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BVB:Das ewige Leid des Marco Reus

Der BVB gewinnt 6:2 gegen Leverkusen - doch die Verletzung des Stürmers trübt die Freude. Reus fällt vermutlich sogar bis Anfang April aus.

Marco Reus war mal wieder in Spiellaune. Dieses Mal bekamen es die Leverkusener Verteidiger mit dem Nationalspieler zu tun, der sich seit Wochen in blendender Verfassung präsentiert. Darüber, wie gut der Dortmunder Wirbelwind drauf ist, kann unter anderem Caglar Söyüncü Auskunft geben, Freiburgs Manndecker war vor einer Woche von Reus so oft getunnelt worden, dass er kaum in den Schlaf gefunden haben dürfte. Nun hatte es Reus auf Tin Jedvaj abgesehen, kurz vor der Halbzeit sprintete er seinem bemitleidenswert überforderten Gegenspieler davon, geriet jedoch im Strafraum ins Staucheln, sodass Bernd Leno den Schuss parieren konnte.

Es war Reus' letzter Auftritt für die nächsten Wochen, denn bei den langen Schritten in hohem Tempo ging etwas in der fragilen Muskulatur kaputt. Dortmunds Trainer Thomas Tuchel ahnte nichts Gutes, als er den 27-Jährigen direkt danach aus der Partie nahm. Am Sonntag wurde mitgeteilt, dass sich Marco Reus einen Faserriss auf der Rückseite des linken Oberschenkels zugezogen hat und bis schätzungsweise Anfang April ausfällt, für alle Partien des BVB und auch für die DFB-Länderspiele gegen England und Aserbaidschan.

Reus fehlt im Rückspiel gegen Benfica Lissabon

Nach einem sonst so erfreulich verlaufenen Nachmittag legte sich ein Schatten über das Gesicht von Tuchel, als er über einen seiner wertvollsten Spieler sprach. Die Kunde von der erneuten Verletzung des Edeltechnikers sei "eine traurige Nachricht, sie trübt die Freude über den Sieg enorm". Borussia Dortmund muss also am Mittwoch ohne seinen Star versuchen, im Rückspiel des Champions-League-Achtelfinals gegen Benfica Lissabon den 0:1-Rückstand zu drehen. Tuchel beklagte: "Sein Ausfall trifft uns schwer, weil Marco in den letzten Wochen hellwach war, das Spiel angeschoben hat, immer präsent war und auch als Persönlichkeit enorm wichtig für die Mannschaft ist."

Die Karriere des Marco Reus bleibt bis hierhin eine unvollendete. Einer der begabtesten Fußballer, die das Land des Weltmeisters zu bieten hat, wird immer wieder zurückgeworfen, weil sein Körper streikt. Die WM 2014 in Brasilien verpasste der Spieler, der bei Bundestrainer Joachim Löw in Normalform als Stammspieler gesetzt ist. Dazu kommt, dass Reus auch sonst wahrlich nicht vom Glück geküsst ist. Der Offensivmann leidet ja auch noch unter dem, was im Boulevard gern als "Titelfluch" bezeichnet wird. Drei Finalniederlagen im DFB-Pokal (zweimal gegen Bayern München, einmal gegen den VfL Wolfsburg) und die Niederlage im Champions-League-Endspiel 2013 gegen die Bayern, das summiert sich zu einer echten Hypothek.

Und dann kommt auch noch diese Verletzungsanfälligkeit dazu, die den gebürtigen Dortmunder immer wieder aus der Bahn wirft. Nun warten sie beim BVB also wieder einmal auf die Rückkehr eines Mannes, der im Vollbesitz seiner Kräfte so häufig die engen Spiele entscheidet. Solche engen Spiele wie eben auch das gegen Lissabon eines wäre.

© SZ vom 05.03.2017/ebc
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