BVB-Zugang Kevin Kampl Ribéry aus Salzburg

(Foto: Felix Roittner/Witters)

Eigentlich wollte Red Bull den Stürmer Kevin Kampl von Salzburg nach Leipzig schicken, doch nun durchkreuzt Borussia Dortmund diesen Plan. Dort soll er den Vorletzten der Fußball-Bundesliga mit seinen Gemütsdribblings erfrischen.

Von Christof Kneer

Wie man als Spieler von Borussia Dortmund zu sprechen hat, das hat Kevin Kampl schon vor dem ersten Trainingstag begriffen. "Ich kann nicht weniger als hundert Prozent", sagte Kampl und klang, als habe er zu viele Jürgen-Klopp-DVDs geschaut. Kampl sei ein echter Klopp-Spieler, das haben viele in der Branche schon lange behauptet, aber es gab auch andere, die der Meinung waren, Kampl sei ein echter Ralf-Rangnick-Spieler. Zu diesen anderen zählte übrigens auch Ralf Rangnick.

Die Winterpause hat nicht lange gewartet, sie hat es eilig gehabt, ihre erste prominente Personalie zu liefern, nur einen Tag nach dem Ende der Vorrunde. Dabei zählt jener Kampl, der nun von RB Salzburg zu Borussia Dortmund wechselt, noch nicht zu den großen Namen, derentwegen man Sondersendungen ins Programm nimmt. Was Kampl so prominent macht, sind die Namen, die man in seiner Geschichte mit erzählt.

Der Plot der Kampl-Story ist noch kein Straßenfeger, aber die Besetzung ist exquisit. Es spielen, außer Kampl, auch noch mit: Jürgen Klopp. Ralf Rangnick. Marco Reus. Roger Schmidt. Dietrich Mateschitz. Sowie: die ganze Bundesliga.

Traditionsklubs vs. Werksklubs, das war eine der großen Geschichten des Jahres 2014, und Kampls Wechsel platzt nun mitten hinein in jene Debatte. Der in Solingen geborene Slowene hatte es - unverschuldet - zum umstrittenen Protagonisten in jener vermeintlichen Gut-Böse-Story gebracht: Er spielte in Salzburg, galt aber als sog. Red-Bull-Athlet - also als Spieler, den die Firma des Milliardärs Mateschitz unter Ausnutzung einer Gesetzeslücke legal von der einen in die andere Filiale weiterreichen kann.

RB-Sportchef Rangnick hat ja auch nie ein Geheimnis aus diesem Plan gemacht: dass die besten RB-Athleten am besten RB-Standort spielen müssen - so sollte der Flügelspieler Kampl im Winter nach Leipzig umgetopft werden, um dem dortigen Zweitligisten jene Schärfe im Offensivspiel zu verleihen, die zum Erstliga-Aufstieg noch fehlt. In Salzburg wird's den besten Mateschitzianern sowieso allmählich langweilig; immer spielen sie gegen Wolfsberg und Austria Wien, und nie spielen sie in der Champions League.

Für die Traditionalisten in der Branche dürfte es zum Jahresausklang also eine gute Nachricht sein, dass der Traditionsverein Dortmund das Kalkül durchkreuzt hat. Kevin Kampl hat nicht auf einen Leipziger Aufstieg warten wollen, allerdings sollte deshalb keiner den Dortmundern übergeordnetes Gutmenschentum unterstellen: In Dortmund ist die Not so groß, dass jeder Impuls von außen willkommen ist, selbst wenn er zwölf Millionen Euro kostet.

Das ist viel Geld für einen 24-Jährigen, der seine Tempoläufe bisher vor allem in Salzburg und zuvor in Aalen und Osnabrück ins Ziel gebracht hat. Allerdings erkennen die Experten in diesem schneidigen Artisten ein Talent zum kleinen Ribéry, dessen unbekümmerte Gemütsdribblings das trübe Dortmunder Spiel erfrischen könnten. Und vielleicht wird dieser Li-La-Laune-Spieler auch schnell so gut, dass man Marco Reus im Sommer gehen lassen kann.

Die Leverkusener hätten Kampl auch gern gehabt, sie haben mit dem Trainer Roger Schmidt geworben, der Kampl einst in Salzburg förderte, aber sie werden den Spieler immerhin am ersten Rückrunden-Spieltag wiedersehen. Am 31. Januar empfängt Leverkusen den Abstiegskandidaten Borussia Dortmund.