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BVB-Stürmer Youssoufa Moukoko:Ein 15-Jähriger, der um Jahre voraus ist

A-Junioren Bundesliga 2019-2020 1.FC Köln v. Borussia Dortmund 0:2 durch 2 Tore von Yousoufa Moukoko der hier im Foto v; SAhin

Das andere Talent, auf das sie sich in Dortmund freuen: Yousoufa Mokoko spielt mit 15 bereits bei den A-Junioren.

(Foto: Thomas Zimmermann/imago)
  • Auf Antrag von Borussia Dortmund hat die Deutsche Fußball Liga ihre Regeln geändert: Künftig können schon 16-Jährige in der Bundesliga mitspielen.
  • BVB-Stürmer Youssoufa Moukoko, noch 15, dürfte der erste sein.

Von Freddie Röckenhaus, Dortmund

Geht es nach der Währung junger Menschen, der Anzahl von Followern bei Instagram, liegen bei Borussia Dortmund die 30-jährigen Marco Reus und Mats Hummels noch an der Spitze, allerdings dicht gefolgt von einem gewissen Youssoufa Moukoko. Youssoufa ist halb so alt wie die BVB-Prominenz, also 15. Und die Verheißungen seines Talents haben auch die Erwachsenen bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) jüngst dazu bewogen, ihre Regeln zu ändern: Künftig darf man schon ab 16 Jahren bei den Männern mitspielen. Der Erste, für den der Beschluss greift, dürfte Dortmunds Moukoko sein. Im November wird er 16.

Der BVB hatte den Antrag gestellt, natürlich mit Blick auf den frühreifen Mittelstürmer. Doch Nachwuchs-Koordinator Lars Ricken, einst selbst so ein Wunderkind, mit 17 Jahren das erste Bundesligaspiel, mit 18 Deutscher Meister, mit 19 Abitur, mit 20 Champions-League-Sieger, wiegelt Befürchtungen von Jugendschützern ab: "Dass einer mit 16 dann wirklich in der Bundesliga spielt, wird sicher eine große Ausnahme bleiben. Ich sehe das perspektivisch vielleicht für drei, vier Spieler, wenn überhaupt." Für Moukoko aber gelten schon seit Jahren etwas andere Regeln.

Seine Zahlen sind beeindruckend. Bis zum Saisonstopp wegen Corona hatte Moukoko 34 Tore und neun Vorlagen in 20 Spielen für Dortmunds A-Junioren in der Bundesliga beigesteuert - als 15-Jähriger unter 17- und 18-Jährigen. So ähnlich geht das, seit der junge Mann im Alter von neun Jahren von seinem Vater aus seinem Geburtsland Kamerun, aus der Hauptstadt Yaoundé, nach Hamburg geholt wurde.

Als Moukoko zwölf war und vom FC St. Pauli zum BVB wechselte, stand er längst auf der Talentliste der meisten Scouts, auch englischer Klubs. In Hamburg spielte Moukoko bereits mit drei, vier Jahre älteren Fußballern. Ricken profitierte damals vom Image der Nachwuchsabteilung: "Youssoufa hatte schon den Berater, der auch heute mit ihm arbeitet, und wir bekamen den Zuschlag, weil wir uns den Ruf erarbeitet hatten, systematisch junge Spieler weiter zu entwickeln." Das zähle heutzutage für viele Berater mehr, als den Spielern schon früh viel Geld zu bieten.

Ricken brachte den damals schon Frühreifen in Dortmund in einer Gastfamilie von zwei früheren Leistungssportlern unter. Die Eltern blieben in Hamburg. Seither trifft Moukoko in praktisch jedem Spiel. In den letzten drei Jahren schoss er an die 130 Tore, obwohl er grundsätzlich ein, zwei Jahre oberhalb seiner eigentlichen Altersgruppe spielt. Die B-Jugend schoss er als 13-Jähriger zum deutschen Meistertitel. Im Vergleich mit Dortmunds Profistürmer Erling Haaland, 19, der mit seinen 1,94 Meter und einem auch sonst wuchtigen Körperbau die Gegner auch rein physisch unter Druck setzt, wirkt Moukoko zwar reif für sein Alter, "aber", meint Ricken, "ein Großteil seiner Gegner ist ihm körperlich immer noch überlegen. Er macht seine vielen Tore nicht auf Grund seiner Körperlichkeit, sondern mit fußballerischer, spielerischer Überlegenheit."

Inzwischen haben sich die Wogen etwas geglättet, aber lange wurde das Geburtsalter von Moukoko massiv angezweifelt. Es wurden sogar medizinische Untersuchungen der Epiphysenfugen des Jungen gefordert, also der Gelenks-Abschlüsse von Röhrenknochen, etwa an den Armen, die normalerweise Aufschluss über das biologische Alter geben. So groß war der Aufruhr im bisweilen etwas hysterischen Umfeld des Jugendfußballs, in dem sich Karrieren anbahnen - oder wo sie versanden. In Kamerun werden Geburtsurkunden nicht routinemäßig ausgestellt. Das erledigte dann erst 2016 das zuständige Standesamt in Hamburg 2016, nach Einsicht ins Geburtenregister von Yaoundé.

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