0:1 in Freiburg Schalke wird immer nervöser

Ratlos nach der nächsten Niederlage: Schalkes Trainer Domenico Tedesco.

(Foto: Alex Grimm/Getty Images)
  • Schalke 04 verliert gegen Freiburg - nach ansprechender erster und einer enttäuschenden zweiten Halbzeit.
  • Trainer Tedesco soll auch am Samstag gegen Mainz auf der Bank sitzen, das Umfeld wird aber immer nervöser.
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Von Christoph Ruf, Freiburg

Nach dem Schlusspfiff schlichen die Schalker Spieler zur Fankurve, auch ihr Trainer, Domenico Tedesco suchte nach der fünften Niederlage im fünften Ligaspiel Trost beim eigenen Anhang. "Traurig, und das ist ja auch verständlich", seien die Damen und Herren im Auswärtsblock gewesen, berichtete er nachher. Und ließ durchblicken, dass der Anhang des Tabellenletzten trotzdem die gleiche Geduld mit ihm und der Mannschaft walten lassen will wie offenbar der Vorstand. Tedesco wird auch kommenden Samstag beim Heimspiel gegen Mainz auf der Bank sitzen.

Nach der ernüchternden Vorstellung in Freiburg wählte der Coach die verbale Offensive, um die Deutungshoheit über einen Abend zu erlangen, an dem es aus Schalker Sicht nicht viel Positives festzuhalten gab. "Einen guten Rhythmus und einen guten Spielfluss", hatte er im ersten Durchgang gesehen. Im zweiten, in dem sein Team keine echte Torchance mehr hatte, hätten hingegen widrige Umstände dafür gesorgt, dass der Faden gerissen sei. Das Gegentor durch Freiburgs Florian Niederlechner (52.), das "nicht für Selbstvertrauen gesorgt" habe, natürlich.

Vor allem aber die Tatsache, dass die Partie so "zerfahren" gewesen sei, weil der Schiedsrichter nicht nur so viele Aktionen abgepfiffen habe, sondern sich auch noch "vor den Ball gestellt" habe, wenn Schalke einen Freistoß ausführen wollte. Das war nun nah dran am Reich der Verschwörungstheorien, denn de facto war der Schiedsrichter Frank Willenborg weit fehlerresistenter gewesen als die 22 Spieler auf dem Platz, die ein streckenweise gruseliges Erstligaspiel zur Geduldsprobe für die Zuschauer machten.

"Er muss die Klappe halten"

Mit ein wenig gutem Willen konnte man den Schalkern dabei im ersten Durchgang zumindest den Versuch attestieren, auch mal mit Kombinationen und flachen Pässen zum Erfolg zu gelangen. Zwei der insgesamt drei Chancen, darunter der Pfostentreffer durch Schuss von Hamza Mendyl (41.) waren tatsächlich herausgespielt. "Wir müssen so weitermachen, wir müssen die Tore machen. Ich meine das spielerische, ergebnistechnisch dürfen wir so nicht weitermachen. Wir müssen Tore machen. Im ersten Durchgang waren wir schon sehr dominant. Das war mit eine der besten Leistungen dieses Jahr - spielerisch", meinte Tedesco dann auch.

Doch in den zweiten 45 Minuten sahen die Zuschauer statt einer wenig überzeugenden Schalker Mannschaft eine, die auf allen Ebenen enttäuschte. Spielerisch sowieso, aber auch in Sachen Körpersprache. Dass Freiburg sukzessive Überhand im Mittelfeld gewann und der Minutenzeiger munter lief, ohne dass man den Eindruck bekam, Schalke wolle sich ernsthaft wehren, wird intern wohl noch aufgearbeitet werden. Wobei Tedesco zumindest öffentlich seine Spieler da nicht kritisieren wollte: "Es wäre mühsam, der Mannschaft das vorzuwerfen, muss ich ihnen ganz ehrlich sagen."

Die Lage auf Schalke wird jedenfalls nervöser. Selbst der besonnene Naldo, der von Tedesco gegen Freiburg eine Pause bekam, rüffelte mit scharfen Worten seinen Ex-Trainer Markus Weinzierl. "Ich bin einfach enttäuscht von ihm. Er muss die Klappe halten, schließlich muss er erst einmal einen Job finden", sagte der 36-Jährige. Der ehemalige Schalke-Coach Weinzierl hatte zuletzt Kritik am System von Trainer Domenico Tedesco geübt. Es sei "die Frage, ob es zukunftsträchtig ist, nur defensiv zu denken, beziehungsweise das Spiel auf einen 36-Jährigen zuzuschneiden", hatte Weinzierl bei Sky gesagt. "Er muss sich an die eigene Nase fassen. Er muss selbst eine Mannschaft finden und nicht über uns nachdenken", sagte Naldo: "Außerdem soll er einen konkreten Namen nennen, so wie ich ihn jetzt auch nenne: Markus Weinzierl. Schließlich habe ich auch einen Namen." Auch Weinzierl war in der Saison 2016/17 mit fünf Niederlagen gestartet.

Wie Freiburg am Ende siegte, ist alarmierend

Positiv festzuhalten bleibt, dass die Umstellung von der bewährten Dreier- auf Viererkette, die nicht nur SC-Trainer Christian Streich "überrascht" hatte, als gelungen bezeichnet werden darf. Und Spieler wie Jewhen Konopljanka oder Amine Harit sind individuell immer noch eine Bereicherung für die Liga - dass die Mannschaft im Kollektiv auch in Freiburg nicht einmal phasenweise so etwas wie Glanz oder auch nur spielerische Dominanz ausstrahlte, bleibt bei der individuellen Qualität manches Schalker Angestellten allerdings umso bedenklicher.

Eine Freiburger Mannschaft, die im ersten Durchgang schwach und im zweiten engagiert, aber unzusammenhängend auftrat, konnte so letztlich ungefährdet gegen einen Champions-League-Teilnehmer gewinnen. Das ist alarmierend. Zumindest, falls es auf Schalker Seite noch irgendjemanden geben sollte, der aus den Namen der kommenden Gegner - Mainz und Düsseldorf - ableitet, dass man danach sechs Punkte mehr auf dem Konto haben wird.

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