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Mögliche Fortsetzung der Bundesliga:Der Fußball kriegt seine Spezial-Behandlung

DFL-Chef: Bundesliga-Spieltag mit Zuschauern ´nicht realistisch"

Die Bundesliga könnte am 9. Mai nochmal starten.

(Foto: dpa)

Bevor der Ball wieder rollen kann, muss die Politik einer Gesellschaft mit eingeschränkten Grundrechten erklären, warum die Bundesliga wichtiger sein soll als andere Bereiche.

An dieser Stelle ein kleiner, selbstverständlich unvollständiger Überblick über die Corona-Nachrichtenlage vom Anfang dieser Woche: Bayern führt Maskenpflicht ein. Das Oktoberfest wird abgesagt. Das Robert-Koch-Institut warnt: Ohne Impfstoff keine Rückkehr zur Normalität. Die Kanzlerin kritisiert "Öffnungsdiskussionsorgien". Ach ja, und Fußball geht natürlich wieder.

Dass der Fußball keine Sonderrolle beanspruche, diesen Satz hat in der Fußballbranche zuletzt jeder DFL-Boss, jeder DFB-Präsident, jeder Klubmanager und möglicherweise auch schon jeder Linksverteidiger gesagt. Und es ist nun, da das Spiel unter Leitung der Ministerpräsidenten Söder und Laschet wieder angepfiffen werden soll, nur noch eine akademische Frage, ob man eine Wiederaufnahme des Betriebs am 9. Mai eine "Lex Fußball" nennen mag. Der Fußball erfährt eine spezielle Behandlung, sagen wir es so.

Der Fußball ist ein der Unterhaltungsbranche zugehöriger Kommerzbetrieb, und es sollte ihm keiner vorwerfen, dass er Szenarien für den Tag entwirft, an dem es für ihn wieder weitergeht. Der Fußball ist keine Kita, es ist das gute Recht der Bundesliga, vorbereitet zu sein, so wie jede Firma gerade prüft, wann und wie sie ihre Bänder wieder laufen lassen kann. Man darf Christian Seifert, dem Oberstrategen der Deutschen Fußball Liga (DFL), durchaus gesellschaftliches Bewusstsein unterstellen, man weiß das Produkt bei ihm und seiner Truppe in besseren Händen als bei den Produktmanagern der englischen Premier League, in der die milliardenschweren Eigentümer zum Beispiel des FC Liverpool in nonchalanter Unverfrorenheit Staatshilfen für ihre einfachen Klubmitarbeiter reklamiert haben.

Der Ball liegt nun, im Wortsinn, bei der Politik

Es reicht aber ein schneller Blick auf die Inszenierung des Montagabends, um zu begreifen, dass die Wieder-Inbetriebnahme der Bundesliga weit über den Fußball und seine Sachwalter hinausreicht. Es war ein offenbar gut vorbereiteter Überfall, mit dem zwei ehrgeizige Männer namens Markus Söder und Armin Laschet der Bundesliga ihre Unterstützung aufgedrängt haben. Diese mithilfe der Bild-Zeitung getätigte freundliche Übernahme des Fußballs dürfte Seifert und seiner DFL-Truppe gelegen kommen, die Verantwortungsdebatte muss jetzt erst mal die große Politik führen. Einer Gesellschaft, deren Grundrechte zurzeit stark eingeschränkt sind, müssen die Politik und diese beiden ehrgeizigen Männer nun erklären, warum sie dem Geschäftszweig "Bundesliga" so viel Empathie entgegen bringen und nicht etwa, nur ein Beispiel, dem Geschäftszweig "Hotellerie". Und die Gesellschaft wird auch aufmerksam verfolgen, ob das, was in dieser speziellen Kommerzindustrie nun angeblich funktioniert, demnächst auch für andere Branchen funktionieren könnte.

Der Ball liegt nun, im Wortsinn, bei der Politik: Selten war diese ausgeleierte Metapher so treffend wie in diesem Fall.

Die sanfte Öffnung der Stadiontore folgt dem klassischen Panem-et-circenses-Prinzip, die Politik öffnet den Zirkus zur Zerstreuung des Volkes. Aber bestimmt passt es einem bayerischen Ministerpräsidenten auch nicht schlecht in den Matchplan, wenn er am Tag, bevor die heilige Wiesn abgesagt wird, wenigstens die Wiedereröffnung der grünen Fußballwiesn in Aussicht stellt. O'zapft wird!

© SZ vom 22.04.2020/schm
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