Champions League:Leipzig zeigt das nächste Spektakel

Champions League: Grüße vom Kapitän: Leipzigs Willi Orban (links) bejubelt die Führung gegen Porto mit den späteren Torschützen Forsberg und Augustin.

Grüße vom Kapitän: Leipzigs Willi Orban (links) bejubelt die Führung gegen Porto mit den späteren Torschützen Forsberg und Augustin.

(Foto: Robert Michael/AFP)
  • RB Leipzig feiert mit einem 3:2 gegen den FC Porto den ersten Sieg in der Champions League.
  • Damit wahrt der Klub die Chance aufs Achtelfinale. "Ich glaube, wir sind jetzt in der Champions League angekommen", sagt Trainer Ralph Hasenhüttl.
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Von Javier Cáceres, Leipzig

Der Bundesligist RB Leipzig scheint Fußball-Spektakel abonniert zu haben. Drei Tage nach dem hochgelobten 3:2 bei Borussia Dortmund siegten die Leipziger am Mittwoch in einem neuerlich erinnerungswürdigen Spiel gegen den FC Porto erneut 3:2 - und erzielten damit den ersten Champions-League-Sieg ihrer erst 2009 begründeten Vereinsgeschichte. Die Leipziger wahrten damit am dritten Spieltag der Gruppe G, in der sie vorerst Zweiter sind, auch die Chance auf einen Einzug ins Achtelfinale der Königsklasse. "Wir waren die klar bessere Mannschaft", sagte Leipzigs Trainer Ralph Hasenhüttl, "ich glaube, wir sind jetzt in der Champions League angekommen."

Dass die Partie von sich reden machen würde, stand schon vor Beginn fest. Weniger, weil Hasenhüttl in der Startelf auf den offiziell genesenen Timo Werner verzichtete, der seit dem zweiten Champions-League-Auftritt (1:3 bei Besiktas Istanbul) wegen Problemen an der Halswirbelsäulen-Muskulatur hatte pausieren müssen. Vielmehr sorgte Portos Trainer Sérgio Conceição für eine Überraschung, die umgehend Schlagzeilen machte: Er verbannte die spanische Torwartlegende Iker Casillas, die immerhin auf 170 Champions-League-Einsätze zurückblickt, ohne erkennbaren Grund auf die Reservebank. An seiner Stelle kam Portugals U21-Keeper José Sá in Leipzig zu seinem Königsklassendebüt - und er hatte selbst einen großen Anteil daran, dass er bis zur Halbzeit gleich drei Mal hinter sich greifen musste.

Nur acht Minuten waren gespielt, als Leipzigs portugiesischer Angreifer Bruma aus 20 Metern aufs Tor zielte. José Sá ließ den Ball von der Brust abklatschen und bekam ihn auch nicht mehr zu fassen, als er mit Leipzigs Stürmer Jean-Kévin Augustin um den Abpraller rangelte. Stattdessen landete der Ball bei RB-Kapitän Willi Orban, der aus kurzer Distanz einschob.

Eine Viertelstunde vor Schluss wechselt Hasenhüttl den genesenen Timo Werner ein

Die Führung gab den Leipzigern Sicherheit. Sie kombinierten gut, spielten durchweg offensiv und flott, warteten mit technischen Schmuckstücken auf und hatten die Portugiesen, immerhin unangefochtener Tabellenführer ihrer Liga, gut im Griff. Das änderte sich nur für einen fatalen Augenblick, als die Leipziger Defensive narkotisiert wirkte wie ein Patient auf dem Zahnarztstuhl. Ein Einwurf landete nach zwei Kopfballverlängerungen im Strafraum am Fünfmeterraum, wo der bullige kamerunische Stürmer Vincent Aboubakar Leipzigs Torwart Gulácsi mit einem Drehschuss keine Chance ließ (18.).

Doch nach einigen Minuten des Schocks erwachten die Leipziger wieder, kamen zu Chancen - und nach einer traumhaften Kombination zur neuerlichen Führung. Leipzigs Schwede Emil Forsberg spielte mit Marcel Sabitzer Doppelpass und versenkte dann, allein vor José Sá, den Ball im Netz (38.). Nur drei Minuten später wusste der Keeper der Portugiesen, dass man die Aura der Unbezwingbarkeit eines Casillas nicht erbt, wenn man sich an dessen Stelle auf die Linie stellt. Ein unsauberer Pass prallte von den Beinen der Portugiesen zum Leipziger Stürmer Augustin, der aus 15 Metern zum 3:1 traf. Unmittelbar vor der Pause aber hatte Leipzigs Abwehr wieder am Chloroform gerochen. Nach einer Ecke legte Portos Kapitän Héctor Herrera per Kopf auf Innenverteidiger Marcano ab, der den Ball aus kurzer Distanz mit einem Kung-Fu-Kick eindrückte.

In der Pause schärften die Leipziger erkennbar ihre defensive Konzentration - wobei ihnen in die Karten spielte, dass die Portugiesen mehr auf Sicherheit bedacht waren als darauf, das Tor von Gulácsi unter Druck zu setzen. Die besseren Chancen hatten daher die Leipziger. Zunächst wurde ein Schuss, den der neuerlich auffällige Bruma (62.) strauchelnd aufs Tor bekam, vor der Linie weggeschlagen. In der 73. Minute verzog Augustin nach einem sensationellen Pass des extrem fleißigen und kreativen Mittelfeldmannes Naby Keita.

Eine Viertelstunde vor Schluss wechselte Hasenhüttl dann den Angriff und brachte zunächst Timo Werner für Bruma, dann Yussuf Poulsen für den angeschlagenen Augustin. Dadurch gelang es den Leipzigern, das Tempo hochzuhalten und die Portugiesen in ihrer eigenen Hälfte zu beschäftigen. Das war umso wichtiger, als Porto durch die Einwechslung des Regisseurs Óliver Torres das eigene Spiel um kreative Momente bereicherte. Letztlich langte es dadurch aber nur zu einem latenten Gefühl von Gefahr - weshalb die Leipziger einen überaus verdienten Lohn einfahren konnten.

Ob sie aber in ihrer Champions-League-Debüt-Saison in der Königsklasse überwintern, wird sich vor allem daran zeigen, ob sie es schaffen, defensiv über 90 Minuten lang stabil zu stehen - vor allem in den nächsten beiden Partien, in Porto und in Monaco, ehe Anfang Dezember Besiktas Istanbul in Leipzig gastiert.

© SZ vom 18.10.2017/ska
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