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Neuer TV-Vertrag im Fußball:"Immer mehr" ist diesmal nicht garantiert

Fortuna Düsseldorf - 1899 Hoffenheim

Die Tribünen sind leer, aber gesendet wird trotzdem: Das Fernsehen ist extrem wichtig für den Profifußball.

(Foto: dpa)

Das Durchpeitschen der Saison war die kurzfristige Rettung für die Bundesliga, der neue TV-Vertrag soll die mittelfristige sein. Aber die Auktion findet unter schwierigen Bedingungen statt.

Kommentar von Johannes Aumüller

Es gibt gewiss allerlei sportliche Aspekte, die einen Rückblick auf die Bundesliga-Saison 2009/10 wert sind. In diesen Tagen gesellt sich zu ihnen noch ein finanzieller. Denn diese Spielzeit 2009/10 war die bisher letzte, in der die 36 Erst- und Zweitligisten aus der Vermarktung der nationalen TV-Rechte weniger Geld erhielten als in der jeweils vorangegangenen Saison. Seitdem gab es in diesem Kontext nur die Formulierungen "mehr", "viel mehr" und "sehr viel mehr". Inzwischen haben sich die jährlichen Einnahmen von damals 386 Millionen Euro mehr als verdreifacht. Aber nun ist ungewiss, ob sich der Trend fortsetzt - und was das für die Vereine bedeutet.

Seit Beginn dieser Woche vergibt die Deutsche Fußball-Liga (DFL), in der sich die Erst- und Zweitligisten zusammengeschlossen haben, die TV-Rechte für die Zeit von 2021 bis 2025. Am Montag lief die Auktion für das erste Livespiele-Paket, die übrigen sind in den beiden kommenden Wochen dran - und die Szene verfolgt das mit großer Anspannung.

Denn die Höhe der Fernsehgelder ist längst die entscheidende Größe für die wirtschaftlichen Möglichkeiten der meisten Klubs. In der Bundesliga machen die Einnahmen aus der medialen Verwertung - inklusive Europapokal, DFB-Pokal und Ausland - im Durchschnitt stolze 37 Prozent des Budgets aus, in der zweiten Liga immer noch 32 Prozent. Entsprechend war die Aussicht auf die TV-Gelder auch der entscheidende Grund, warum die Vereine die laufende Saison trotz Corona unbedingt und im Geisterspielbetrieb ohne Zuschauer durchziehen wollten. Rund einem Drittel der Klubs hätte der Ruin gedroht, im Extremfall sollen TV-Einnahmen gar verpfändet worden sein.

Der Blick auf den Profifußball hat sich durch die Krise gewandelt

Das Durchpeitschen der Saison war die kurzfristige Rettung, der neue TV-Vertrag soll die mittelfristige Sicherung sein. Die Versteigerung findet allerdings unter schwierigen Bedingungen statt. Der Blick auf den Profifußball hat sich durch sein Verhalten in der Corona-Krise nochmals gewandelt. Zugleich färben die Folgen der Pandemie auf viele Medienunternehmen ab, die für die Rechte die Millionen zahlen sollen. Entsprechend schwer sind Prognosen. Etwa auf demselben Niveau wie bei der vorherigen Auktion rauszukommen, dürfte die Liga diesmal bereits als großen Erfolg werten.

Aber da kommt es auch auf die Details an. Im laufenden Vierjahreszyklus erlöst die Liga im Schnitt 1,16 Milliarden Euro pro Saison. Es fließt nur nicht in jeder Spielzeit gleich viel, sondern die Summe ist gestaffelt und steigt mit den Jahren. So stellen sich die Profiklubs für die nächste Saison, mit der die aktuelle Periode endet, sogar auf Zahlungen von ungefähr 1,35 Milliarden Euro ein. Es könnte also sein, dass bei der neuen Auktion für den kompletten Vierjahreszyklus Werte auf Rekordniveau erreicht werden, in der Saison 2021/22 die Gelder gegenüber dem Vorjahr trotzdem zurückgehen.

Zugleich ist es auch so: Klubs, die bei ihren Gehalts- und sonstigen Ausgabekalkulationen auf gleichbleibende oder gar steigende TV-Gelder spekuliert haben, sollten dringend ihre kaufmännischen Prinzipien überdenken. Und das gilt unabhängig von der Corona-Krise.

© SZ vom 09.06.2020/tbr
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