Champions League Elfmeter-Drama auf Schalke

Viele Diskussionsrunden auf Schalke: Daniel Caligiuri beschwert sich beim Schiedsrichter Jesus Gil Manzano.

(Foto: AFP)
Von Philipp Selldorf, Gelsenkirchen

Schalke 04 hat es beim Start in die Champions-League geschafft, die nächste Niederlage zu vermeiden. Dennoch wollte sich nach dem 1:1 gegen den portugiesischen Spitzenklub höchstens halbe Zufriedenheit einstellen. Die Schalker boten zwar keine Leistung auf höchstem europäischem Niveau, aber sie hatten hart dafür gearbeitet, um sich nach schüchternem Beginn Überlegenheit zu verschaffen und den Führungstreffer zu verdienen. Ein unglücklicher Moment von Abwehrchef Naldo und ein umstrittener Schiedsrichterpfiff bescherten Porto den Ausgleich per Elfmeter.

Für Sebastian Rudy fiel die Champions-League-Premiere in Königsblau zunächst aus. Der vormalige Münchner ist körperlich noch nicht auf seiner Höhe, Suat Serdar nahm seinen Platz ein. Breel Embolo durfte sein übliches Dasein als Einwechselspieler diesmal mit dem Einsatz als Sturmspitze tauschen. Vielleicht war es Embolos symbolhafter Treffer beim 1:2 gegen Mönchengladbach - Schalkes erstes "richtiges" Tor in der Saison -, der Domenico Tedesco zu der Rochade bewegt hatte.

Langsam lief das Spiel an, sehr langsam. Die Schalker überließen höflich ihren Gästen den Vortritt, die das Angebot mit mäßiger Begeisterung annahmen. Dann ergriff der spanische Schiedsrichter Gil Manzano die Initiative. Inmitten einer unübersichtlichen Großversammlung im Schalker Strafraum identifizierte er ein Handspiel von Abwehrchef Naldo. Die Schalker Proteste fielen zaghaft aus, auf die Hilfe der Videorevision brauchten sie auch nicht zu hoffen, die gibt es in der Champions League nicht. Und so durfte Portos brasilianischer Linksverteidiger Alex Telles zügig zur Tat schreiten (11.). Telles machte seine Sache nicht schlecht, aber Ralf Fährmann machte sie besser, er wehrte den hart und platziert getretenen Ball zur Seite ab, und im Nu war sie da - die lang vermisste Gala-Abend-Stimmung auf den Rängen. Die Euphorie des Publikums blieb jedoch eine kurzlebige Erscheinung, Fährmanns Glanztat wirkte nicht als Erweckungsmoment.

Zügig nahmen die Schalker wieder Schneckenhaus-Mentalität an. Ein Offensivspiel fand allenfalls andeutungsweise statt, wie am Samstagabend in Mönchengladbach beschränkte es sich auf lange Bälle, die meist wahllos aus der Abwehrreihe in die Angriffszone befördert wurden. Dort warfen sich Mark Uth und Embolo tapfer, aber regelmäßig vergeblich in Kopfballduelle, die sie nicht gewinnen konnten. Auch der Versuch des Angriffspressings beruhte nicht auf konzertiertem Handeln, sondern auf persönlicher Initiative. Wie in Mönchengladbach, wo er Oscar Wendt gesundheitsgefährdend attackierte, übertrieb es Embolo auch gegen Porto mit dem Einsatz und holte sich nach einer ungestümen Grätsche die Gelbe Karte ab, was nach Meinung der Portugiesen eine noch zu milde Strafe war.

Die Führung durch Embolo war keine Überraschung

Am Einsatz mangelte es nicht bei den Hausherren, aber an der Koordination und der beherrschten Gegnerbekämpfung. Mitte der ersten Hälfte trat ein wenig Entspannung ein, die Deckung stabilisierte sich und es gab vereinzelte Vorstöße, die zumindest ein Minimum an Torgefahr erahnen ließen. Der fleißige Alessandro Schöpf brachte vom linken Flügel ein paar Bälle in Portos Strafraum, die aber ohne Abnehmer blieben. Die vorzeigbarste Chance entstammte einem Klassiker der Vorsaison: Freistoßflanke Daniel Caligiuri, Kopfball Naldo. Iker Casillas brauchte allerdings nicht einzugreifen. Der 37-jährige Spanier, der am Dienstagabend in seine 20. Champions-League-Saison startete, verbrachte bis zur Pause eine geruhsame Zeit.

Allmählich fassten die Schalker im Spielverlauf wieder mehr Mut und arbeiteten sich Stück für Stück vorwärts. Das 1:0 durch Embolo war keine komplette Überraschung, die Art des Zustandekommens aber typisch für diesen wenig königsklassenartigen Abend. Irgendwie eroberten die Schalker mit vereinten Kräften den Ball in Portos Hälfte, McKennie bediente Embolo, und dessen Schuss rollte zwischen den Verteidigern ins lange Toreck (64.). Ein Sieg schien möglich zu sein, doch eine Unachtsamkeit von Naldo gab Portos Angreifer Marega die Gelegenheit, im Strafraum zu fallen. Wieder zögerte Manzano nicht, und diesmal schaffte es Rechtsaußen Otavio, ins Tor zu treffen (75.). Fährmann lag diesmal in der falschen Ecke.

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