsam. "Ich freue mich für den Verein, das sind keine ganz so leichten Zeiten, das bringt schon ein bisschen was", sagte Rose, er meinte damit die 9,5 Millionen Euro, die es für den Einzug ins Achtelfinale als Prämie gibt.

Am Montag um 12 Uhr findet die Auslosung statt. Gladbachs Gegner wird Liverpool, Manchester City, Chelsea, Juventus Turin oder Paris Saint-Germain heißen. Einer von diesen fünfen. "Da kommen ein paar nette Namen", sagte Rose. Im Achtelfinale ist man aber ganz auf sich allein gestellt. Da gibt es keine Hilfen mehr von fremden Klubs.

© SZ/ebc/bek
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